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Im Test : Welcher Milchaufschäumer ist der beste?

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Weich und oben ganz glatt: So sieht der gelungene Milchschaum aus. Bild: Wonge Bergmann

Milchaufschäumer sollen jeden Latte macchiato mit einer Schaumkrone verzieren. Wir haben vier Geräte getestet.

          Wie einfach die Welt im 19. Jahrhundert doch war. „Drei Dinge gehören zu einem guten Kaffee: erstens Kaffee, zweitens Kaffee und drittens nochmals Kaffee“, ließ Alexandre Dumas wissen. Das Bonmot des französischen Schriftstellers hat heute ausgedient. Damit das einst simpel gebrühte Genussgetränk gelingt, braucht es in Zeiten des „Java Chip Chocolate Cream Frappuccino“ handfeste technische Hilfe.

          Filterkaffee schwarz war gestern, das wissen auch die Deutschen und trinken selbst zu Hause immer häufiger Cappuccino oder Latte macchiato. Dafür braucht es einen Milchaufschäumer, der die unverzichtbare Schaumkrone liefert. Doch welcher macht das am besten? Im Test: vier Geräte, vom günstigen Stabquirl bis hin zum Designermodell.

          Ein hoher Preis und vollmundige Versprechen - das zeichnet den Milchaufschäumer von Jura aus. „Einfach, schnell und sauber“ soll das mit fast 90 Euro teuerste Gerät im Test sein. Auf Knopfdruck erhitzt die mitgelieferte Induktionsplatte die Milch in einem Edelstahlbehälter. Der Strudel, den der kleine Quirl am Boden mit einem leisen Surren parallel dazu erzeugt, hat eine fast hypnotische Wirkung.

          Wie eine geschlossene Schneedecke

          Doch mit der Zeit verfliegt die erste Freude. So verbreitet der Gummiring am Edelstahlbehälter rasch einen strengen Geruch. Und aus dem Surren wird mit der Zeit ein unangenehmes Kratzen. Einmal schäumt das Gerät die Milch gar nicht erst auf, weil sich der Quirl gelöst hat. Der Behälter muss erst geleert und der Quirl wieder eingesetzt werden. So einfach wie angekündigt läuft es manchmal also nicht.

          Etwa viereinhalb Minuten braucht das Jura-Gerät, um die Milch zu schäumen. Deren Volumen verdoppelt sich dabei in etwa. Aber welche Konsistenz braucht eigentlich guter Schaum? Erna Tosberg muss es wissen: Sie ist als amtierende Barista-Meisterin die Kaffeezubereiterin Nummer eins im Land. „Der Schaum soll eine weiche Struktur haben und oben glatt sein wie eine geschlossene Schneedecke“, sagt sie. „Wichtig ist der cremige Geschmack, fast schon wie Sahne.“ Glatt ist der Schaum des Jura-Geräts, wenn auch vielleicht ein bisschen zu fest im Mund. Bekommen günstigere Modelle das noch besser hin?

          Bei der Mittelklasse-Variante „Latteo“ von Bodum geschieht das Erwärmen der Milch in einer Glaskanne auf dem Herd. Zum Aufschäumen dient ein Sieb, das an einem Stab befestigt ist. Dieses wird schnell auf und ab bewegt. Das geht gut von der Hand, doch es quillt dabei etwas Milch durch Ritzen am Rand des Deckels. Hebt man diesen vorsichtig ab, landen dicke, weiße Tropfen auf der Hand und der Arbeitsplatte. Ärgerlich. Der Schaum stimmt immerhin versöhnlich: Glatt, weich und cremig wie Sahne ist er.

          Was leistet deutsche Markenware im Vergleich? Der Milchaufschäumer „Kult“ von WMF kommt massiv daher. Der 35 Zentimeter lange Edelmetallstab mit einem apfelsinengroßen Quirl an der Spitze mutet an wie eine futuristische Keule. Drückt man den Stab in ein Gefäß hinein, dreht sich der Quirl am Boden ganz von selbst und bringt so die Milch in Form.

          Billigkonkurrenz liefert bessere Ergebnisse

          Die Freiheit hat dabei Grenzen. In ein gewöhnliches Latte-macchiato-Glas passt „Kult“ nicht hinein. Es braucht also ein größeres Gebinde, um die Milch aufzuschäumen. Glas- und auch Porzellangefäße empfehlen sich dafür aber ohnehin nicht. Denn beim Schäumen brummt das WMF-Gerät nicht nur laut, es ist auch schwer zu kontrollieren: Der Quirl rutscht hin und her - und kratzt dabei immer wieder am Rand entlang. Die Folge: schwarze Rillen, die beim Spülen nicht mehr weggehen. WMF selbst empfiehlt deshalb zum Aufschäumen den hauseigenen Edelstahlkrug, der ebenfalls aus der „Kult“-Serie stammt und noch einmal mit 49,95 Euro zu Buche schlägt. Ist wenigstens der Schaum in Ordnung? In der Milch zerplatzen während der Zubereitung dicke Blasen. Wer genau hinhört, vernimmt ein Knistern wie bei Bonbonpapier. „Es darf nicht zu viel Luft im Schaum sein, sonst zergeht er direkt im Mund“, sagt Kaffeemeisterin Tosberg. Der Geschmackstest bestätigt den Verdacht: Der Schaum zerrinnt auf der Zunge, er ist zu dünn. Immerhin lässt sich „Kult“ nach Gebrauch vergleichsweise einfach in der Spüle reinigen.

          Am Ende liefert die Billigkonkurrenz bessere Ergebnisse. Der kleine elektrische Stabaufschäumer von Scanpart ist mit acht Euro das günstigste Modell im Test. Ein dünner Metallstab mit Quirl an der Spitze, der auf Knopfdruck rotiert - einfacher geht es nicht. Es braucht allerdings einige Anläufe, um die richtige Technik zu finden (die Milch zuerst unten gut durchwirbeln, dann in langsamen Drehbewegungen nach oben wandern und schließlich oben die letzten Bläschen wegquirlen). Mit etwas Übung geht das Schäumen aber leicht von der Hand. Und siehe da: keine Blasen, glatt, cremig. Und das innerhalb einer Minute. So soll es sein.

          Vielleicht lässt sich Alexandre Dumas’ Kaffeedogma doch in die heutige Caffè-Latte-Welt hinüberretten. Die Botschaft würde dann ganz allgemein formuliert lauten: Oft sind die einfachen Dinge die besten.

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