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E-Plus und O2 : Wer hat das beste Handynetz?

Wenn das Netz stabil ist, macht telefonieren Freude. Bild: picture alliance

E-Plus und O2 fusionieren. Das verbessert die Qualität der Handynetze. Deutlich billiger wird es nicht.

          Die Offenbarung kommt rasch nach der Stadtgrenze: Wer die Ballungsräume verlässt und aufs flache Land oder die Autobahn fährt, merkt, was ein gutes und was ein schlechtes Handynetz ist. Dann bricht bei den schlechten Netzen der Empfang weg, oder er ist zumindest schwächer als in der Großstadt. Das passiert oft denen, die mit dem Handy mobil surfen.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Besonders anfällig dafür ist das E-Plus-Netz. Es ist nach einem Test der Fachzeitschrift Connect und nach Meinung vieler Experten das schlechteste Netz, was Qualität, Kapazität und Verbreitung angeht. Auch O2 hat demzufolge seine Schwächen, während die Netze von Vodafone und vor allem von T-Mobile gelobt werden. Nun könnten diese Verhältnisse aber in Bewegung kommen: Denn E-Plus und O2 haben vergangene Woche ihre Fusion bekanntgegeben.

          Vor allem E-Plus-Kunden können deshalb zuversichtlich sein. Zwar hat KPN, der bisherige Eigentümer von E-Plus, das Netz zuletzt schon etwas verbessert. Vor allem beim Telefonieren ist die Qualität mittlerweile ordentlich. Aber Schwächen existieren beim mobilen Surfen im Internet, die Kunden klagen viel. Die Fusion mit O2 ermöglicht, dass beide Netze zusammengelegt werden können. Die Kunden von E-Plus würden dann von der höheren Qualität des O2-Netzes profitieren.

          O2-Kunden können auf besseres Netz hoffen

          Das gilt sowohl bei der geographischen Verbreitung, weil O2-Eigentümer Telefónica mehr Funkmasten aufgestellt hat, als auch bei der Kapazität. Und bei der Schnelligkeit. Denn Telefónica hat im Gegensatz zu KPN Funklizenzen von 800 Megahertz ersteigert. Das O2-Netz kann so auf den schnellen Standard LTE ausgebaut werden, das E-Plus-Netz nicht.

          O2-Kunden können hoffen, dass das gemeinsame Netz eine höhere Qualität bekommt, weil durch die Fusion mehr Kapital für den Ausbau zur Verfügung steht. Dadurch könnte bei der Versteigerung weiterer Frequenzen im kommenden Jahr O2/E-Plus eine bedeutendere Rolle als bisher spielen. Weitere Frequenzen sind wichtig, um die Kapazitäten schnell ausbauen zu können. Gerade der mobile Datenverkehr nimmt derzeit schnell zu und sorgt für Engpässe in den Netzen. „Mittelfristig könnte das Netz eine ähnliche Qualität erreichen wie das von T-Mobile“, erwartet Professor Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen. Besser würde es wohl nicht: „Die Telekom würde dann dagegenhalten. Und dem neuen Unternehmen wäre mit einem Investitionswettlauf wirtschaftlich nicht gedient.“

          Zudem dürften die Kartellbehörden für eine Genehmigung der Fusion Auflagen erteilen. Denn O2/E-Plus wäre nach Kundenzahl klar neuer Marktführer in Deutschland vor T-Mobile und beim Umsatz gleichauf mit den bisherigen Platzhirschen. Eine Auflage könnte die Abgabe von Frequenzen sein, was die Netzqualität wieder verschlechtern würde. Allerdings stellt sich die Frage, wer sie kaufen würde. Würden sie in einer Auktion versteigert, könnten O2/E-Plus sie sich abermals sichern.

          Spielräume für Preissenkungen

          Klar ist zumindest, dass alle Verbesserungen erst in ein paar Jahren spürbar sein werden. Denn die Fusion selbst kann erst im Herbst von den Aktionären und bis Mitte 2014 von den Kartellbehörden genehmigt werden. Vorher passiert nichts. Die anschließende Verschmelzung der Netze wird dann abermals einige Zeit benötigen.

          Die Kunden werden daher zunächst gar nicht viel von dem Zusammenschluss merken. Die Verträge von E-Plus-Kunden laufen normal zu den gleichen Preisen weiter, also im längsten Fall noch zwei Jahre. Ihre Telefonnummer werden sie wohl behalten können, denn schon jetzt kann sie bei einem Anbieterwechsel mitgenommen werden. Ob die Marke E-Plus überlebt, ist ungewiss. Der fusionierte Anbieter will zwar mit mehreren Marken operieren. Die Billigmarken von E-Plus, Base und Simyo, dürfte es daher noch länger geben. Der Name E-Plus hingegen könnte verschwinden, zumal die Marke bereits von KPN in den Hintergrund gedrängt wurde.

          Und wie werden sich die Preise entwickeln? Zunächst einmal eröffnet der Zusammenschluss Spielräume für Preissenkungen. Denn er soll die Kosten um 5,5 Milliarden Euro reduzieren. Das könnten O2/E-Plus zum Teil an ihre Kunden weitergeben. Aber warum sollten sie, wo die Gewinnmargen so gering sind? Vor allem E-Plus, zum Teil auch O2, hatten in den vergangenen Jahren nur deswegen die Preise gedrückt, um bei der Kundenzahl zu den Marktführern T-Mobile und Vodafone aufzuschließen. Nach der Fusion hätten sie dies nicht mehr nötig, weil sie die Konkurrenz überholt hätten. Zudem muss viel Geld in den Netzausbau investiert werden.

          “Wenn nur drei statt bisher vier Anbieter um den Kunden kämpfen, sinkt der Druck auf die Preise“, resümiert Telekomfachmann Gerpott. Das heiße aber nicht, dass die Preise nun steigen werden. Sie würden nur langsamer sinken. Sie fallen weiter, denn sie sind im internationalen Vergleich noch hoch. Technische Neuerungen ermöglichen ebenfalls Kostensenkungen und nur 30 Prozent der Handynutzer surfen mobil. Wenn dieser Anteil steigen soll, müssten die Preise sinken. O2/E-Plus dürften sich dabei leicht unter den Preisen von T-Mobile und Vodafone positionieren, erwartet Gerpott.

          Im schnellen Handynetz LTE dürfte der Wettbewerb hingegen zunehmen, weil dort schon bisher nur drei Anbieter aktiv waren. Darunter kann O2 nun durch die höhere Finanzkraft deutlich aggressiver vorangehen. Ein Manko bleibt aber auch für das fusionierte O2/E-Plus: die mangelnde Präsenz im Festnetz. Hier könnten Telekom und Vodafone (nach dem Kauf von Kabel Deutschland) attraktive Bündelangebote mit dem Handy anbieten.

          Quelle: F.A.S.

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