http://www.faz.net/-hbv-7rt62

Bargeldloses Bezahlen : Vorsicht, EC-Karten-Betrug!

Geht die Karte verloren, sollte das auch die Polizei erfahren Bild: Mauritius

Wer seine EC-Karte verliert, lässt sie telefonisch sperren. Doch das genügt nicht: Betrug per Lastschrift ist weiterhin möglich. Wie Sie sich schützen und was Sie tun können, wenn Sie bereits Opfer geworden sind.

          Angenommen, Sie haben es eilig. Gleich kommt die Straßenbahn, aber Sie haben noch kein Ticket. Am Fahrkartenautomat zahlen Sie mit der EC-Karte. In der Bahn fällt Ihnen auf, dass sie immer noch im Automaten steckt; zum Aussteigen ist es nun zu spät. Kein Problem, denken Sie, schließlich gibt es für solche Fälle eine Sperrhotline. Die rufen Sie an, lassen Ihre Karte sperren, und das Problem ist aus der Welt, richtig?

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik.

          Falsch. Denn gesperrt sind die EC-Karten nur, wenn jemand versuchen sollte, mit der Karte und der Geheimnummer (Pin) Bargeld abzuheben. Das elektronische Lastschriftverfahren (ELV) mit Unterschrift funktioniert aber weiterhin. Ein Dieb oder Betrüger kann also auch mit einer vermeintlich „gesperrten“ Karte noch einkaufen, wenn er die Unterschrift des Karteninhabers zu fälschen weiß. Dafür genügt eine halbwegs brauchbare Imitation, denn Kassierer schauen selten genau hin. Der Warenverkehr soll fließen, also auch das Geld.

          In einem solchen Fall fließt das Geld allerdings vom Konto des Falschen ab. Und das ist relativ leicht möglich: Man muss seine EC-Karte nur einen Moment unbeaufsichtigt lassen oder das Pech haben, bestohlen zu werden. Im vergangenen Jahr wurden immerhin 16.434 Personen Opfer eines solchen Betrugsfalls.

          Nicht alle nehmen am Kuno-System teil

          Wer das vermeiden will, muss nach dem Verlust seiner EC-Karte eine „Kuno“-Sperrung vornehmen. Sie wurde 2006 bundesweit eingeführt, hinter dem Begriff verbirgt sich die „Kriminalitätsbekämpfung im unbaren Zahlungsverkehr unter Nutzung nichtpolizeilicher Organisationsstrukturen“. Und das bedeutet: Die Polizei vermerkt die Sperrung der EC-Karte bei der zentralen Meldestelle des Handels. Wenn anschließend jemand versucht, damit einzukaufen, leuchtet bei der Prüfung der Karte ein entsprechender Hinweis auf.

          Die Kuno-Sperrung hat allerdings zwei Schwächen. Erstens kann man sie nicht telefonisch vornehmen, sondern nur persönlich, bei der Polizei. In vielen Fällen dürften einige Stunden vergehen, bis die Betroffenen den Verlust oder Diebstahl überhaupt bemerken und zur Polizei gegangen sind. Geübte Betrüger haben bis dahin schon ganze Warenhäuser leergekauft.

          Die Karte kann außerdem nur dann dauerhaft gesperrt werden, wenn der Inhaber die „Kartenfolgenummer“ kennt. Ist das nicht der Fall, werden alle Karten, die auf das betreffende Konto laufen, lediglich für zehn Tage gesperrt. Für eine dauerhafte Sperrung muss der Inhaber die Kartenfolgenummer beim Bankinstitut einholen und auf der Internetseite des Kuno-Sperrdienstes nachreichen.

          Zweitens nehmen nicht alle Läden am Kuno-System teil. Eine Möglichkeit, sich online über die teilnehmenden Geschäfte zu informieren, gibt es nicht. Und Hessen nimmt als einziges Bundesland gar nicht an Kuno teil. So ist eine EC-Karte ein bisschen wie ein Goldesel in Kartenformat: Irgendwo spuckt sie immer Geld aus.

          Zunächst gilt das Opfer selbst als Betrüger

          Was also sollten Karteninhaber tun, wenn sie Opfer eines Betrugs werden? Zunächst einmal: die Lastschriften zurückgeben. Das geht per Mausklick im Onlinebanking und innerhalb von acht Wochen nach der Abbuchung. Wer eine Lastschrift zurückgibt, bekommt das Geld unverzüglich wieder gutgeschrieben.

          Damit ist die Sache aber nicht erledigt. Denn die Unternehmen, bei denen die Einkäufe getätigt wurden, wissen nicht, dass man Opfer eines Betrügers geworden ist. Also gehen sie davon aus, dass man selbst einer ist. Für jede zurückgegebene Lastschrift erhält der Geschädigte deshalb meistens einen Brief von einer Inkasso-Firma, mit der Forderung, sie nachträglich zu begleichen. Erst wer anschließend darauf hinweist, dass die Karte bei der Polizei gesperrt wurde, hat Ruhe. Sollte ein Unternehmen dann immer noch auf der Zahlung bestehen, liegt die Beweispflicht bei diesem: Es muss nachweisen, dass der Geschädigte die strittigen Lastschriften selbst verursacht hat.

          Selbst wenn der Schaden begrenzt ist: Es scheint, als würde der Einzelhandel den Betrug per ELV bewusst in Kauf nehmen. Denn würde er von allen Kunden, die per Lastschrift bezahlen, die Ausweise aufmerksamer prüfen, wäre der Schaden kaum möglich. Doch diese Zeit hat im Einzelhandel keiner.

          Weitere Themen

          Wann sich ein Fondsmanager lohnt

          Investmentfonds : Wann sich ein Fondsmanager lohnt

          Nach jüngsten Daten hat es ein großer Teil der aktiven Aktienfondsmanager wieder einmal nicht geschafft, den Vergleichsindex zu schlagen. Das auf Unfähigkeit zu schieben, ist indes zu einfach.

          Topmeldungen

          Eine Verlängerung der Übergangsperiode würde beiden Seiten auch mehr Zeit verschaffen, eine Lösung für das Irland-Problem zu finden - unser Bild zeigt die Grenze zwischen Irland und Nordirland.

          F.A.Z. exklusiv : EU bietet Briten längere Übergangsphase an

          Angesichts der schwierigen Brexit-Verhandlungen hat die EU-Kommission ihre harte Position geändert und eine Verlängerung der Übergangsperiode ins Spiel gebracht. Damit könnte Großbritannien länger als bisher vorgesehen in Binnenmarkt und Zollunion der EU bleiben.
          Von Salvini angegriffen: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron

          Grenzkonflikt : Gendarmerie setzt Migranten in italienischem Wald ab

          Während Salvini von einem „beispiellosen Affront“ spricht, nennt man den Vorfall aus Paris ein Versehen: Französische Beamte bringen Flüchtlinge über die Grenze nach Italien. In Rom vermutet man ein System.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.