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Zinsbindung : Wie sich Bauherren auf steigende Zinsen einrichten

Vorsicht, Baustelle! Bild: dpa

Immobilienkäufer haben Angst davor, dass die Zinsen steigen: Sie sichern sich jetzt besser ab. Aber sie nutzen nur einen von zwei möglichen Wegen.

          Des einen Freud ist des anderen Leid. Während Sparer vage Hoffnungen hegen, dass sich ihre Lage endlich wieder verbessern könnte, sorgen sich Darlehensnehmer darüber, dass die Zinsen auch in Europa bald wieder steigen könnten. Ein Indikator für die Sorgen der Immobilienkäufer ist die Zeit, für die der Hypothekenzins der Darlehen garantiert ist. Diese Sollzinsbindung ist nach Daten des Finanzdienstleisters Dr. Klein in Deutschland im März auf durchschnittlich 14 Jahre gestiegen – das höchste Niveau seit Oktober 2016. Schon im Februar war von vielen Kreditkunden eine längere Frist gewählt worden, von im Durchschnitt 13 Jahren und elf Monaten nach zuvor 13 Jahren und drei Monaten.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Denn es gilt: je länger Darlehensnehmer ihre Zinsen festlegen, desto später bekämen sie einen Zinsanstieg zu spüren. Das wird relevant, wenn der ursprüngliche Kredit ausläuft und eine Anschlussfinanzierung ansteht. Bis dahin sind die Kunden zudem an ihren bisherigen Geldgeber gebunden, danach können sie in der Regel den Anbieter wechseln. Eine lange Zinsbindung bietet zwar mehr Planungssicherheit, zugleich ist sie aber mit Risiken behaftet. Denn wer hätte vor Jahren gedacht, dass die Zinsen einmal so deutlich fallen würden und vor allem auch noch dauerhaft so niedrig bleiben?

          Die Bauzinsen steigen

          Nach Daten des Finanzdienstleisters FMH müssen derzeit für ein Immobiliendarlehen mit 15 Jahre lang festen Zinsen im Bundesdurchschnitt 1,83 Prozent gezahlt werden. Zum Vergleich: Im Tief waren es im Herbst 2016 gut 1,4 Prozent. Im Jahr 2008 wiederum wurden dafür zeitweise noch rund 5,5 Prozent verlangt. Würde man die Hypothekenzinsen sogar 20 Jahre lang festschreiben wollen, dann fällt hierfür laut FMH derzeit ein Zins von im Durchschnitt gut 2 Prozent an, für fünf Jahre sind es 1,15 Prozent. (Genaue Angebote finden Sie im F.A.Z.-Hypothekenvergleich.)

          Zum Jahreswechsel sei eine Art Nervosität auf dem Baukreditmarkt zu beobachten gewesen, sagen die Fachleute von Dr. Klein. Denn nachdem sich die Hypothekenzinsen über Monate hinweg nur wenig verändert hätten, seien diese zwischen Dezember und Februar merklich gestiegen. Im März sei diese Aufwärtsbewegung allerdings wieder gebremst worden.

          Nachfrage nach Forward-Darlehen wächst kaum

          Als weiterer Indikator für die Stimmung der Verbraucher gilt die Nachfrage nach Forward-Darlehen. Mit dieser Art von Kredit können sich Kunden die aktuellen Konditionen gegen Zahlung einer Gebühr für ein künftiges Hypothekendarlehen sichern. Gemessen an den Abschlüssen dieser Darlehen ließen sich derzeit jedoch keine große Sorgen diagnostizieren, heißt es von Dr. Klein. Denn die Nachfrage nach diesen Krediten sei von 11,4 auf zuletzt 11,8 Prozent nur leicht gewachsen. Vor gut einem Jahr, im Februar 2017, waren diese Darlehen dagegen mit einem Rekordanteil von 19,8 Prozent so gefragt wie nie zuvor. (Der F.A.Z.-Forward-Darlehen-Vergleich)

          An den weiteren allgemeinen Eckdaten von Immobilienkrediten haben sich zumindest kurzfristig nur kleinere Veränderungen ergeben. So hat sich im Durchschnitt der Tilgungssatz im März mit 2,9 Prozent und die Darlehenshöhe mit etwa 213.000 Euro seit Februar zwar kaum verändert. Vor einem Jahr betrug das durchschnittliche Kreditvolumen aber noch 195.000 Euro. Dieser Anstieg um 9 Prozent gilt als Spiegel der gestiegenen Immobilienpreise. Den Daten von Dr. Klein liegen rund 35.000 Transaktionen über 4 Milliarden Euro im Monat zugrunde.

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