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Kreditgespräche „Ihre Frau spielt keine Rolle“

 ·  Wie unterscheiden sich die Vorschläge einer regionalen Hausbank, einer Bausparkasse und einer Online-Bank für einen Hauskauf? Ein Kreditgespräch mit Baufinanzierern zeigt bisweilen Abgründe auf.

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Berufseinsteiger kennen das Gefühl eines Praxisschocks: Das sind jene Momente, in denen schöne Theorie und erste reale Erfahrungen hart aufeinanderprallen. Die gleiche Gefühlswelt durchschreitet, wer zum ersten Mal Kreditgespräche mit Baufinanzierern führt. Dabei war das Anliegen des jungen Häuslebauers denkbar einfach: Um eine Doppelhaushälfte im Taunus zu erwerben, brauchte er einen Kredit über die Hälfte der Kaufsumme.

Um sich möglichst gute Konditionen zu sichern, wollte er mit möglichst unterschiedlichen Anbietern reden. Er suchte eine regionale Hausbank auf, die mit ihrer Verwurzelung vor Ort wirbt. Eine Bausparkasse, die ihre große Seriosität anpreist. Und eine Online-Bank, die sich rühmt, als Vermittler die besten Konditionen unter Hunderten Angeboten zu finden.

„Den Kredit können Sie sich leisten“

Die gute Nachricht vorneweg: Alle Berater waren sehr freundlich. Das könnte daran liegen, dass alle an seine Zinsen und Gebühren wollten. Verlässlich nachweisen lässt sich das nicht. Ganz sicher aber wäre zumindest eine Finanzierung krachend gescheitert: die der Bausparkasse.

Der Vertreter des Unternehmens war, juristisch gesehen, selbständig, lebt also von seinen Abschlüssen. Für das Gespräch hatte er sich eine Stunde reserviert. Er fragte nach Kaufpreis, Eigenkapital und dem Nettoeinkommen des potentiellen Schuldners. Der „Fachmann“ addierte das Kindergeld für den dreifachen Familienvater hinzu und strahlte sein Gegenüber eine Sekunde später an: „Den Kredit können Sie sich leisten.“

Wonach er nicht fragte, war das Einkommen der Ehefrau. Das war erschreckend, weil der Vater ohne deren Einkünfte knapp die Hälfte seines monatlichen Nettos für Zinsen und Tilgung an die Bausparkasse überwiesen hätte. Nach allen goldenen Regeln der Baufinanzierung ist das viel zu viel, schließlich muss die Wohnung noch geheizt und der Kühlschrank noch gefüllt werden! Im Kopf des Familienvaters klingelten die Alarmglocken. Leider aber nur in seinem. Als er bei passender Gelegenheit nachschob, dass seine Frau auch eine halbe Stelle habe, erfuhr er: „Ihr Einkommen würde auch alleine reichen, da spielt Ihre Frau keine Rolle mehr.“

Ein schlechtes Angebot

Nach 45 Minuten präsentierte der Vertreter der Bausparkasse ein Angebot, das aus einem einzigen Baustein bestand: ein tilgungsfreies Darlehen, das nach etwa zehn Jahren durch einen dann zuteilungsreifen Bausparvertrag abgelöst wird. Über den gesamten Zeitraum gerechnet, betrug der Sollzins etwa 3,1 Prozent. Das klang zunächst nicht schlecht. War es aber. Das Wort „Riester-Förderung“ nahm der „Berater“ nicht ein Mal in den Mund. Er verschwieg also einem dreifachen Familienvater jene 100 Euro Förderung im Monat, die ihm für etwa die nächsten 20 Jahre zustehen. Immerhin war der „Fachmann“ konsequent: Seine Provision von mehr als 2000 Euro erwähnte er ebenfalls nicht.

Die Online-Bank baute in die Finanzierung immerhin ein Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau ein, die für energiesparende Häuser 50.000 Euro zu 1,8 Prozent leiht. Die Riester-Förderung wurde in dem zweistündigen Gespräch erst auf Nachfrage angeboten, der Mischzins betrug am Ende etwa 2,8 Prozent.

Überzeugender hingegen die Hausbank: Gleich zwei Berater durchleuchteten Eigenkapital sowie monatliche Einnahmen und Ausgaben aller Familienmitglieder. Außerdem prüften sie, ob die Eltern gegen Lebensrisiken wie Berufsunfähigkeit ausreichend versichert sind. Das Angebot kam eine Woche später: das KfW-Darlehen, ein tilgungsfreies Darlehen und ein Bausparvertrag mit Riester-Förderung. Nominalzins knapp unter 2,5 Prozent, keinerlei Zinsänderungsrisiko. Die Verträge sind inzwischen unterschrieben, der anfängliche Praxisschock aber sitzt noch tief. Die psychologisch wichtige Verarbeitungsphase dauert an.

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