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Veröffentlicht: 14.03.2016, 13:50 Uhr

Datenschutz Die Facebook-Fibel

Wer sich auf Facebook tummelt, verschenkt massenhaft Daten. Doch das lässt sich mit acht einfachen Tipps einschränken.

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© dpa 28 Millionen Deutschen gefällt Facebook - und dem amerikanischen Konzern unsere Daten. Doch wer seine nicht preisgeben will, kann sich mit einfachen Mitteln schützen.

Es vergeht kaum eine Woche, in der Facebook nicht ins Visier der Datenschützer gerät. Kritisiert wird an dem größten sozialen Netzwerk vor allem die Sammelwut, mit der Daten aller Internetnutzer abgegriffen werden – egal, ob die Leute Facebook-Mitglieder sind oder nicht. Denn jegliche Informationen bringen Geld. Mit Werbung, die auf jeden Nutzer zugeschnitten ist, hat Facebook im vergangenen Jahr 17 Milliarden Dollar erlöst.

Thomas Klemm Folgen:

Zuletzt haben sich nicht nur die üblichen Kritiker an Facebook gestört, sondern auch deutsche Gerichte und Behörden. So geht das Kartellamt dem Verdacht nach, dass Facebook seine Marktmacht missbraucht, indem es hiesiges Datenschutzrecht verletzt. Die Wettbewerbshüter stoßen sich vor allem daran, dass jeder Nutzer pauschal in alle Nutzungsbedingungen von Facebook einwilligen muss. Sollte man allerdings, wie es das Kartellamt erwägt, sich alles durchlesen und einzelnen Punkten zustimmen müssen, würde das wohl für Ärger sorgen. „Die Leute werden genervt sein – und das Kartellamt hassen“, behauptet Peter Leppelt, Geschäftsführer der Datenschutzfirma Praemandantum.

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28 Millionen Deutsche sind bei Facebook registriert, aber die allerwenigsten haben jemals die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) gelesen. Dabei lohnt sich ein Blick in die Nutzungsbedingungen. Denn das soziale Netzwerk macht kein Hehl aus seiner Datensammelwut. In seinen AGB beantwortet Facebook recht freimütig drei Fragen: Welche Informationen sammeln wir? Wie verwenden wir diese Informationen? Wie werden diese Informationen geteilt? Auf Papier ausgedruckt, ergeben diese drei Punkte sage und schreibe viereinhalb DIN-A4-Seiten.

 
Acht Tipps gegen die Datenkrake Facebook.
 
Facebook weiß alles - nicht mehr lang. Dank dieser Tipps für einen besseren Datenschutz.

So erfährt der Nutzer, dass nahezu jede seiner Netzaktivitäten verfolgt, gesammelt und zum Teil an Dritte wie technische Dienstleister, Analysefirmen und Werbepartner weitergegeben wird. Facebook registriert auch, von welchem Gerät – ob PC, Smartphone oder Tablet – der Nutzer auf eine Seite zugreift. Darüber hinaus verfolgt das Netzwerk nicht nur, welche Inhalte jemand hochlädt, teilt oder kommentiert und wie oft und wie lange er bei welchen Diensten verweilt. Sondern Facebook bekommt auch mit, welche Produkte ein Nutzer über sein Profil gekauft und welche Kreditkarte er benutzt hat. Man sollte also genau wissen, worauf man sich bei Facebook einlässt. Und einige Hinweise beachten, um die Privatsphäre so gut wie möglich zu schützen.

Auf den Like-Button achten

Ein großer Reiz von Facebook ist es, dass man allerlei Inhalte mit den Freunden teilen kann und prompt eine Resonanz erhält. Im einfachsten Fall erfolgt die Reaktion über den Like-Button, also den erhobenen Daumen, der signalisiert „Gefällt mir“. Allerdings kann es vorkommen, dass ein Nutzer beim Surfen verfolgt wird, obwohl er weder den Like-Button betätigt hat noch überhaupt ein Facebook-Mitglied ist. Das passiert immer dann, wenn er auf eine der unzähligen Websites gerät, in die ein Like-Button eingebettet ist. Leider entdeckt der Internetnutzer dies immer erst, wenn es zu spät ist, wenn also Facebook schon registriert hat, dass er die Seite aufgerufen hat.

