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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Finanzplanung für Singles mit hohem Einkommen Selbstüberschätzung führt zu finanziellem Ruin

Steffen Reimann ist jung, verdient gut und hält sich für einen Finanzprofi. Diese Mischung ist brisant, aber nicht unkomfortabel. Wenn Reimann einige Grundregeln beachtet, kann er ohne finanzielle Sorgen alt werden.

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Es gibt Probleme, die hätten viele Menschen gern. Zum Beispiel schon in jungen Jahren ein Monatsnettoeinkommen von 5000 Euro verbunden mit der Aussicht, dass sich sein Gehalt noch deutlich steigert.

Für Steffen Reimann stellt dies jedoch ein Problem dar. Sein Leben ist bisher zu glatt verlaufen. Nach einem ordentlichen Abitur finanzieren ihm seine Eltern ein BWL-Studium an einer Privathochschule. Er findet eine gutbezahlte Stelle bei einer Bank und steigt dort schnell ein wenig auf. Mit seinen 38 Jahren hat er das Ende der Karriereleiter noch längst nicht erreicht. Sein Lebensweg hat ihm bisher keine Rückschläge beschert und so neigt er zu einer gewissen Selbstherrlichkeit.

Hohes Konsumniveau

Doch es gibt kaum etwas Gefährlicheres, als Risiken zu übersehen oder falsch einzuschätzen. Dass bei Reimann eine ganze Reihe von Risiken lauert, ist ihm nicht bewusst. Da ist zunächst einmal sein hohes Einkommen. Er ist zwar liiert, hat aber keine Kinder, und seine derzeitige Lebenspartnerin verdient selbst genug, um sich zu versorgen.

Er hat also keine finanziellen Verpflichtungen anderen gegenüber und hat sich angewöhnt, den Großteil seines Einkommens für seinen Eigenbedarf zu verfrühstücken. Teure Restaurants, weite Reisen, schicke Autos - all dies ist kein finanzielles Wagnis für ihn.

Erfolg schützt nicht vor Krisen

Er übersieht jedoch völlig, dass seine Stellung in der Bank keine Verbeamtung auf Lebenszeit ist. Auch wenn er sich für unersetzlich hält, eine Kündigung ist gerade in der aktuellen Situation für einen Banker kein undenkbares Risiko. Für eine solche Situation sollte er zumindest ein paar Nettomonatsgehälter als Rücklage bilden.

Noch größer wäre der finanzielle Einschlag jedoch im Falle einer Berufsunfähigkeit. Der hohe Lebensstandard wäre sofort perdu. "Es gibt Vollkaskotypen und Haftpflichttypen, er hat aber keins von beidem", warnt Rolf Tilmes, Wissenschaftlicher Leiter des Private Finance Instituts an der EBS Business School in Wiesbaden und Vorstand des Financial Planning Standards Board (FPSB Deutschland), einer Zertifizierungsorganisation für Finanzplaner. "Bei seinem Lebensstandard sollte er aber unbedingt eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, die ihm im Fall der Fälle 80 Prozent seines Nettoeinkommens erhält."

Berufsunfähigkeitsversicherung als Muss

Tilmes rät dazu, Reimanns Beiträge auf zwei Verträge aufzuteilen, die ihm jeweils eine Berufsunfähigkeitsrente von 2000 Euro zusichern. "Bei Monatsrenten ab 3000 Euro werden viele Versicherer pingelig. In vielen Fällen lassen sich die Absicherungssummen um 500 Euro ohne zusätzlichen Gesundheitscheck aufstocken. Somit wären bei zwei Verträgen zusätzlich 1000 Euro absicherbar, falls zum Beispiel entgegen seiner Planung doch eine Familie mit Kindern entsteht."

Reimann kommen sein Alter und sein guter Gesundheitszustand als Nichtraucher zugute, so dass er eine Absicherung von 4000 Euro Berufsunfähigkeitsrente bis zum Alter von 67 Jahren - aufgeteilt auf zwei Verträge - für einen Monatsbeitrag von 180 Euro bekäme. Reicht ihm eine Absicherung bis zum Alter von 62 Jahren, kostet sie nach Tilmes Berechnungen 113 Euro.

Zu viel Zutrauen

Das nächste Problem der Reimannschen Selbsteinschätzung ergibt sich bei der Geldanlage. Er hat einen Kredit von 200.000 Euro aufgenommen, um damit Aktien zu kaufen. Durch seinen beruflich bedingten Kontakt zum Marktgeschehen ist er überzeugt, er wisse, wohin die Reise geht. Dies dachten allerdings schon viele vor ihm und haben sich eine blutige Nase geholt.

Reimann sollte einmal nüchtern eine Bilanz seiner Aktienmarktaktivitäten ziehen. Bei Lichte betrachtet ist sein Anlageerfolg zwar nicht schlechter als die Gesamtmarktentwicklung - immerhin -, aber eben auch nicht besser. Und wer die Aktienmarktentwicklung der vergangenen Jahre kennt, weiß, dass unter dem Strich aus dem Geld eher weniger als mehr geworden ist. Alles in allem bestand jedenfalls kein Anlass, einen Kredit aufzunehmen, um dabei zu sein.

