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Energieversorger : Die Bahn verkauft jetzt Strom

Wer hätte das gedacht? Die Bahn ist Deutschlands fünftgrößter Stromversorger. Bild: Oed/face to face

Früher hat die Bahn Strom nur für ihre Züge erzeugt. Jetzt auch für Privatkunden. Doch für wen taugt das Stromangebot der Bahn etwas und für wen nicht?

          Die Deutsche Bahn betreibt Züge – klar. Die Bahn vermietet Autos und Fahrräder – schon weniger klar. Die Bahn verkauft Strom an Privatkunden – das ist neu! Neue Stromkunden lockt die Bahn mit einer Bahncard 25, Reisegutscheinen, Bahnbonus-Punkten oder Bargeld.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          DB Strom heißt dieses Angebot, das es seit ein paar Tagen gibt. Verkauft wird es von DB Energie, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Bahn. Die existiert seit 20 Jahren und kümmerte sich anfangs nur darum, Strom und Diesel für die Züge und Bahnbusse zu beschaffen und den Betrieb des Bahnstromnetzes und der Zugtankstellen sicherzustellen. Dazu betreibt man zwei kleine Wasserkraftwerke in Oberbayern, aber 70 Prozent des Stroms für die Züge stammen aus fremden Kohle- und Gaskraftwerken sowie aus dem Atomkraftwerk Neckarwestheim, von denen die Bahn fest eingekaufte Mengen bezieht. Den Rest erwirbt sie an der Strombörse.

          Bahn will kein Billiganbieter sein

          Seit 2003 verkauft DB Energie ihren Strom auch an gewerbliche Kunden, nur noch die Hälfte des Stroms ist für die Bahn bestimmt. Das Unternehmen ist der fünfgrößte Stromversorger in Deutschland. Das Privatkundengeschäft wird dabei erst einmal eine Nische bleiben. Ende des Jahres will man eine fünfstellige Zahl an Kunden haben, erst in drei bis fünf Jahren eine sechsstellige Zahl. Der zusätzlich verkaufte Strom soll an der Strombörse eingekauft werden. „Wir rechnen uns bei Privatkunden Marktchancen aus“, heißt es aus dem Unternehmen. Alle Bahnreisenden seien schließlich potentielle Kunden, als Marke sei man bekannt und vertrauenswürdig. Das sei wichtig im Strommarkt, in dem es schon Pleiten von Anbietern gab.

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          Die Bahn will mit ihrem Angebot nicht als Billigheimer auftreten. „Wir halten nichts von Lockvogelangeboten, die mit hohen Bonuszahlungen im ersten Jahr attraktiv sind und danach teuer werden. Wir wollen über einen längeren Zeitraum interessant sein“, lautet die Devise der Bahn. Das sieht man den Bahnstromtarifen auch an, wie ein Vergleich der F.A.S. zeigt.

          Ökostrom der Bahn ist günstiger als beim Grundversorger

          So fallen die Boni der Bahn an Neukunden in der Tat kleiner als bei der Konkurrenz aus. Wer zum Beispiel 4000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht (Familie), bekommt bei der Bahn Boni im Wert von 58,50 Euro oder einen Reisegutschein von 65 Euro. Die billigsten Anbieter locken mit Boni von 200 bis 300 Euro je nach Stadt. In den größten Städten ist für 4000 Kilowattstunden derzeit „Immergrün“ am günstigsten (Ausnahme Köln, hier führt „E wie einfach“). Beim eigentlichen Strompreis liegen dabei die Anbieter gar nicht so weit auseinander. Das Bahnangebot, das es mit Laufzeiten von 12 und 24 Monaten (dann mit höherem Bonus) gibt, ist ein Ökotarif.

          Das heißt, er verspricht, dass der Strom vollständig aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Solche Tarife sind immer etwas teurer als normaler Strom, bei dem die Energie auch aus Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken stammt. Der Bahnökostrom ist aber immer noch etwas günstiger als der des örtlichen Grundversorgers. Diesen Tarif wolle man inklusive Boni um zehn bis 15 Prozent unterbieten, heißt es bei der Bahn. Diese örtlichen Tarife werden immer noch von einem Drittel der Verbraucher genutzt. Für sie lohnt ein Wechsel also auf jeden Fall.

          Bild: F.A.Z.

          Wechsel zu anderen Anbietern bringt höhere Boni

          Im Vergleich zu den günstigsten Ökostromanbietern ist der Bahnstrom aber etwas teurer. Hier können die Bahnstromkunden allerdings hoffen, dass die Preise in den Folgejahren weniger stark steigen als bei den Wettbewerbern, die ihre hohen Aufwendungen für die Bonusgeschenke wieder erwirtschaften müssen. Denn die Spielräume für unterschiedliche Strompreise sind gering. Nur rund 20 Prozent des Preises sind von den Anbietern beeinflussbar, der Rest sind festgelegte Entgelte für Steuern und die Netzbetreiber. Bei einer typischen Jahresrechnung von 1000 Euro für eine Familie sind also nur 200 Euro variabel. Das zeigt, wie stark die Billiganbieter im ersten Jahr bei Boni von mehr als 200 Euro draufzahlen.

          Wer sich aber die Mühe macht, jedes Jahr zu wechseln und so immer wieder einen Neukundenbonus kassiert, spart mehr Geld bei der Konkurrenz der Bahn. Ein solcher Wechsel ist mit wenig Aufwand verbunden. Wichtig ist dabei die rechtzeitige Kündigung – je nach Tarif vier bis sechs Wochen vor dem Ende der Laufzeit. Sofort danach sollte man sich beim neuen Anbieter anmelden, denn der Wechselprozess dauert in der Regel rund drei bis vier Wochen. Aber selbst wenn das nicht rechtzeitig klappt, fließt immer Strom – dann aber vom Grundversorger zum höheren Preis.

          Pleiten bei Stromanbietern sind die Ausnahme

          Für die Suche empfiehlt sich ein Blick in Vergleichsportale wie Verivox. Die dort aufgeführten Anbieter sind alle seriös. Es sind oft Tochterunternehmen von Stadtwerken oder großen Stromversorgern wie RWE oder Uniper (eine Abspaltung von Eon). Die Pleiten von Flexstrom und Teldafax sorgten einst für Aufsehen, sind aber die sehr seltene Ausnahme. Den Strom liefert im Pleitefall der Grundversorger, die damals üblichen Vorauskassetarife gibt es kaum mehr. Sie führten im Pleitefall dazu, dass die Kunden ihr vorab bezahltes Geld nicht zurückbekamen.

          Die Anmeldung erfolgt bei der Bahn wie bei der Konkurrenz online. Das ist in wenigen Minuten erledigt. So kann eine Familie mit wenigen Schritten mehr als 200 Euro im Jahr sparen, bei Alleinwohnenden sind es mehr als 100 Euro. Übrigens: Selbst die Grundversorger bieten einen ermäßigten Online-Tarif an. Das könnte ein Kompromiss für die sein, die sich weniger Arbeit machen wollen. Am meisten profitieren aber die jährlichen Wechsler. Für sie allerdings ist das Bahn-Angebot nicht die erste Wahl.

          Quelle: F.A.S.

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