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DAT-Report : Dieselskandal bewegt Autofahrer weniger als angenommen

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Keine Spur von den Folgen der Dieselaffäre: BMW-Stand auf der IAA in Frankfurt Bild: nordphoto

Auch wenn der Dieselskandal ein großes Thema ist - viele deutsche Autofahrer haben offenbar Hoffnung, dass alles gut wird. Das ist ein Ergebnis des alljährlichen DAT-Reports.

          Wenige Themen haben die Deutschen Autofahrer auch im vergangenen Jahr so bewegt wie der Diesel-Skandal und seine Auswirkungen. Das macht auch der alljährliche Report der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) deutlich, dessen Ergebnisse am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurden.

          Im Vergleich zur Befragung für den Report aus dem Vorjahr, ist der Anteil der Autofahrer, die von einem Bedeutungsverlust des Diesels ausgehen, deutlich um zehn Prozentpunkte auf 38 Prozent gewachsen. Fast jeder vierte Neuwagenkäufer und immerhin noch knapp jeder sechste  Gebrauchtwagenkäufer gab an, dass die Diskussion um den Diesel seine Kaufentscheidung beeinflusst habe. Jeder sechste Neu- und jeder fünfte Gebrauchtwagenverkäufer zog daraus Konsequenzen und verkaufte aus Furcht vor Fahrverboten oder einem Wertverlust.

          Indes machte sich der Skandal bei den Zulassungszahlungen weniger stark bemerkbar, als man vielleicht hätte erwarten können. Laut dem Kraftfahr-Bundesamt gingen zwar die Neuzulassungen um 13 Prozent zurück. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt nahmen die  Besitzumschreibungen gegenüber dem Vorjahr aber um weniger als 3 Prozent ab. Möglicherweise liegt es daran, dass die Autofahrer die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben. Immerhin fast die Hälfte der Neuwagen- und noch 42 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer glaubt, dass es bezahlbare Nachrüstlösungen für den Großteil der von Fahrverboten bedrohten Pkw geben wird.

          Und so bleiben sie auch gegenüber alternativen Antrieben zurückhaltend. Zwar zog jeder vierte Neu- und jeder sechste Gebrauchtwagenkäufer ein Elektro-, Hybrid- oder Gas-Fahrzeug in Erwägung. Tatsächlich betrug ihr Anteil jedoch nur rund 3 Prozent. Als Haupthindernis wurden hohe Anschaffungskosten genannt. Diejenigen, die sich intensiver damit befasst hatten, kamen  aber vor allem wegen zu geringer Reichweiten und fehlender Ladeinfrastruktur davon ab.

          Unverändert lieben die Deutschen Autos. Die Bedeutung von Umweltverträglichkeit und Kraftstoffverbrauch für die Kaufentscheidung in den vergangenen zehn Jahren leicht zurückgegangen, berichtet die DAT. Wichtiger geworden ist dagegen das Aussehen, doch  Zuverlässigkeit bleibt das Kaufkriterium Nummer eins. Der Wiederverkaufswert steht dagegen nur an 13. Stelle.

          Vier von fünf Neuwagen auf Pump

          Die niedrigen Zinsen ließen die Autofahrer zuletzt auch öfter zur Kreditfinanzierung greifen. 2017 wurden 64 Prozent der Neu- und 44 Prozent der Gebrauchtwagen auf Kredit finanziert. Im Vorjahr waren es noch 61 und 41 Prozent. Da 17 Prozent der privaten Neuwagen per Leasing finanziert werden, wird nur jedes fünfte private Neufahrzeug aus der eigenen Tasche bezahlt. Dies dürfte daran liegen, dass die Anschaffung eines Autos immer noch eine der größten regelmäßigen Geldausgaben darstellt.

          Dabei ist die Bedeutung allerdings etwas zurückgegangen. Gaben  Autokäufer vor 20 Jahren noch 64 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens für einen Neuwagen aus, so waren es 2017 nur noch 58 Prozent. Gebrauchtwagenkäufer legten unverändert 30 Prozent für ein Fahrzeug auf den Tisch, obgleich der Durchschnittspreis mit 11.250 Euro für ein Fahrzeug sogar etwas niedriger war als im Vorjahr. Dagegen stieg der durchschnittliche Anschaffungspreis für einen Neuwagen mit 30.350 Euro erstmals über die Marke von 30.000 Euro.

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