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Johannes Remmel : Individuelle Preise? Bitte nicht!

  • Aktualisiert am

Dosenbier-Produktion: Wer das kauft, hat vermutlich wenig Geld. Bild: Reuters

Wer mehr verdient, zahlt mehr? Ein grüner Verbraucherschutz-Minister will das verhindern. Individuelle Preise findet er unfair.

          Ein Produkt, zwei Preise – je nach Verbraucher: Dass Internethändler mit individualisierten Preisen taktieren, will der Vorsitzende der Verbraucherministerkonferenz, Johannes Remmel (Grüne), stoppen. „Wir müssen solche Praktiken verhindern, bevor sie sich weiter ausbreiten“, sagte der nordrhein-westfälische Verbraucherschutzminister den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

          Remmels Vorstoß richtet sich dagegen, dass Internethändler ihre Preisgestaltung zum Beispiel auf das Konsumverhalten einzelner Kunden zuschneiden. So könnten einem regelmäßigen Käufer etwa Rabatte vorenthalten werden, während Gelegenheitsshopper dieselben Produkte zu Sonderpreisen angeboten bekommen.

          In Berlin experimentiert die Supermarktkette Kaiser's mit personalisierten Rabatten – das Prinzip ist einfach: Wer viel Pizza und Dosenbier kauft, hat wahrscheinlich weniger Geld und bekommt deshalb günstigere Preise angeboten als jemand, der oft teure Produkte einkauft. So will die Kette die Zahlungsbereitschaft der Reichen abschöpfen und die Ärmeren zu mehr und wenigstens etwas teureren Einkäufen bewegen.

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          „Wenn ich als Kunde nur wegen meines Wohnortes oder meiner Konsumgewohnheiten einen anderen Preis bekomme als mein Arbeitskollege, dann ist das schlicht und einfach eine unfaire Preispolitik der Wirtschaft“, sagte Remmel. Der Grünen-Politiker schließt auch Gesetzesverschärfungen nicht aus, da die Vorgaben aus dem analogen Zeitalter nicht mehr zu den rasanten Entwicklungen in der digitalen Welt passten.

          Einer im Auftrag des NRW-Verbraucherministeriums erstellten Umfrage zufolge sprechen sich 57 Prozent der Verbraucher für einheitliche Preise aus, 38 Prozent finden dem Bericht zufolge individuelle Preise gut. Die Toleranz hängt auch davon ab, wie genau die individuellen Preise funktionieren: Am ehesten anfreunden können sich die Verbraucher der Erhebung zufolge mit Niedrigpreisen für treue Kunden. Das fänden 87 Prozent der Befragten fair.

          Mehr als 90 Prozent der Verbraucher lehnen es jeweils ab, wenn Online-Händler ihre Preise nach der Zahlungsbereitschaft oder dem Kaufinteresse ihres Kunden ausrichteten. 94 Prozent finden es ungerecht, wenn Online-Shops ihre Preise davon abhängig machen, in welchen Stadtvierteln oder Straßen Käufer wohnen.

          Quelle: bern. / AFP

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