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Teures Geld : Wer braucht den Dispositionskredit?

Konsum auf Pump: Nicht selten wird der Dispo für die allgemeine Lebensführung dauerhaft zweckentfremdet. Bild: Cultura RF / vario images

Auf den „Dispo“ lässt sich schnell und unbürokratisch zugreifen. Millionen Deutsche nutzen ihn. Doch das schnelle Schuldenmachen ist teuer. Es gibt aber günstigere Alternativen.

          Die Situation kennt wohl jeder ganz genau: Die Waschmaschine geht kaputt, das Auto muss in die Werkstatt, oder der Computer streikt. Kurz: Ersatz oder eine Reparatur sind vonnöten, und schnell muss Geld her. Zwar empfehlen Finanzfachleute stets, etwa drei Nettogehälter eben für solche Fälle auf seinem Konto zurückzuhalten. Aber gerade bei jungen Menschen, die sich von befristetem Vertrag zu befristetem Vertrag hangeln oder Niedrigverdiener sind, ist das oftmals nicht möglich. Dann überziehen wohl oder übel viele ihr Konto, weil ihr Girokonto schon leer ist, und gehen in den Dispositionskredit.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Banken machen aus den Dispokrediten ein großes Geheimnis. Kein Wunder, denn sie verdienen mit den Zinsen auf diese Kredite ihr Geld. Daher geben die Geldhäuser auch keine Auskunft über die Anzahl der Kunden, die sich verschulden, oder die Höhe, in der sie sich verschulden. Als die Zeitschrift „Finanztest“ im vergangenen Oktober bei 1566 Banken nach den Konditionen recherchierte, verweigerten sich mehr als 600 einer Antwort komplett, auch im Internet wurden die Dispozinsen nicht veröffentlicht. Viele hatten nicht einmal einen Aushang, aus dem hervorgehen würde, in welcher Höhe Strafzinsen erhoben werden. Auch deshalb will Verbraucherminister Heiko Maas (SPD) den Geldinstituten vorschreiben, ihre Konditionen sowohl in der Filiale als auch im Internet zu veröffentlichen.

          Rendite von 9 Prozent für Banken möglich

          Dabei würde mehr Information nottun, denn immer noch gehören die Deutschen zur internationalen Spitzengruppe der Kreditnehmer. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der ING-Diba kommt zu dem Ergebnis, dass etwa 43 Prozent der Befragten ihren Dispokredit wenige Male im Jahr überziehen, für 17 Prozent ist sie sogar eine regelmäßige Geldquelle. Mehr als 30 Prozent der Dispo-Bezieher nutzen ihren Kreditrahmen vornehmlich in Beträgen über 500 Euro. Laut der FMH-Finanzberatung in Frankfurt und dem Düsseldorfer Finanzexperten Udo Keßler leihen sich die Deutschen im Schnitt sogar 1043 Euro.

          Die effektiven Zinsen für die Überziehung sollen laut Bundesbank bei etwa 9 Prozent liegen. Der Vergleichszinssatz, zu dem die Banken sich untereinander Geld leihen können, der Drei-Monats-Euribor, liegt bei rund 0,04 Prozent. Damit ist eine Rendite von 9 Prozent für die Banken möglich. Laut Bundesbank lag das Neugeschäftsvolumen bei Überziehungskrediten und revolvierenden Krediten bei knapp 36 Milliarden Euro. Auch wenn die Tendenz sinkend ist: Mit den Dispokrediten machen die Banken demnach mehr als 3,2 Milliarden Euro Umsatz.

          Die Deutschen zahlen damit im Durchschnitt rund 40 Euro an ihre Bank für den Dispokredit, zusätzlich natürlich zu eventuellen Kontoführungsgebühren und anderen Kosten. Da sich die Banken aber auch nicht zu den Ausfallraten äußern, ist es allerdings schwierig, ihren Gewinn zu schätzen. Erfahrungsgemäß ist die Ausfallrate bei den Dispokrediten aber eher sehr niedrig. Von der Stiftung Warentest wurden Ausfallraten zwischen 0 und 3,8 Prozent geschätzt. Damit gelten die Kredite als relativ ausfallsicher für die Geldhäuser.

          Bild: F.A.Z.

          Der Dispokredit fällt für die Nutzer indes nicht weiter ins Gewicht, wenn er kurzfristig genutzt wird. Werden etwa wegen einer Autoreparatur kurzfristig 4000 Euro nötig, kosten diese im Monat bei einem Zinssatz von 10 Prozent lediglich etwas mehr als 30 Euro. Doch richtig teuer wird es bei einem Dispositionskredit, wenn er über das gesamte Jahr genutzt wird. Denn werden diese 4000 Euro dann Monat für Monat in Anspruch genommen, stehen Kosten in Höhe von 400 Euro zu Buche.

          Regel: Schuldentilgung vor Vermögensaufbau

          Doch was können nun Menschen tun, die trotzdem kurzfristig an Geld kommen müssen? Zuerst gilt die eiserne Regel: Schuldentilgung vor Vermögensaufbau. Das heißt konkret: Bevor der Dispo beansprucht wird, sollte man eventuell vorhandene Tagesgeldkonten oder Sparbücher auflösen. Auch wenn Festgeldkonten oder Aktien- und Fondspakete kostengünstig aufgelöst werden können, sollte darauf zurückgegriffen werden. Denn diese werfen oft nicht mehr als 10 Prozent Rendite ab, die sie aber abwerfen müssten, um die Kosten für den Dispositionskredit zu begleichen.

          Sollte das Geld dann immer noch nicht reichen, kann man in den Dispositionskredit gehen. Aber das sollte auch nur dann geschehen, wenn man weiß, dass er auch kurzfristig zurückgezahlt werden kann, denn ansonsten wird es teuer. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn man eine höhere Steuerrückzahlung erwartet, ein Bonus auf das Gehalt ansteht oder ein Erbe zu erwarten ist.

          Wenn ab und an der Dispokredit genutzt wird, kann auch ein Wechsel zu einer anderen Bank günstig sein. Besonders die Skatbank hat mit rund 5 Prozent sehr niedrige Dispozinsen, aber auch andere Direktbanken sind zum Teil deutlich günstiger als ihre Filial-Konkurrenten.

          Falls der Dispokredit dagegen wirklich regelmäßig genutzt wird, lohnt sich tatsächlich der Vergleich mit einem Ratenkredit. Die Verbraucherzentralen empfehlen das, sobald man länger als sechs bis neun Monate im Dispo steckt. Die Zinsen sind für einen Ratenkredit fast immer um die Hälfte niedriger, beim Rechenbeispiel mit 4000 Euro könnten so im Jahr 200 Euro gespart werden. Doch Vorsicht: Auch bei Krediten gibt es Fallen, wie hohe Gebühren oder eine oftmals nutzlose Restschuldversicherung. Doch Vorsicht: Wenn dieser Kredit dann auch über den Dispo bezahlt wird, droht die komplette Überschuldung. Dann ist der Gang zu einer Schuldnerberatung fast unumgänglich.

          Quelle: F.A.Z.

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