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Alles kostet extra : Die Lufthansa wird Billigflieger

„Nonstop you“ heißt der Werbeslogan der Lufthansa: Im schlimmsten Fall ist es viermal so teuer wie bei der Konkurrenz. Bild: AFP

Der Service ist dürftig, die Preise sind hoch. Die Lufthansa hat ihren Passagieren nicht mehr viel zu bieten. Ein Glück, dass es Alternativen gibt.

          Die neue Welt der Fliegerei ist minimalistisch. Wer heute ein günstiges Flugticket für Deutschland- und Europa-Strecken kauft, muss sich bescheiden. Mehr als Handgepäck darf er dann nicht mitnehmen, Koffer aufgeben und Wunschsitzplatz kosten extra. Kostenlose Zeitung auf Papier: abgeschafft. Umbuchen: geht nicht.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das war von Anfang an die Normalität bei Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet. Da muss sogar für den Snack und das Getränk an Bord zusätzlich bezahlt werden. Aber es ist auch zunehmend Realität bei der Deutschen Lufthansa. Sie nähert sich auf der Kurz- und Mittelstrecke innerhalb Europas immer mehr den Günstigfliegern an, den sogenannten Low-Cost-Carriern. Seit 2015 hat die Lufthansa für solche Verbindungen ebenfalls einen Billigtarif, den „Light-Tarif“, den auch schon ein Drittel bis die Hälfte der Passagiere in der Economy-Klasse bucht. Er umfasst nur den reinen Flug. Nur gegen Aufpreis von 15 Euro darf ein Koffer aufgegeben und für noch mal zehn Euro ein Wunschsitzplatz reserviert werden. Bevorzugtes Einsteigen und ein schnellerer Weg durch die Sicherheitskontrolle kosten ebenfalls mehr – alles wie bei Ryanair & Co. Anders als bei den Flugdiscountern gibt es aber immerhin noch Getränke und einen Snack kostenlos. Und pro Flug eine Zeitung digital für das Mobiltelefon oder den Tablet-Computer. Meilen sammeln kann man jedoch mit diesen Tarifen fast gar nicht mehr.

          Seit Februar geht die Lufthansa noch einen weiteren Schritt in Richtung Low-Cost-Konkurrenz. Jetzt wirbt sie auch mit günstigen Einstiegspreisen für die einfache Strecke, also nur den Hinflug. Ab 49 Euro inklusive Steuern und Gebühren werden die Light-Tickets jetzt angeboten. Bisher wollte die Lufthansa vor allem Hin- und Rückflug im Paket verkaufen und bewarb das entsprechend. Weiterhin ist es billiger, beide Flüge zusammen zu buchen als einzeln. Bei den Discountern ist das egal.

          Der Einstiegspreis von 49 Euro zeigt aber auch das Dilemma der Billigstrategie der Lufthansa: Die neuen Light-Tarife sind zwar beim Service fast so abgespeckt wie bei den Low-Cost-Fluglinien. Hier ist die Lufthansa ein Billigflieger. Aber ihre Preise sind weit davon entfernt.

          Welche Gründe noch für die Lufthansa sprechen

          Die irische Ryanair hat Einstiegspreise von 9,99 Euro, andere Preisbrecher starten bei 15 oder 19 Euro. Nun sind solche Tickets nicht für alle Flüge zu bekommen und wenn doch, dann nur in kleinen Mengen und damit schnell vergriffen. Die Lufthansa beschränkt hingegen nach eigenen Angaben ihren Light-Tarif nicht, das heißt: Es gibt ihn auch für den letzten noch verfügbaren Platz in der Maschine. Doch auch der Durchschnittspreis der Billigflieger liegt deutlich niedriger, bei Ryanair zum Beispiel bei 46 Euro inklusive Steuern und Gebühren für den Tarif ohne Extras und damit noch unter dem Einstiegspreis der Lufthansa.

          Den Fluggästen fällt das nun zunehmend auf, weil die Billigflieger immer mehr auch die großen Drehkreuze Frankfurt und München ansteuern, von denen aus die Lufthansa startet. Die britische Easyjet, die spanisch-britische Vueling und die skandinavische Norwegian fliegen nach München, und Frankfurt wird seit kurzem unter anderem von Ryanair und künftig auch von der ungarischen Wizz Air angesteuert. Die anderen deutschen Flughäfen werden nicht von der Lufthansa, sondern von der Lufthansa-Tochtergesellschaft Eurowings bedient, wenn die Strecken nicht nach Frankfurt oder München führen.

          Bild: F.A.Z.

          Auf den Verbindungen zu diesen beiden Flughäfen zeigt sich, wie teuer die Lufthansa selbst mit ihrem günstigsten Tarif im Vergleich zu den Billigfliegern ist. Und das nicht nur zum Preisführer Ryanair, sondern auch zu Easyjet, Vueling & Co. Ein kleiner Preisvergleich dieser Zeitung für vier Strecken offenbart die Dimensionen. Lufthansas Billigtarif ist bei allen diesen Verbindungen mindestens doppelt so teuer wie die Konkurrenz, bei einer Strecke sogar mehr als viermal so teuer. Die Preise lagen dabei zwischen 80 und 150 Euro höher.

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