Gefährliche Spekulationen auf Kredit

"Das Risiko einer kreditfinanzierten Spekulation mit Aktien ist extrem hoch", sagt Peter Asmussen, Vorstand des FPSB Deutschland und Leiter des Asfinanz Instituts für Vermögens- und Nachfolgeplanung. "Das Vermögen kann schnell verloren gehen und am Ende bleiben nur Verbindlichkeiten." Sollten die Aktienkurse fallen, würde die Bank zusätzliche Sicherheiten verlangen.

Kann Reimann die nicht liefern, muss er die Aktien ausgerechnet nach einem Kurssturz verkaufen. "Die kreditfinanzierte Spekulation mit Aktien kann eigentlich nicht aufgehen", sagt Asmussen. "Der Beleihungswert von Aktien ist viel niedriger als bei Immobilien oder Anleihen, die Kreditzinsen sind mit 5 bis 7 Prozent entsprechend hoch."

Teurr Spekulationen auf Kredit

Selbst wenn Reimann die Märkte in den nächsten Jahren schlägt und eine Aktienrendite von 10 Prozent im Jahr erzielt, bleiben davon nach Steuern etwa 7 Prozent, die gerade zur Bedienung der Kreditzinsen reichen. Die größte Aufgabe ist es daher, Reimann klarzumachen, dass er allenfalls in seiner Phantasie astronomische Aktienrenditen erzielt und schlauer ist als das Gros der Anleger, dass die Realität aber anders aussieht.

Sollte er das einsehen, empfiehlt es sich den Kredit durch Aktienverkäufe sukzessive zurückzuführen und mit einem ausgewogeneren Sparen zu beginnen. "Er muss Volatilität aus seinem Gesamtvermögen rausnehmen und Anlageklassen beimischen, die keine hohe Korrelation zum Aktienmarkt aufweisen", rät Asmussen. "Das können Unternehmensanleihen sein, eventuell auch Staatsanleihen oder ein offener Immobilienfonds."

Rechtzeitig an die Rente denken

Reimann soll hier nicht überfordert werden, aber in einer stillen Stunde sollte er sich auch noch die Frage stellen, wie er eigentlich im Alter leben möchte. Bis zu seiner Verrentung sind es zwar noch 25 oder 30 Jahre, die Zeit vergeht aber bekanntlich schneller als man denkt. "Reimann gibt derzeit 4000 Euro im Monat aus, will er das in 30 Jahren immer noch tun, entspricht dies bei einer unterstellten Inflationsrate von 2 Prozent dann 7000 Euro, bei 2,5 Prozent Inflation sogar 8000 Euro", rechnet ihm Rolf Tilmes vor. "Sein Rentenanspruch wird wie bei allen Angehörigen der jüngeren Generation jedoch nur bescheiden sein."

Trotz hohen Einkommens und langer Erwerbstätigkeit käme Reimann wohl nur auf etwa 2000 Euro. "Er sollte sich also heute überlegen, wie viel von den monatlichen Kosten von 4000 Euro auch im Alter unverzichtbar sind, und dementsprechend heute mit systematischem Sparen anfangen", sagt Tilmes. "Mit 65 Jahren sollte er einen Kapitalstock aufgebaut haben, der ihn noch mindestens 20 Jahre vernünftig leben lässt, besser wäre jedoch eine höhere Kalkulation der Lebenserwartung."

Langfristig denken

Hier kommt Reimann seine komfortable Einkommenssituation zugute. Sie lässt ihm genug Spielraum, um alle Probleme zu lösen. Selbst bei Abschluss der empfohlenen Berufsunfähigkeitsversicherung für 180 Euro im Monat und einem teuren Lebensstil mit Ausgaben von 4000 Euro im Monat bleiben noch 820 Euro übrig. Falls das Einkommen noch weiter steigt und die Arbeitskraft erhalten bleibt, sind es sogar mehr, ebenso falls sich Reimann ein wenig im Lebensstil einschränkt.

Aber selbst mit 800 Euro Sparleistung im Monat lässt sich bei diszipliniertem Vorgehen ein ansehnlicher Kapitalstock aufbauen. Damit der Zinseszins-Effekt in Gang kommt, sollte Reimann damit unbedingt heute anfangen. Diese Grundsatzentscheidung ist wichtig, die konkrete Ausgestaltung zweitrangig. Da er eine eigene Immobilie für spießig hält, kann er - vorausgesetzt er hat seine kreditfinanzierte Aktienspekulation beendet - etwa einen Fondssparplan auf Aktien verfolgen, denn Aktien sind bei langem Anlagehorizont immer noch die rentabelste Anlageform, nur eben nicht auf Kredit.

Was Steffen Reimann braucht:

Zusätzliche Anlageklassen für sein Portfolio wie:

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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