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Finanzplanung für jedermann (7) Wenn das Vermögen zur Last wird

Rentier Friedrich Nordeck hat sein Unternehmen mit Millionengewinn verkauft und widmet sich nun dem Reisen. Doch Verlustängste belasten die Geldanlage in den späten Lebensjahren.

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Dass Geld allein nicht glücklich macht, musste man Friedrich Nordeck noch nie erklären. Bei zu vielen Freunden hat er in den vergangenen Jahrzehnten miterlebt, wie mit dem Erfolg das Einkommen wuchs, zugleich aber auch das private Glück zerbröselte. Glück verschaffte da weder die erste, noch die zweite Million. Dass aber der zweite Teil des Sprichworts, das Versprechen, Geld beruhige ungemein, nicht oder zumindest nicht für ihn stimmt, das hat der 71 Jahre alte Nordeck erst mit dem Ruhestand erlebt und erfahren.

Nordeck stammt aus einfachen Verhältnissen, durfte dank der Sparsamkeit und Weitsicht seines Vaters Maschinenbau studieren und hat - so sieht er das selbst nicht ohne Stolz - das Beste daraus gemacht. Früh machte er sich mit einem kleinen Betrieb selbständig, steuerte ihn mit einigen Beschäftigen durch alle Höhen und Tiefen, um ihn schließlich mit sechzig Jahren für etwas mehr als zwei Millionen Euro zu verkaufen. Mit dem Verkauf war Nordeck erstmals mit einer größeren Summe konfrontiert, die ihm privat und unmittelbar zur freien Verfügung stand.

Herrn Nordeck sorgt die Finanz- und Staatsschuldenkrise

Nordeck weiß durchaus mit Geld umzugehen, er erlaubt sich, es in Maßen auszugeben, erwartet nicht zu viel vom Reichtum und bindet sich nicht zu stark daran. Seltsamerweise kam bei ihm nicht das Gefühl auf, von dem viele schwärmen, die vom Geld träumen, es aber nie haben werden. Nicht etwa Beruhigung und der Traum von Luxus und Freiheit überkamen Nordeck. Vielmehr spürte er erst schleichend und dann immer deutlicher Unsicherheit und Verlustangst. Gefühle, die Nordeck bis heute nicht verscheuchen konnte.

Was sollte nur aus dem hart erarbeiteten Vermögen werden? Nordeck versuchte es zunächst mit Aktien und wurde bitter enttäuscht. Sporadisch kamen in den vergangenen Jahren immer wieder Phasen, in denen er glaubte, jetzt müsse er etwas mit seinem Geld tun. Mal waren es Anleihen, hier und dort kleinere Anlagen in Fonds oder Zertifikaten. Wirklich überzeugt war Nordeck von keinem seiner Ausflüge und machte im vergangenen Jahr schließlich reinen Tisch. Er liquidierte die Geldanlagen und parkte das gesamte Geld auf Festgeldkonten mit kurzer Laufzeit. Ein Dauerzustand wird jedoch - so gut kennt sich Nordeck selbst - auch die Geldanlage bei seiner Hausbank nicht werden. Ihn sorgt die Finanz- und Staatsschuldenkrise. Kommt Inflation oder droht doch eine Deflation? Zudem schrumpft angesichts der Steuerbelastung mit jedem Jahr die Kaufkraft seines Vermögens.

Hilfe muss her

Kurzum: Nordeck hat das Geld nicht ruhiger, sondern ängstlicher gemacht. Hilfe muss her, und die kann - das haben die Erfahrungen der vergangenen Jahren gezeigt - nicht von den üblichen Adressen wie Bank- oder Versicherungsberatern kommen. Nordeck hat erlebt, wie diese auf den möglichst raschen Verkauf ihrer Produkte aus sind, ohne seine besonderen Lebensumstände und Ängste zu berücksichtigen. Zumindest hatte er stets diesen Eindruck, wenn er aus solchen Beratungsgesprächen kam.

Berater, die auf Provisionsbasis arbeiten, wie das in Deutschland üblich ist, müssen nicht schlecht sein. Sie verdienen jedoch nur Geld, wenn sie den Kunden dazu bewegen, ihre Finanzprodukte zu kaufen, und das kann zu falschen Anreizen führen. Der gelegentlich sinnvolle Rat, nichts zu verändern in der Geldanlage, bringt ihnen zum Beispiel keine Einnahmen.

Von einem Finanzberater, der nicht auf Provisionsbasis arbeitet

Aus Nordecks Sicht könnte es deshalb ratsam sein, einen der weniger häufig anzutreffenden Vermögensberater aufzusuchen, die unabhängig vom Wert der vermittelten Produkte gegen ein festes Honorar arbeitet. Solche Finanzberater haben sich in verschiedenen Organisationen zusammengeschlossen: Es gibt zum Beispiel den Finanzplaner Deutschland Bundesverband, den Berufsverband deutscher Honorarberater (BVDH), den Verbund deutscher Honorarberater (VDH). Auch die Verbraucherzentralen geben Ratschläge zur Finanzsituation. Dort kostet zum Beispiel je nach Thema eine Beratungsstunde zwischen 40 und 100 Euro.

