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Datenschutz : Die Facebook-Fibel

Den Freundefinder meiden

Wer sich bei Facebook anmeldet, der wird aufgefordert, sein gesamtes Adressbuch hochzuladen. Wer zustimmt, erlaubt dem sozialen Netzwerk den Zugriff auf die Kontaktdaten aller Freunde, Verwandten und Arbeitskollegen, darunter auch jene Personen, die keine Mitglieder in dem sozialen Netzwerk sind und es auch nicht sein wollen. „Eigentlich verpetzen Sie damit alle Ihre Freunde bei Facebook“, sagt Leppelt. Das soziale Netzwerk bekommt nicht nur einen guten Überblick darüber, wer wen kennt; es kann auch Nichtmitglieder gezielt anschreiben und einladen. Diese Praxis haben deutsche Gerichte schon für rechtswidrig erklärt, so dass Facebook den Freundefinder ein wenig modifiziert hat. Wer aber seine Beziehungen lieber für sich behält und es sich auch mit anderen nicht verscherzen will, lässt lieber die Finger von dem „Freundefinder“.

Eine Abwehr-App installieren

Während der Nutzer am PC einige Möglichkeiten hat, sich vor den Datenkraken zu schützen, bieten mobile Geräte weniger Auswege. Wer die Facebook-App nutzt, kann zumindest das Ortungssystem – auch jenes des Smartphones oder Tablets – abschalten. So können seine Wege nicht haarklein verfolgt werden. Hilfreich ist zudem die App „Permission Manager“, die es für die Betriebssysteme Android (Google) und iOS (Apple) gibt. Dadurch kann der Nutzer beeinflussen, welche Apps an die eigenen Daten kommen.

Nicht über Facebook auf andere Dienste zugreifen

Es geht recht schnell und bequem, sich über das eigene Facebook-Profil auch bei anderen Webdiensten oder Apps zu registrieren. Allerdings ist dabei Vorsicht geboten, denn damit werden die von Facebook gespeicherten Daten auch Dritten zugänglich, beispielsweise einem Musikstreamingdienst wie Spotify. Solche Anbieter nutzen die erhaltenen Daten dann wiederum nicht nur, um ihre Dienste besser auf die mutmaßlichen Bedürfnisse des Nutzers zuzuschneiden, sondern verkaufen die Informationen mitunter abermals weiter.

Die Daten des Facebook-Nutzers können also immer weiter wandern, von einem Internetdienst zum nächsten. „Man liefert sich aus“, sagt Leppelt. Um diesen Prozess gar nicht erst in Gang kommen zu lassen, empfiehlt es sich, möglichst wenig Verknüpfungen zwischen Facebook und anderen Anbietern herzustellen. Das heißt, der Nutzer sollte sich bei jedem Dienst separat registrieren, mit E-Mail und Passwort. Das ist zwar vergleichsweise aufwendig, hat aber den unschätzbaren Vorteil, dass der Nutzer seine Daten ein wenig mehr unter Kontrolle behält.

An die Zukunft denken

Egal, welche Sicherheitsvorkehrungen ein Nutzer auch immer trifft: Jede Aktivität im Internet hinterlässt Spuren und sollte deshalb stets im Voraus bedacht werden. Online-Kreditplattformen, darunter auch deutsche, machen sich die öffentlich verfügbaren Facebook-Profile von potentiellen Kreditnehmern schon jetzt zunutze: Sie werten aus, welche Freunde der Nutzer hat, wo er wohnt, welche Interessen er hat, und schließen daraus auf seine Kreditwürdigkeit. Es könnten künftig vermehrt auch andere Branchen auf die Idee kommen, auf Daten der sozialen Netzwerke zurückzugreifen, beispielsweise Versicherungen.

Zudem weiß niemand, ob die Einstellung der Deutschen zum Datenschutz in Zukunft nicht laxer wird. „Wenn die Grundschüler von heute erwachsen sind, finden sie es womöglich normal, dass alle ihre Daten ausgewertet werden“, sagt Morgenroth. Und noch etwas ist für die Zukunft zu bedenken, so unwahrscheinlich es im Moment auch scheint: Facebook könnte irgendwann pleitegehen. Nach amerikanischem Recht müssen dann dessen Daten als Teil der Konkursmasse verkauft werden. Nicht nur in diesem Falle gilt: Wohl dem, der wenig über sich preisgibt!

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