Das Landgericht Düsseldorf hat diese insgeheime Datenweitergabe in der vergangenen Woche für weitgehend rechtswidrig erklärt. Aber auch vor dieser Art der Facebook-Verfolgung kann sich jeder schützen. Und zwar mit Plug-ins, die den Gefällt-mir-Button blockieren und damit verhindern, dass Daten an Facebook weitergegeben werden. Solche Erweiterungen gibt es für jeden Browser. Beispielsweise für Safari, Firefox und Chrome oder Internet Explorer.

Unterschiedliche Browser verwenden

Durch Textdateien, die in der Fachsprache Cookies heißen, können Internetdienste sehen, auf welche Websites ein Nutzer zugreift. Auf diese Weise kann auch Facebook verfolgen, wie sich ein eingeloggtes Mitglied des Netzwerks verhält, also welche Seiten es besucht. Dieses sogenannte Tracking funktioniert aber nur so lange, wie der Nutzer für alle seine Surf-Aktivitäten gleichzeitig denselben Browser – beispielsweise Firefox, Chrome oder den Internet Explorer – benutzt.

Deshalb ist es ratsam, auf zwei verschiedene Browser zurückzugreifen. Also den einen nur für die Aktivitäten auf Facebook zu verwenden, den anderen für alles andere. Denn Firefox kann beispielsweise nicht auf die Cookies des Internet Explorer zugreifen und umgekehrt. So schützt sich der Nutzer davor, sein Verhalten allzu sehr offenzulegen. Es ist darüber hinaus auch möglich, einen Browser so einzustellen, dass keine Cookies gespeichert werden (bei Firefox beispielsweise unter dem Menü „Datenschutz“). Der Haken an der Sache: Manche Websites funktionieren dann nur noch eingeschränkt.

Die eigenen Daten regelmäßig kontrollieren

In gewissem Rahmen kann jeder Nutzer von Facebook sogar erfahren, welche seiner Daten gesammelt werden. Dazu klickt man auf der Facebook-Seite oben rechts auf „Einstellungen“, wählt unter der Rubrik Kontoeinstellungen „Eine Kopie deiner Facebook-Daten herunterladen“ und anschließend „Mein Archiv aufbauen“. Wenn der Nutzer danach seine Identität bestätigt hat, kann er einen kleinen Einblick in einige gespeicherte Daten nehmen: Von ihm hochgeladene Bilder und besuchte Seiten sind aber nur die Spitze des Eisberges. Wer auch noch genauer wissen will, welche Eigenschaften und Interessen er nach Meinung von Facebook hat, findet hier mehr Informationen.

Über manches, was der Nutzer dort über seine angeblichen Vorlieben liest, wird er staunen. Eine große Ungewissheit bleibt aber: „Niemand kann wissen, ob Facebook wirklich alles preisgibt, was es über mich weiß“, sagt Datenschutzexperte Markus Morgenroth. Zudem ist heikel, welche Schlüsse womöglich aus den Daten gezogen werden: Ein Nutzer, der sich über das Zika-Virus nur informieren will, läuft Gefahr, selbst zu den Erkrankten gezählt zu werden.

Programme zum Schutz der Privatsphäre nutzen

Wer bei Facebook eingeloggt ist, der kann weder der Sammelwut des Netzwerkes noch den ständig eingeblendeten Werbeanzeigen entgehen. Allerdings kann ein Nutzer beeinflussen, inwieweit Partnerunternehmen von Facebook Informationen über ihn sammeln können. Um ungewollte Zugriffe zu verhindern, sind sogenannte Plugins für den Browser vonnöten. Hierbei handelt es sich um Zusatzprogramme, die vor unerwünschter Werbung schützen („Adblocker“) oder vor anderen Zugriffen bewahren. Wer Firefox benutzt, sollte die interne Softwareerweiterung NoScript nutzen. Für alle gängigen Webbrowser ist „Ghostery“ geeignet. Einmal installiert, blockt diese Software alles ab, was die Privatsphäre oder die Anonymität des Nutzers bedroht.

