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Flugtickets werden teurer : Passagiere müssen im Dezember tiefer in die Tasche greifen

  • Aktualisiert am

Gerade zu Weihnachten müssen Fluggäste für ihre Plätze besonders viel zahlen. Bild: dpa

Nach der Air-Berlin-Pleite bekommen Passagiere immer schlechter einen Platz im Flugzeug. Die Lufthansa kann das Angebot wohl erst ab Januar aufstocken, bis dahin sind die Tickets rar. Das lässt die Flugpreise steigen, ausgerechnet zu Weihnachten.

          Wer gerade einen Flug buchen möchte, der traut zuweilen seinen Augen kaum. Ein Flug mit der Lufthansa-Billigtochter Eurowings kostet schnell mal 300 Euro - nur für den Hinflug - oder ist gleich ausgebucht. Die hohen Ticketpreise haben einen einfachen Grund: Mit seiner Pleite hat der Billigflieger Air Berlin eine große Lücke im deutschen Flugmarkt hinterlassen, den die Lufthansa nicht ausgleichen kann - zumindest im Moment. Den Berechnungen des Internet-Portals „Mydealz“ zufolge, über die das „Handelsblatt“ berichtet hatte, sind nach der Aufgabe des Linienverkehrs der Air Berlin auf Kurzstrecken die Preise zwischen 26 Prozent an Werktagen und knapp 39 Prozent an Wochenenden gestiegen.

          Experten hatten den Anstieg erwartet, weil nun auf vielen Strecken insbesondere aus Berlin und Düsseldorf ein wichtiger Wettbewerber fehlt. Vor allem auf den innerdeutschen Verbindungen ist die Lufthansa derzeit weitgehend allein unterwegs und kann die Nachfrage trotz des vereinzelten Einsatzes von Großraumflugzeugen wie der Boeing 747 kaum abdecken. Auf der Mittelstrecke sieht es etwas besser aus, weil hier auch Billigflieger und die jeweiligen nationalen Fluggesellschaften der Zielländer im Rennen sind.

          Die höheren Preise im Lufthansa-Konzern seien allein durch die gestiegene Nachfrage entstanden, die ihrerseits auf das verkleinerte Angebot zurückzuführen sei, teilt das Unternehmen mit. „Wir haben unsere Preisstruktur nicht verändert“, betont eine Sprecherin. Aber: Die Jets sind derzeit viel schneller ausgebucht, das nahezu vollautomatische Buchungssystem reizt die insgesamt 26 Preisklassen zügig aus und bittet die Kunden entsprechend zur Kasse.

          Stuttgart-Berlin, 8.45 Uhr: Leider ausverkauft

          Schon im Oktober, als viele Passagiere schon die dann am 27. Oktober abgewickelte Air Berlin gemieden haben, kletterte die Auslastung im Lufthansa-Konzern auf Rekordwerte. Die Preisbildung funktioniert wie bei nahezu allen Airlines: Ist der Flugtermin noch weit entfernt und sind erst wenige Plätze verkauft, werden die Tickets günstig angeboten. Die letzten Plätze kurz vor Abflug werden hingegen nur noch zu Höchstpreisen abgegeben.

          Immer häufiger zeigen die Systeme der Lufthansa und ihrer Tochter Eurowings speziell für Inlandsflüge zu günstigen Tageszeiten nur noch den Status „ausverkauft“ an. Seit gut zwei Wochen sind deutlich weniger Flieger am Himmel als vor der Air-Berlin-Pleite. Rund 80 der 140 rot-weißen Flugzeuge stehen am Boden, laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr fehlen jeden Tag rund 60.000 Sitzplätze.

          Weitere Abhilfe sei erst nach einer positiven Kartell-Entscheidung der EU-Kommission zu erwarten. 1000 zusätzliche Flüge pro Monat soll dann allein die Tochter Eurowings anbieten, sofern sie denn bis dahin ausreichend Crews angeworben hat. Mit einer Entscheidung aus Brüssel noch in diesem Jahr wird es allerdings nur etwas, wenn die Kommission auf eine vertiefte Prüfung des Air-Berlin-Deals verzichtet. So könnten die Ticketpreise bald allmählich wieder sinken, auf innerdeutschen Flügen soll es die zusätzlichen Verbindungen aber wohl erst ab Januar geben. 

          Neue Konkurrenten beleben das Geschäft

          Auch kleine Anbieter wie Germania, Condor, Sundair oder die griechische Aegean stocken ihre Flotten auf. Der zweite Air-Berlin-Käufer Easyjet will nach der Brüsseler Entscheidung nach und nach die erworbenen Kapazitäten in den Markt bringen. Wegen der komplexen Formalien bei der Übernahme der Flugzeuge und des Personals wollen sich die Briten dabei bis September 2018 Zeit nehmen.

          Auf welchen Strecken und zu welchen Terminen die Londoner die bis zu 25 Jets einsetzen wollen, haben sie bislang nicht kommuniziert. Erwartet wird aber schon aus kartellrechtlichen Gründen ein Angebot auf den aktuell so überbuchten innerdeutschen Rennstrecken wie Frankfurt-Berlin, Berlin-München oder Düsseldorf-München.

          Ausgerechnet auf diesen Verbindungen hat nun auch die Lufthansa-Tochter Eurowings neue Angebote ab 2018 angekündigt. Das kann Spielmaterial für die Kartellprüfung sein oder tatsächlich die Hoffnung auf wieder sinkende Ticketpreise schüren.

          Teurer Mallorca-Urlaub

          Bis aber die neuen Konkurrenten im Markt Fuß gefasst haben, fehlt es an Wettbewerb - und der Kunde zahlt drauf. Gerade in der Weihnachtszeit möchten viele Menschen Freunde und Verwandte besuchen oder ins Warme verreisen, die Nachfrage ist besonders groß und das treibt die Preise noch weiter in die Höhe.

          So hat das Vergleichsportal für Flugpreise Skyscanner ermittelt, dass Passagiere in diesem Jahr zur Weihnachtszeit besonders tief in die Tasche greifen müssen. Dem Internetportal zufolge kosten die innerdeutschen Flüge im Dezember und teilweise noch im Januar 24 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im November lagen die Suchergebnisse für innerdeutsche Flüge sogar um 33 Prozent höher als im gleichen Zeitraum vor einem Jahr.

          Besonders teuer kommt es demnach für Reisende nach Stuttgart, die im Dezember durchschnittlichen einen Aufschlag von 35 Prozent hinnehmen müssen. Danach folgt Berlin mit einer Preissteigerung von 33 Prozent. Auch wer nach Düsseldorf fliegen will, muss knapp ein Viertel mehr zahlen. Köln/Bonn kommt mit Plus 6 Prozent noch vergleichsweise glimpflich davon.

          Am meisten dürften sich Mallorca-Urlauber über die Lage ärgern: Sie müssen 40 Prozent mehr für ein Flugticket auf den Tisch legen als noch vor einem Jahr. Auch für Flüge nach Gran Canaria, Teneriffa und Istanbul müssen Passagiere rund 30 Prozent mehr berappen.

          Quelle: dpa/ancs

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