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Kaffeeröster mit Leihservice : Lohnt es sich, von Tchibo Babyklamotten zu mieten?

Leasen oder kaufen? Bei Babykleidung kann sich das Ausleihen bezahlt machen. Bild: dpa

Auch der Kaffeeröster Tchibo steigt ein ins Geschäft mit dem Ausleihen. Am 23. Februar hat das Unternehmen eine Plattform gestartet, auf der Kunden Babykleidung mieten können. Rechnet sich das?

          „Die ist aber wieder groß geworden!“ Wer Kinder im Säuglingsalter hat, kennt diesen Ausspruch, von Freunden und Verwandten etwa, die den Nachwuchs nur alle paar Wochen zu Gesicht bekommen. In der Tat, kleine Kinder wachsen unglaublich schnell. Und ebenso schnell müssen wieder neue Strampler, Mützen und Hosen her, weil Sohn oder Tochter aus den alten herausgewachsen sind. Doch immer etwas Neues kaufen? Vielen Eltern ist das zu teuer, außerdem nicht nachhaltig genug. Und obendrein enthalten gebrauchte Kleidungsstücke, die schon häufiger getragen und gewaschen wurden, deutlich weniger Chemikalien.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dies möchte sich jetzt das Kaffee- und Einzelhandelsunternehmen Tchibo zunutze machen. Seit dem 23. Februar können Eltern auf dem Portal Tchibo Share Kinder- und Babykleidung sowie Umstandsmode aus Biobaumwolle mieten. So kostet etwa der Pyjama Zirkus in Rosa 2,20 Euro pro Monat, die Strickjacke in Blau 3,40 Euro (in Rosa bekommt man sie übrigens für genau so viel). Bettwäsche gibt es für 2,20 Euro und drei Langarmbodies für 2,60 Euro im Monat. Laut Tchibo können Familien die Produkte so lange behalten, wie sie wollen. Braucht man die Kleidungsstücke nicht mehr, schickt man sie zurück. Sie werden dann gereinigt, aufbereitet und an die nächste Familie versendet. In den Filialen lassen sich aber keine Klamotten ausleihen.

          Kooperationspartner ist das Magdeburger Unternehmen Relenda, das schon seit mehreren Jahren online unter kilenda.de Mode, Spielzeug und Kinderwagen für Babys auf Leihbasis anbietet. Man wolle mit dem neuen Service Ressourcen schonen, den gesamten Lebenszyklus eines Produktes berücksichtigen, heißt es von Tchibo. Vielleicht ist das Portal aber auch Teil der Strategie, sich als besonders nachhaltiges Unternehmen zu präsentieren, nachdem es in der Vergangenheit immer wieder wegen schlechter Produktionsbedingungen in die Kritik geraten ist.

          Auch auf dem Flohmarkt und auf Ebay gibt es Günstiges

          Doch lohnt sich das Leihsystem für Eltern? Einige Vorteile liegen beim Mieten auf der Hand: Man kann sich jeden Monat neue Stücke schicken lassen, ohne dass der Kleiderschrank aus allen Nähten platzt oder man sich um den Wiederverkauf kümmern muss. Und natürlich lässt sich Geld sparen, zumindest wenn man die Kosten damit vergleicht, neue Hosen und Pullover im Geschäft zu erstehen. 

          Vergleicht man allerdings die Miet-Preise von 2 bis 5 Euro bei Tchibo mit denen gebrauchter Kinderklamotten auf Ebay-Kleinanzeigen oder vom Babyflohmarkt, die allerdings im Gegensatz zu der Tchibo-Kleidung nicht unbedingt neuwertig sind, dann scheint das Leihen gar nicht mehr so günstig. Nehmen wir an, dass ein kleines Kind eine Größe etwa drei Monate tragen kann, dann werden aus den 2,20 für den Zirkus-Pyjama in Rosa schon 6,60 Euro. Auf Ebay Kleinanzeigen zum Beispiel bekommt man zwei bis drei gut erhaltene Schlafanzüge schon für 5 Euro, die man allerdings vor Ort abholen oder noch Versandkosten zahlen muss.

          Dafür kann man sie ebenfalls weiterverkaufen, wenn man sie nicht mehr braucht, und bekommt so einen Teil des Geldes wieder zurück. Auch auf dem Babyflohmarkt im eigenen Wohnviertel lassen sich gleich ganze Komplettausstattungen zu günstigen Preisen erstehen und so gute Schnäppchen machen - hier entfällt im Gegensatz zu Tchibo und Ebay auch der Versand. Das verringert den eigenen, ökologischen Fußabdruck deutlich mehr.

          Wer nicht so sehr auf jeden Cent schauen muss, wenig Zeit hat auf Ebay Anbieter anzuschreiben oder die Samstage auf dem Flohmarkt zu verbringen und Wert auf modische Abwechslung im Kinderkleiderschrank legt, für den ist der Leihservice sicher eine gute Option. Wer allerdings nach möglichst günstigen und ökologischen Alternativen zur Kleiderwegwerfgesellschaft sucht, kann ebenso auf die altbewährten Quellen zurückgreifen - und vielleicht einfach in der Familie und im Bekanntenkreis herumfragen. Da bekommt man gebrauchte Strampler und Mützchen meistens einfach geschenkt.

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