"Für einen Menschen wie Herrn Nordeck beginnt die Wahl der richtigen Strategie damit, dass alle Karten auf den Tisch gelegt werden", sagt Yan Steinschen, der als Finanzsachverständiger aus Bielefeld dem Verband Finanzplaner Deutschland angehört. "Was besitzt er, was braucht er und was hat er im Leben noch vor?", fragt Steinschen. Erst werde das Vermögen auf die unterschiedlichen Ziele aufgeteilt, Entnahmepläne geschaffen, die Anlage strukturiert, und schließlich würden die Grundlagen für das spätere Vererben geschaffen.

Nordeck gibt viel für Fernreisen aus

Also dann: Nordeck lebt glücklich mit seiner gleichaltrigen Heidi. Die beiden Töchter sind verheiratet, haben selbst Kinder, ihre Familien stehen auf eigenen Beinen und brauchen keine Unterstützung. Nordeck stellt sich jedoch vor, dass er den drei Enkelkindern - weiterer Nachwuchs ist nicht in Aussicht - später die universitäre Ausbildung im Ausland finanzieren will. Das Ehepaar Nordeck, das seine Leidenschaft für Fernreisen entdeckt hat, braucht für das teure Hobby und den sonstigen Bedarf jährlich rund 100.000 Euro, weitere 20.000 Euro sind für den Unterhalt des zwar abbezahlten, aber nicht mehr ganz neuen Eigenheims eingeplant. Dem stehen Einnahmen von rund 20.000 Euro aus Rentenansprüchen von Frau Nordeck gegenüber sowie nach Abzug von Steuern etwa 30.000 Euro an Zinserträgen aus der Anlage der zwei Millionen Euro auf diversen Tages- und Festgeldkonten mit kurzer Laufzeit.

Zur Deckung des laufenden Bedarfs von jährlich 120.000 Euro reichen die Einnahmen derzeit nicht, was Nordecks diffuse Verlustängste verstärkt. Das mag den risikoscheuen Mann zwar wurmen, doch zu allererst sollte er sich vor Augen führen, dass genügend Geld vorhanden ist, um sich Sorglosigkeit leisten zu können. Selbst unter Verzicht auf jede Verzinsung seiner zwei Millionen Euro - etwa wenn er auf Bargeld umsteigen würde - könnte Nordeck 15 Jahre lang 133.000 Euro ausgeben. Oder: Nordeck beginnt damit, jährlich gut 107.000 Euro aus dem Vermögen zu entnehmen und die Summe jedes Jahr um 3 Prozent zu steigern. Auch dann reichten die zwei Millionen Euro für 15 Jahre. Reichen ihm bei gleicher Konstellation jährlich 74.000 Euro, langt das Geld für rund zwanzig Jahre. Wohlgemerkt; alles ohne Zinsen. Allerdings ist nach dieser Zeit das Vermögen verzehrt.

Eine Hälfte in Immobilien und Edelmetalle, die andere in Aktien

Um 100.000 Euro jährlich entnehmen zu können und dennoch den Nennwert des liquiden Vermögens erhalten zu können, müsste Nordeck schon 5 Prozent Rendite nach Steuern erwirtschaften. Das ist zwar nicht unmöglich, erfordert jedoch höhere Risiken und verringert die Planungssicherheit. Nordeck wird deshalb vermutlich einen Mittelweg einschlagen. Er wird seinen heimlichen Wunsch, das Vermögen nicht zu schmälern, aufgeben müssen und zugleich die Anlage in hochliquiden, jederzeit verfügbaren Bankforderungen überdenken. Auf diesem Weg mag die Erkenntnis helfen, dass die Illusion, es gebe risikolose Geldanlagen, spätestens in der Finanzkrise zerstoben ist. Die Kaufkraft des Bargeldes schwindet wegen der Inflation mit Sicherheit, Banken und selbst Staaten sind als Schuldner nicht über jeden Zweifel erhaben. Entscheidend ist deshalb, dass Nordeck den Teil seines Vermögens, den er für sich und seine Frau verwenden will, breit gestreut anlegt. Sein Berater schlägt ihm vor, die eine Hälfte in Sachwerten wie Immobilien und Edelmetallen zu investieren und die andere fähigen Vermögensverwaltern zur Anlage auf den Aktienmärkten anzuvertrauen. Über eine solche Aufteilung lässt sich trefflich streiten, zumal sie von Risikoneigung und Anlagehorizont abhängt. Wichtig ist nur, dass nicht alles auf eine Karte gesetzt wird.

Zwar hat Nordeck darüber nachgedacht, was geschieht, wenn er vorzeitig sterben sollte, und hat deshalb eine Rentenversicherung für seine Frau in Erwägung gezogen. Auch eine Pflegeversicherung für die beiden war im Gespräch. Doch beides wurde verworfen, da sie dies nicht brauchen. Durch das vorhandene Vermögen sind beide zumindest finanziell ausreichend auf diese Unwägbarkeiten vorbereitet.

Was Friedrich Nordeck braucht:
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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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