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Finanzplanung für junge Familien : Eine Familie erfordert gemeinsame Finanzplanung

Doch auch sein scheinbar so lückenloses Versicherungspaket rupfen alle drei Makler sofort auseinander. Allein die Haftpflicht: zu geringe Deckungssumme. Über mindestens 5, mehr als 10, gar bis zu 50 Millionen Euro raten sie Maier, selbst verursachte Schäden abzusichern. "Zudem sollte er einen Selbstbehalt von 150 Euro vereinbaren, sonst läuft er Gefahr, wegen Bagatellen eines Tages seinen Vertrag zu verlieren", rät Morlock. Sein Kölner Kollege Wrobbel hält den jungen Maschinenbauer aber davon ab, sofort zu kündigen. "Im November würde ich noch nichts machen, sondern es in einem halben Jahr noch einmal ansprechen, um fristgerecht kündigen zu können. Dann stehen auch wieder andere Tarife im Vergleichsprogramm an der Spitze", sagt er.

Die Arbeitskraft absichern

Alle drei Berater fragen Maier zudem, warum er seine Partnerin nicht zum Gespräch dazugebeten habe. Eine Familie erfordere eine gemeinsame Finanzplanung. Obwohl Makler Przybilla auf private Krankenversicherungen spezialisiert ist, spricht er einen Wechsel in die PKV nicht von sich aus an. "Wenn er noch ein zweites Kind bekommt und seine Frau zu Hause bleibt, verdient er mir einfach zu wenig", sagt er. Viel wichtiger sei es, seine eigene Arbeitskraft abzusichern. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung halten daher alle drei Makler für unverzichtbar. Wrobbel sammelt dafür schon im ersten Gespräch die Gesundheitsfragen, um Maier beim nächsten Termin eine Excel-Tabelle mit einem Vergleich echter Vertragsangebote aushändigen zu können. "Als Diplomingenieur vergleicht er ja gern", sagt er augenzwinkernd. Die Unfallversicherung des Maschinenbauers sehen alle drei dagegen als eine ergänzende "Kann"-Versicherung an.

Ein leidiges Thema ist die Altersvorsorge. Hier dachte Maier, mit seiner Basisrente auf der sicheren Seite zu sein. Allerdings hindert ihn der monatliche Beitrag daran, seine anderen Wünsche auf die Reihe zu bekommen. "Viel zu hoch", schimpft Przybilla über den Strukturvertrieb. Auf keinen Fall kündigen, sagen trotzdem alle drei Makler, sonst sei die Abschlussprovision komplett verloren. "Ich würde den Vertrag stilllegen und mir eingestehen, dass ich zu viel Geld für den Abschluss ausgegeben habe", sagt der Mainzer Makler Morlock, während sein Münchener Kollege Przybilla rät, den Vertrag zumindest auf 100 Euro monatlich zu reduzieren, was ebenfalls mit einem Verlust verbunden ist - ein Anfängerfehler eben.

Hoher psychischer Druck

Als dritte Pflichtpolice empfehlen die Makler eine Risikolebensversicherung, die seiner Freundin und dem gemeinsamen Kind 300.000 bis 400.000 Euro auszahlt, wenn er stirbt. "Für monatlich 200 Euro hat Maier sein komplettes Versicherungspaket - weniger als 10 Prozent seines Einkommens", sagt Morlock.

Bleibt Maiers Wunsch, in einigen Jahren zu bauen. Wrobbel weist ihn schon im ersten Gespräch auf die künftigen Kapitalregeln der Banken (Basel III) hin, die eine Kreditfinanzierung teurer machen werden. "Für die Immobilie braucht er Eigenkapital, oder er muss bis dahin ein Supergutverdiener sein", sagt er. Und mit Morlock muss sich der Diplomingenieur schließlich auf eine Grundsatzdiskussion einlassen. Nach dem halbstündigen Gespräch sind ihm zwei Sätze des Mainzer Finanzfachmanns in Erinnerung geblieben: Eine Immobilie sei für ihn noch viel zu früh, weil sie ihm den Wunsch weiterzukommen verbauen und er dann seine Zielstrebigkeit verlieren könne. Und durch den hohen psychischen Druck werde das Haus am Ende seine Lebensplanung bestimmen, anstatt dass sich der Finanzplan seinem Lebensplan anpasse.

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