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Flugverkehr : Air-Berlin-Krise nervt Urlauber

Auf der Suche nach Hilfe: Flugreisende an einem Schalter von Air Berlin auf dem Flughafen Tegel Bild: Imago

Vor den Sommerferien sind Reisende beunruhigt, ob mit ihrem Urlaubsflug alles glatt geht. Die Reisebranche rüstet sich derweil für alle Fälle.

          Die ungewisse Zukunft der Fluggesellschaft Air Berlin und ihres Ferienflugablegers Niki verunsichert die Urlauber vor der Sommerferienzeit. In Reisebüros gehen besorgte Nachfragen ein. Auch Manager von Reisekonzernen sind angesichts der nicht abreißenden Meldungen über verschobene Flüge und verschollene Koffer alarmiert. Und Verspätungen genügen schon, um Urlaubsfreuden nachhaltig zu trüben. Jüngster Spitzenreiter ist ein Niki-Flug, der in der vergangenen Woche mehr als 24 Stunden zu spät aus Ibiza in Düsseldorf landete.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Den Ärger bekommen dann Reisekonzerne zu spüren, denn die Urlauber haben ihre Pauschalreisepakete mit Flug und Hotel nicht von Air Berlin oder Niki, sondern von TUI, DER Touristik oder Alltours gekauft. Zwar rechnet kaum ein Touristiker damit, dass Air Berlin und Niki schon in diesem Sommer am Boden bleiben. Doch sie treffen Vorsorge. „Wir sind seit einiger Zeit wachsam. Eine tiefgreifende Veränderung im Ferienfluggeschäft würde uns nicht unvorbereitet treffen“, sagt ein Manager, der ungenannt bleiben will. Offen will sich niemand aus der Branche äußern. Kein Reiseveranstalter will riskieren, die eigenen Kunden weiter zu verunsichern oder Air Berlin noch tiefer in die Krise rutschen zu lassen. Doch die Alternativsuchen für Ferienflüge, auf denen Pauschalurlauber untergebracht werden können, laufen. Dazu gehören Anfragen beim Lufthansa-Billigableger Eurowings. Auch kleinere Gesellschaften wie Germania und Beförderer aus dem europäischen Ausland werden kontaktiert. Sie alle können zu Profiteuren der Nöte von Air Berlin und Niki werden.

          „Die Tickets sind sicher. Die Kunden können beruhigt bei uns buchen.“

          Pauschalreisekunden müssen sich weniger Sorgen machen. Bricht der gebuchte Flug weg, muss sich nicht der Kunde, sondern der Reiseveranstalter wie TUI oder FTI um Ersatz kümmern. Der Urlauber muss nur hinnehmen, später oder mit einer anderen Gesellschaft zu fliegen. Anders sieht es für Kunden aus, die Hotel und Flug getrennt gebucht haben. Sie müssen sich selbst einen anderen Flug buchen und für ausgefallene oder stark verschobene Flüge Entschädigungen einfordern sowie sich im Ernstfall mit einer Forderung an den Insolvenzverwalter wenden – mit ungewisser Aussicht auf Rückzahlung. Erste Reisebüros weisen darauf hin, dass reine Flugtickets keinen Insolvenzschutz genießen.

          Bei Air Berlin ist man alarmiert, was diese Kundengespräche für den Ruf der Gesellschaft bedeuten. Vertriebsvorstand Götz Ahmelmann erklärte daher in der „Rheinischen Post“: „Die Tickets sind sicher. Die Kunden können beruhigt bei uns buchen.“ Im ersten Quartal hatte das Unternehmen täglich fast 3 Millionen Euro Verlust eingeflogen. Vor der Air-Berlin-Hauptversammlung am Mittwoch ist zudem unklarer denn je, wie es mit dem auf die Marke Niki verlagerten Ferienfluggeschäft weitergeht. Großaktionär Etihad hat den Plan eines neues Gemeinschaftsunternehmens mit TUI abgesagt, vorerst wird Niki weiter als separate Sparte von Air Berlin geführt.

          Mit bis zu 5000 Euro gelockt

          Die Reiseveranstalter hatten derweil schon in der Vorsaison genug Arbeit. Weil Air Berlin und Niki Strecken im Vorgriff auf den stornierten Trennungsplan neu sortierten, mussten Kunden neue Flugnummern mitgeteilt werden. Dazu kamen Verspätungen. Busse der Reisekonzernen mussten an Flughäfen von Urlaubsorten warten, um entnervte Reisende spät zu den Hotels zu kutschieren. Auch Abfahrten von Kreuzfahrtschiffen wurden schon hinausgezögert, weil sich Passagiere noch im Anflug auf die Hafenstadt befanden. Im Mai landete die Hälfte aller Air-Berlin-Flüge bis zu 15 Minuten verzögert. Der Flugdatenauswerter OAG weist eine Pünktlichkeitsquote von 54,2 Prozent aus. Niki erreichte 61,3 Prozent. Die Deutsche Lufthansa schwebte mit rund 79 Prozent in anderen Sphären, der von der Lufthansa mitbetriebene Ferienflieger Sun Express mit 94 Prozent erst recht.

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          Wochenlang nannte Air Berlin die mangelhafte Arbeit des Bodendienstleisters Aeroground auf dem Flughafen Berlin-Tegel als Grund für Unregelmäßigkeiten, mittlerweile wurde eingeräumt, dass auch Personalmangel zu Verspätungen und Ausfällen geführt hat. Inzwischen stellt Air Berlin neu ein. Für die auf Zubringerstrecken eingesetzten kleineren Bombardier-Flugzeuge, bei denen die Schwierigkeiten besonders groß waren, wurden Flugbegleiter gar mit Prämien von bis zu 5000 Euro gelockt. Dadurch hat sich in den vergangen Tagen der Betrieb etwas stabilisiert, doch der Ruf der Verspätungen hallt nach. Hinzu kommt die Debatte um mögliche Staatshilfen für Air Berlin, die Gesellschaft hatte am Donnerstag eine Voranfrage auf eine Bürgschaft gestellt.

          Bild: F.A.Z.

          Die deutschen Flughäfen hoffen, dass dadurch eine zweite große Gesellschaft neben Lufthansa erhalten bleibt. Doch während die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) dazu sagte, Air Berlin sei nicht nur ein Berliner Unternehmen, „sondern trägt den Namen unserer Stadt täglich in die Welt hinaus“, erklären Vielflieger in Online-Foren, wegen Verspätungen und verschollenen Koffern ohne Air Berlin die Stadt umfliegen zu wollen.

          Quelle: F.A.Z.

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