Den Freundefinder meiden

Wer sich bei Facebook anmeldet, der wird aufgefordert, sein gesamtes Adressbuch hochzuladen. Wer zustimmt, erlaubt dem sozialen Netzwerk den Zugriff auf die Kontaktdaten aller Freunde, Verwandten und Arbeitskollegen, darunter auch jene Personen, die keine Mitglieder in dem sozialen Netzwerk sind und es auch nicht sein wollen. „Eigentlich verpetzen Sie damit alle Ihre Freunde bei Facebook“, sagt Leppelt. Das soziale Netzwerk bekommt nicht nur einen guten Überblick darüber, wer wen kennt; es kann auch Nichtmitglieder gezielt anschreiben und einladen. Diese Praxis haben deutsche Gerichte schon für rechtswidrig erklärt, so dass Facebook den Freundefinder ein wenig modifiziert hat. Wer aber seine Beziehungen lieber für sich behält und es sich auch mit anderen nicht verscherzen will, lässt lieber die Finger von dem „Freundefinder“.

Eine Abwehr-App installieren

Während der Nutzer am PC einige Möglichkeiten hat, sich vor den Datenkraken zu schützen, bieten mobile Geräte weniger Auswege. Wer die Facebook-App nutzt, kann zumindest das Ortungssystem – auch jenes des Smartphones oder Tablets – abschalten. So können seine Wege nicht haarklein verfolgt werden. Hilfreich ist zudem die App „Permission Manager“, die es für die Betriebssysteme Android (Google) und iOS (Apple) gibt. Dadurch kann der Nutzer beeinflussen, welche Apps an die eigenen Daten kommen.

Nicht über Facebook auf andere Dienste zugreifen

Es geht recht schnell und bequem, sich über das eigene Facebook-Profil auch bei anderen Webdiensten oder Apps zu registrieren. Allerdings ist dabei Vorsicht geboten, denn damit werden die von Facebook gespeicherten Daten auch Dritten zugänglich, beispielsweise einem Musikstreamingdienst wie Spotify. Solche Anbieter nutzen die erhaltenen Daten dann wiederum nicht nur, um ihre Dienste besser auf die mutmaßlichen Bedürfnisse des Nutzers zuzuschneiden, sondern verkaufen die Informationen mitunter abermals weiter.

Die Daten des Facebook-Nutzers können also immer weiter wandern, von einem Internetdienst zum nächsten. „Man liefert sich aus“, sagt Leppelt. Um diesen Prozess gar nicht erst in Gang kommen zu lassen, empfiehlt es sich, möglichst wenig Verknüpfungen zwischen Facebook und anderen Anbietern herzustellen. Das heißt, der Nutzer sollte sich bei jedem Dienst separat registrieren, mit E-Mail und Passwort. Das ist zwar vergleichsweise aufwendig, hat aber den unschätzbaren Vorteil, dass der Nutzer seine Daten ein wenig mehr unter Kontrolle behält.

An die Zukunft denken

Egal, welche Sicherheitsvorkehrungen ein Nutzer auch immer trifft: Jede Aktivität im Internet hinterlässt Spuren und sollte deshalb stets im Voraus bedacht werden. Online-Kreditplattformen, darunter auch deutsche, machen sich die öffentlich verfügbaren Facebook-Profile von potentiellen Kreditnehmern schon jetzt zunutze: Sie werten aus, welche Freunde der Nutzer hat, wo er wohnt, welche Interessen er hat, und schließen daraus auf seine Kreditwürdigkeit. Es könnten künftig vermehrt auch andere Branchen auf die Idee kommen, auf Daten der sozialen Netzwerke zurückzugreifen, beispielsweise Versicherungen.

Zudem weiß niemand, ob die Einstellung der Deutschen zum Datenschutz in Zukunft nicht laxer wird. „Wenn die Grundschüler von heute erwachsen sind, finden sie es womöglich normal, dass alle ihre Daten ausgewertet werden“, sagt Morgenroth. Und noch etwas ist für die Zukunft zu bedenken, so unwahrscheinlich es im Moment auch scheint: Facebook könnte irgendwann pleitegehen. Nach amerikanischem Recht müssen dann dessen Daten als Teil der Konkursmasse verkauft werden. Nicht nur in diesem Falle gilt: Wohl dem, der wenig über sich preisgibt!

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