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Edel-Fitness-Studios : Hightech auf dem Laufband

Die neue Fitnesskette Elements bietet ihren Mitgliedern die neuesten Geräte - und kostet dafür 95 Euro im Monat. Bild: Müller, Norbert

Die Deutschen sind verrückt nach Fitness-Studios. Mit den Muckibuden von früher haben die Edelstudios von heute nur noch wenig zu tun.

          Die größte Hürde auf dem Weg ins Fitnessstudio war stets die Überwindung des inneren Schweinehunds. So war es jahrzehntelang, als der Markt noch übersichtlich war. Als es nur ein einziges Fitnessstudio im Umkreis von, sagen wir, zehn Kilometern gab, mit einem Geräteparcours und einem Kursraum, wo die gruppendynamischen Ertüchtigungsprozesse noch „Aerobic I und II“ hießen. Oder „Bauch, Beine, Po“. Das Ganze war natürlich nicht billig, aber noch akzeptabel, jedenfalls weit unter 100 D-Mark im Monat. Mittlere Preisklasse eben.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Das war früher. Heute aber gibt es kein Entkommen mehr. Inzwischen unterteilt sich der Markt in Budget, Premium, Lower Mid-Market, Upper Mid-Market und Special Interest. Er füllt ganze Studien, wie die über den Deutschen Fitnessmarkt 2014 von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, dem Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. Dort gibt es eine „Sport Business Gruppe“, die sich den Trends widmet. „Der Markt hat sich diversifiziert“, analysiert deren Leiter Karsten Hollasch nüchtern. Und er findet: „Er ist erwachsener geworden.“

          Inzwischen können sich weit mehr Menschen für diesen Sport erwärmen als für Fußball: 8,5 Millionen Menschen in Deutschland sind Mitglied in einer Muckibude, auch das wohl eher ein Begriff aus den neunziger Jahren. Heute trifft es die Bezeichnung Fitness- und Wellnesstempel eher. Knapp 8000 Studios gibt es in ganz Deutschland, sie generieren einen Gesamtumsatz von rund 4,5 Milliarden Euro. Und der Markt wächst munter weiter. Ein Ende des Aufschwungs sei nicht in Sicht, sagt Hollasch.

          Die Edelkette Elements bietet Kampfpreise im Premium-Segment

          Das Angebot ist unübersichtlich geworden. Das liegt auch an den eher beschränkten Variationsmöglichkeiten des Signalwortes „Fit“: McFit, Fitness First, FitX, Easy Fitness, Clever Fit - da verliert man leicht den Überblick. Neue Studios müssen sich also ordentlich ins Zeug legen, um positiv aufzufallen. Und niemand strengt sich derzeit mehr an als die Schweizer Fitnesskette „Elements“, die inzwischen in München, Frankfurt, Stuttgart und Hamburg vertreten ist, ein Unternehmen der Genossenschaft Migros Zürich.

          Elements macht mit Kampfpreisen von sich reden. Das ist gar nicht so einfach im Premium-Segment, in dem Elements mit einem Monatsbeitrag von 95 Euro eigentlich zu Hause ist. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Monatsbeitrag liegt bei 55,13 Euro, heißt es in der Fitnessmarkt-Studie 2014. Der neue Anbieter (Motto: „Swiss up your life“) wirbt derzeit in Frankfurt mit einem Probemonat für schlappe 49 Euro.

          Aber das hilft nur bei ungebundenen Fitnessfreaks. Deshalb setzte Elements noch einen drauf: Wechselwilligen erstattete der Anbieter zur Studioeröffnung im November die Restlaufzeit des regulären Mitgliedsbeitrags beim Konkurrenten bis zu einem Zeitraum von zwölf Monaten. Wenn man sich im Gegenzug zwei Jahre lang an Elements binden will.

          Doch mit Lockangeboten allein kann heutzutage niemand mehr punkten. Das wird besonders deutlich, wenn man - wie die Autorin - nach zwölf Jahren Abstinenz zum ersten Mal wieder eine solche Einrichtung besucht. Und noch dazu im Premium-Segment. Da braucht es schon mehr: die neusten Geräte, einen „vollelektronisch gesteuerten Kraftzirkel“ und das richtige Ambiente mit Naturholz und Echtpflanzen-Arrangements.

          Orientalischer Badekult und totales Body-Workout

          Auch sonst muss man sich an viel Neues gewöhnen: In der Frankfurter Elements-Filiale hängt über dem Eingangsbereich ein üppiger Metall-Baldachin, der bis ins nächste Stockwerk hineinragt. Schilder weisen mit Bedauern darauf hin, dass wegen der Feiertage leider der „Free Floating Aerial Yoga Kurs“ entfallen muss. An „Pilates“ und „Capoeira für Kinder“ konnte man sich schon andernorts gewöhnen, neue Rätsel geben allerdings der lateinamerikanische Bewegungstrend „ZUMBA“ und das als „totales Body-Workout“ angepriesene „TRX“ auf. Vom Highlight aus früheren Zeiten - „Bauch Beine Po“ - ist wenigstens das BBP in „BBP Power Express“ geblieben. Nur die Zeiten von Aerobic scheinen endgültig vorbei zu sein.

          Preisauskünfte kann man an der Eingangstheke nicht mehr bekommen, dafür gibt es „Sales Manager“. Statt der ordinären Saunakabine gibt es den „orientalischen Badekult im authentischen Hamam“. Kinderbetreuung inklusive.

          Auch beim Workout, das wird schnell klar, hat sich der neue individual-fixierte Zeitgeist durchgesetzt. Am Anfang jeder Mitgliedschaft stehen eineinhalb Stunden Eingangstest, in dem das „Fitnessalter“ festgelegt wird. Bei Elements bekommt dazu jedes Mitglied ein Armband mit Chip, der alle Trainingsdetails festhält. Selbst die Geräte stellen sich automatisch ein, sobald der Chip den Bildschirm berührt.

          Früher hingen über den Laufgeräten noch zwei oder drei Fernsehschirme, die man sich mit anderen Sportlern - oh Schreck! - teilen musste. Jetzt hat jede Tretmühle ihren eigenen Flatscreen mit UBS-Buchse und Internetzugang. Während man läuft und radelt, kann man mühelos Fernsehen schauen oder E-Mails bearbeiten.

          Der wahre Trend liegt jedoch ganz woanders, sagt Fitnessmarktexperte Hollasch: im Internet. Wer wie die Fitnesskette Fitness First sein stationäres Angebot um Online-Kurse erweitere, dem gehöre die Zukunft. Bald werde es den Personal Trainer interaktiv im Internet geben, ist sich Hollasch sicher. „Da sind wir in drei bis fünf Jahren.“ Dann gibt es auch keine Notwendigkeit mehr, den inneren Schweinehund zu überwinden. Das erledigt dann die mahnende SMS vom Personal-Trainer.

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