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„Instant Payments“ : Die ersten 10.000 Sparkassen-Überweisungen in Echtzeit

Bislang ist es in der Bankenbranche üblich, Überweisungen zu sammeln und dann stapelweise abzuarbeiten. Seit November sind in Europa Überweisungen von Konto zu Konto binnen Sekunden technisch möglich. Bild: dpa

Sofortüberweisungen bei der Sparkasse: Von Konto zu Konto in Sekunden. Den neuen Service gibt es aber nicht überall - und gelegentlich ist er auch recht teuer.

          Die Sparkassen in Deutschland bieten seit diesem Dienstag einen neuen Service an. Wer möchte, kann statt der herkömmlichen Überweisung, deren Ausführung nach EU-Regulierung bis zu einem Werktag dauern darf, eine sogenannte Echtzeitüberweisung nutzen, bei der Geld innerhalb weniger Sekunden ankommt. Die Sparkassen haben sich dazu ein Zeitfenster von 20 Sekunden gegeben, bis zu dem der Empfänger das Geld erhalten haben soll. Dafür kann ein einmal gegebener Auftrag nicht mehr storniert werden. Der Maximalbetrag für diese „Instant Payments“, so der Fachbegriff, beträgt 15000 Euro. Viele, aber nicht alle Sparkassen nehmen für den neuen Service, den sie als Echtzeitüberweisungen vermarkten, ein höheres Entgelt als für herkömmliche.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christian Siedenbiedel

          Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) berichtete, am ersten Tag des neuen Angebots habe es bis zum Mittag rund 10000 Echtzeit-Überweisungen gegeben, vor allem innerhalb Deutschlands, aber auch zum Beispiel nach Spanien, Italien, Österreich und in die Niederlande. Es seien auch erste Echtzeitüberweisungen bei deutschen Sparkassen angekommen.

          Angebot beginnt nicht überall gleichzeitig

          Die Sparkasse Leipzig beispielsweise berichtete von 77 Echtzeitüberweisungen bis zum Nachmittag des ersten Tages, die Nassauische Sparkasse in Wiesbaden von 150, die Sparkasse Pforzheim Calw von circa 60 Kunden, die bei ihrem Überweisungsauftrag „das Häkchen im Feld Echtzeit-Überweisung gesetzt“ hätten. Eine Sprecherin der Sparkasse in Nürnberg sagte, sie glaube schon, dass viele Kunden sich das neue Angebot anguckten und eventuell nutzten, wenn die nächste Überweisung anstehe: „Das muss ja nicht gleich am ersten Tag ab 11 Uhr sein.“

          Offenbar ist es den Sparkassen nicht gelungen, dass tatsächlich alle gleichzeitig mit dem Angebot beginnen. Eine ganze Reihe von Sparkassen wie beispielsweise die Stadtsparkasse in Düsseldorf oder auch die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg teilten auf Anfrage mit, bei Ihnen sei das Versenden der Echtzeit-Überweisungen noch nicht möglich. Das Empfangen solcher Überweisungen ist nach Angaben des DSGV jedoch jetzt bei 384 von 385 Sparkassen in Deutschland möglich, die einzige Ausnahme sei die Hamburger Sparkasse (Haspa).

          Zwischen 50 Cent und 5 Euro

          Sparkassen-Kunden können dabei in eine Kostenfalle tappen. Denn die Gebühren, die von den Sparkassen für Echtzeitüberweisungen verlangt werden, sind dabei sehr unterschiedlich und sind zum Teil auch nochmal je nach Kontomodell verschieden. Ein stichprobenhafter Vergleich der FMH-Finanzberatung in Frankfurt von rund 40 Instituten kommt zu dem Ergebnis, dass viele Sparkassen um die 50 Cent je Echtzeit-Überweisung verlangen. Es gibt aber auch Institute, die keine Gebühren verlangen. Andere verlegen sich auf die Formulierung, es entstünden zumindest keine zusätzlichen Kosten über die normalen Kontoführungsgebühren und Überweisungsentgelte hinaus. So teilte die Frankfurter Sparkasse mit: „Die Echtzeit-Überweisung ist ein ganz normaler Online-Zahlungsauftrag und im Online-Banking oder in der Sparkassen-App bei den Privatkonten unentgeltlich.“ Bei der Sparkasse Nürnberg hieß es: „Zusätzliche Kosten entstehen für unsere Kunden hier nicht.“ Auch die Landessparkasse zu Oldenburg erklärte: „Für die LzO-Kunden entstehen bei der Nutzung der Echtzeit-Überweisung gegenüber einer Standard-Überweisung keine zusätzlichen Kosten.“

          Hingegen sorgte die Ostseesparkasse Rostock für Aufmerksamkeit auf dem Nachrichtendienst Twitter, weil das Institut auf seinem Preisaushang im Internet ein Entgelt von 5 Euro je Echtzeitüberweisung angekündigt hatte. Auf Anfrage bestätigte die Sparkasse dieses Entgelt. Die Sparkasse Hannover nimmt immerhin 2 Euro je Echtzeitüberweisung. Das scheinen aber eher Ausnahmen zu sein, ansonsten scheinen Entgelte bis zu einem Euro verbreitet zu sein. Hier ist für Kunden auf alle Fälle Vorsicht angesagt: Sie wurden in den vergangenen Monaten von ihren Instituten über die zukünftigen Kosten informiert. Manche Institute bieten auch nur für spezielle Kontomodelle kostenlose Sofortüberweisungen an.

          Kreditkarten könnten hinfällig werden

          Gänzlich neu sind Sofortzahlungen nicht. Im Sepa-Raum, der deutlich größer als der Euroraum ist, gibt es solche Lösungen bereits – ein Blick in die skandinavischen Länder wie Dänemark und Norwegen zeigt dort schon entsprechende nationale Lösungen auf. Paypal bietet diese auch an, allerdings trägt Paypal eben auch das Geschäftsrisiko, falls eine Transaktion schiefgeht.

          Das verheißt für Banken aber auch Gutes: Sie könnten damit einst verlorene Marktanteile zurückerobern, wenn sie in Konkurrenz zu den Fintechs treten. Ob das mit diesem Gebührenmodell klappt, darf wiederum bezweifelt werden. Dagegen könnten Kreditkarten auch vollkommen vom Markt verschwinden, da sie nicht mehr nötig sind. Andererseits könnten Mastercard, Visa und Co. andere Sicherheiten und Services bieten wie augenblickliche elektronische Rechnungen.

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