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80 Jahre Einkaufswagen : Der Klassiker aus dem Supermarkt

Treuer Begleiter: Den Einkaufswagen gibt es fast überall auf der Welt. Je nach Land fallen aber die Ausmaße unterschiedlich aus. Hier ein Modell der bekannten Marke Wanzl, fotografiert in Düsseldorf. Bild: dpa

Seit 80 Jahren fährt der Einkaufswagen durch die Regale. Er bleibt uns auch künftig erhalten: als Hightech-Gerät. Wie sieht seine Zukunft aus?

          Wenn Ihnen im Supermarkt demnächst ein Fremder auf Schritt und Tritt folgt, erschrecken Sie nicht. Sondern gewöhnen Sie sich besser schon einmal daran. Denn der Verfolger ist bloß ein Einkaufswagen – der Einkaufswagen der Zukunft. Und er will Ihnen nur helfen.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Deswegen ist er keiner dieser gewöhnlichen Drahtwagen mehr, die nur darauf warten, von den Kunden herumgeschubst und in die richtigen Gänge bugsiert zu werden. Sondern er kann mitdenken, gut rechnen, manchmal sogar reden und vor allem: selbst fahren. Im Grunde ist er ein Einkaufsroboter auf Rädern, und, ehrlich gesagt, sieht er auch so aus. Er könnte nämlich genauso gut in Science-Fiction-Filmen mitspielen wie „Wall-E, der Letzte räumt die Erde auf“ oder „Nummer 5 lebt!“. Doch vorerst spielt er eben im Supermarkt den treuen Warenträger, der dem Kunden bei seiner jeweiligen Einkaufsfahrt nicht von der Seite weicht. Wie er das macht? Indem er den Einkäufer zu Beginn der Fahrt scannt. Er erfasst sein Gesicht und seine Statur und heftet sich dann an seine Fersen. Fortan folgt er im Sicherheitsabstand von anderthalb Metern bis zum Ausgang.

          Rund 40 Mal mehr als ein gewöhnlicher Einkaufswagen

          Bisher wird der selbstfahrende Wagen WiiGo erst in wenigen Supermärkten in Frankreich und Portugal eingesetzt. Wer bei der französischen Warenhauskette Auchan einkauft, kann ihn schon testen. Doch schon bald soll er in sehr vielen Ländern zum täglichen Shoppingbegleiter werden, zumindest wenn es nach seinem Erfinder geht, dem Portugiesen Luis de Matos. Der junge Unternehmer sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl, so kam er auf die Idee, einen Einkaufsbegleiter zu konstruieren, den er nicht selbst schieben muss, und gründete ein Start-up. Inzwischen ist es vielfach preisgekrönt. Auch die Metro Group hat den Selbstläufer bereits auf ihrem Innovation Day ihren Mitarbeitern vorgestellt.

          Es ist also nicht ausgeschlossen, dass der Einkaufsroboter auch hierzulande bald zum Einsatz kommt. Noch schwingt da allerdings reichlich Zukunftsmusik mit, denn jeder WiiGo kostet mehrere tausend Euro und damit rund 40 Mal mehr als ein gewöhnlicher Einkaufswagen. Garantiert werden viele Handelsketten also erst einmal beim herkömmlichen Modell bleiben – beim Wagen, bei dem der Kunde noch selbst Hand anlegen muss.

          Mehr Hilfe bei der In-Store-Navigation

          Der ist dafür aus den Märkten gar nicht mehr wegzudenken. Der Einkaufswagen-Klassiker rollt schon seit 80 Jahren durch die Supermärkte. Seine Form ist sogar nahezu gleich geblieben, wenn man es nicht allzu genau nimmt. Doch wie das so ist in der Fahrzeugbranche: Die Entwickler tüfteln unablässig an Optik, Technik und Fahreigenschaften herum, deshalb steckt auch in zeitgemäßen Einkaufswagen schon mehr, als manche meinen. Vor allem sind sie leichtgängiger geworden und oft aus Plastik. Denn der Korb muss in erster Linie rollen, damit der Kunde sich nicht quälen muss. Eine Leselupe am Handlauf und ein Becherhalter (für den Coffee to go während der Fahrt) gehören noch zu den harmlosen Extras. Manche Einkaufshelfer sind aber schon ausgesprochen clever und smart und könnten es in Sachen Sonderausstattung mühelos mit einem Kleinwagen aufnehmen: Navigationsgerät, Bordcomputer, automatische Bremssysteme und sogar eine elektronische Wegfahrsperre sind der neueste Schrei.

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