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Angesagte Stifte : „Handlettering“ folgt auf den Ausmaltrend

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Die Nürnberger Designerin und Typographie-Künstlerin Hannah Rabenstein treibt den Handlettering-Trend mit voran. Bild: dpa

Laptop und Smartphone schienen noch vor ein paar Jahren die Totengräber der Stifteindustrie. Dann kam der Ausmaltrend; der bescherte der Branche unerwartete Umsatzsprünge. Das geht jetzt zu Ende. Die Lust am Gestalten aber bleibt.

          Sie hatte den deutschen Stifteherstellern geradezu einen Boom beschert - die Lust von Erwachsenen am Bilderbuch-Ausmalen zwang im Vorjahr die Branche zu Sonderschichten. Inzwischen ist der Buntstift-Hype erst einmal vorbei. Seit ein paar Monaten, so heißt es beim Stiftehersteller Staedtler Mars, bewege sich das Ganze eher in Richtung einer „klassischen Hobby-Beschäftigung“. Andere sprechen von einem Rückgang auf „Normalniveau“. Sonderschichten in der Produktion fährt inzwischen keines der großen Unternehmen mehr.

          Umsatzsorgen haben die Großen der Branche - ganz gleich ob Staedtler Mars, Schwan-Stabilo oder Faber-Castell - deswegen trotzdem nicht. Denn schon verspricht den Firmen der nächste Selbstmachtrend gute Geschäfte: Das „Handlettering“. Hinter dem englischen Begriff verbirgt sich nichts anderes als die Lust am Zeichnen und Malen von Buchstaben. Nach Einschätzung von Branchenkennern ist das der neueste Trend der „Do-it-Yourself“-Welle - angeblich eine Gegenbewegung zur Digitalisierung von Alltag und Freizeit.

          „Hier geht es nicht wie bei der Kalligraphie um Perfektion, sondern um eine spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema Schrift“, stellt Faber-Castell-Sprecherin Sandra Suppa klar. Im Geschäftsjahr 2015/2016 erzielte das Unternehmen einen Rekordumsatz von 631 Millionen Euro - zehn Prozent mehr als im Jahr davor. Ob sich das Handlettering zu einem ähnlichen Trend entwickelt wie die Erwachsenen-Malbücher, bleibe abzuwarten. Dafür sei der Trend zur manuellen Buchstabengestaltung womöglich dauerhafter.

          Kalligraphie-Federn, farbige Tinten, Fineliner

          Dabei ist nach Einschätzung von Marion Korbel vom Stifte- und Rucksack-Hersteller Schwan-Stabilo das Handlettering im Grunde genommen nichts anderes als die Weiterentwicklung des Ausmaltrends. Sie ist davon überzeugt, dass viele Ausmalfans nach und nach zum Handlettering „konvertieren“ werden. Um Umsatzzahlen nennen zu können, sei es aber noch zu früh, sagt sie. „Denn Handlettering nimmt beim Verbraucher gerade erst Schwung auf.“ Im Geschäftsjahr 2015/2016 hatte das Unternehmen seinen Schreibgeräte-Umsatz um 9,1 Prozent auf 185,1 Millionen Euro gesteigert - vor allem dank des Ausmaltrends.

          Auch Staedtler-Sprecherin Britta Olsen sieht im Handlettering einen der wichtigsten Kreativtrends der vergangenen Monate - in ihren Augen allerdings eher parallel zu dem weiter gut laufenden Ausmaltrend. Den versucht man derweil mit der Kampagne „Mut zur Pause“ weiter am Köcheln zu halten. Der Stifte-Hersteller (Umsatz 2015: 323 Millionen Euro) hat dabei vor allem Büromenschen im Blick. Die sollten, so hofft man bei Staedtler Mars, in kurzen Auszeiten am Arbeitsplatz beim Ausmalen entspannen und Stress abbauen.

          Auf die neue Lust an der kreativen und kunstvollen Buchstaben- und Textgestaltung haben inzwischen alle großen Hersteller reagiert. Sie bieten seit ein paar Monaten dafür Kreativ-Sets an: Der Inhalt reicht je nach Preislage von einfacheren bunten Fineliner-Stiften, über Pinselstifte bis zu teureren Kalligraphie-Federn. Faber-Castell hat dazu jüngst sogar unterschiedlich farbige Tinten auf den Markt gebracht - präsentiert in Tintenfässern, die man auf den ersten Blick eher für edle Parfüm-Flacons hält.

          Handlettering als Gegenbewegung zum Tippen und Wischen

          Getrieben wird der Trend wie so häufig von Bloggerinnen, wie der Münchner Lettering-Expertin Tanja Cappell (“Frau Hölle Studio“) und der Nürnberger Designerin und Typographie-Künstlerin Hannah Rabenstein. Als Cappell unlängst für Schwan-Stabilo in einem sogenannten „Live-Tutorial“ auf Facebook Tipps für die kreative Buchstabengestaltung gab, hatten sich Tausende von Zuschauern im Netz auf die Seite geklickt.

          Auch Rabenstein gehört heute zu den Pionieren des neuen Gestaltungstrends. Ihr Buch „Handlettering von A bis Z“ ist inzwischen in dritter Auflage erschienen. Für den Erfolg des Handletterings macht sie vor allem die „digitale Übersättigung“ verantwortlich: „Handlettering ist die Gegenbewegung zum schnellen Tippen, Klicken und Smartphone-Wischen.“ Zu ihren Kunden gehören inzwischen auch Restaurants und Läden, für die sie Schaufenster, Menütafeln und Werbeflächen individuell gestaltet.

          Mit distanziertem Blick verfolgt derweil der Typograph Rudolf Paulus Gorbach den Handlettering-Trend. Als jemand, der sich seit Jahrzehnten mit der Anatomie von Schriften beschäftigt, freut er sich zwar über das plötzliche Interesse an Buchstaben. „Ich möchte das gar nicht verdammen. Vielen Leuten bringt das ganz viel“, macht der in Utting am Ammersee sitzende Schriftexperte und frühere Fachhochschullehrer deutlich. Aber mit Typographie, ihrer 500-jährigen Tradition und dem Streben, Texte möglichst komfortabel lesbar zu gestalten, habe Handlettering nichts zu tun. Es gehe um Spaßschriften - die oft ins Komikhafte gingen.

          Quelle: dpa

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