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Hohe Kredite : Banker sehen die eigenen Schulden ganz entspannt

Banker lassen sich von den eigenen Schulden nur selten aus der Ruhe bringen. Bild: ddp

Banker nehmen häufig hohe Kredite auf, können diese aber nicht immer begleichen. Eine andere Berufsgruppe ist sogar mit noch höheren Summen im Verzug.

          Es ist ein Klischee und dennoch häufig Realität: Der Gastwirt selbst ist oft sein bester Kunde. Ein Banker wiederum kann sich eigentlich zwar nicht wirklich selbst einen Kredit geben, insofern hinkt der Vergleich ein wenig. Dennoch gehen wohl gerade Bankmitarbeiter selbst sehr locker mit dem Thema Schulden um und haben besonders viel davon. Nach einer Analyse des Vergleichsportals Verivox jedenfalls schließen gerade diejenigen Verbraucher die höchsten Kredite ab, die selbst in der Finanzbranche arbeiten. Dies jedenfalls ergibt die Auswertung aller Ratenkredite, die binnen zwölf Monaten über das Vergleichsportal vermittelt wurden. Baufinanzierungen wurden dabei nicht berücksichtigt.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Demnach nahmen die Mitarbeiter der Finanzbranche in dem untersuchten Zeitraum durchschnittlich 13.872 Euro auf – 22 Prozent oder 2455 Euro mehr als der Durchschnitt aller Branchen von 11.417 Euro. An zweiter Stelle in dieser nicht repräsentativen Statistik folgen Beschäftigte aus dem Energiesektor mit einer durchschnittlichen Kreditsumme von 13.429 Euro und die Informations- und Kommunikationsbranche mit 13.082 Euro. Verivox hat zudem festgestellt, dass Mitarbeiter aus dem Finanzdienstleistungssektor nicht nur die höchsten Kreditsummen schultern, sondern auch im Verhältnis zu ihrem Anteil an der erwerbstätigen Bevölkerung besonders häufig Kredite über das Vergleichsportal abschließen. Viele möchten den Kredit offenbar lieber nicht bei ihrem eigenen Arbeitgeber aufnehmen.

          Banker in guter finanzieller Lage

          Auch eine repräsentative Umfrage des Forderungsmanagers Kruk unter verschiedenen Berufsgruppen aus dem Herbst 2017 offenbart Ähnliches. Demnach arbeiten zwar im Finanzwesen die Beschäftigten, die sich nach eigenen Angaben in der finanziell komfortabelsten Situation befinden. Überdurchschnittliche 60 Prozent dieser Befragten bewerten ihre finanzielle Lage als sehr gut, weitere 31 Prozent mit gut. Und dennoch sagten nur 41 Prozent dieser Umfrageteilnehmer, dass sie alle überfälligen Rechnungen auch begleichen konnten. Damit waren sie das Schlusslicht der Umfrage und lagen zudem auch noch weit unterhalb des Durchschnitts. Denn über alle Branchen hinweg sagten dies durchschnittlich 69 Prozent der Befragten. Mitarbeiter der Finanzbranche stehen demnach auch Krediten besonders offen gegenüber. Ein knappes Drittel stimmte hier der Feststellung zu, dass ein Kredit eine gute Lösung sei, wenn man knapp bei Kasse sei, und man würde ihn ohne Bedenken nutzen.

          Bankmitarbeiter beantworteten laut Kruk aber auch die Frage nach der höchsten Summe, mit der sie je in Verzug gewesen seien, mit einem überdurchschnittlichen Wert: Waren es im Finanzwesen zwölf Monatsgehälter an ausstehenden Verbindlichkeiten, so betrug der Durchschnitt über alle Branchen hinweg in der Umfrage nur 6,4 Monatsgehälter. Für Mitarbeiter im uniformierten Dienst waren es jedoch sogar 13,6 Monatsgehälter. Es gilt allerdings freilich auch, dass nur derjenige höhere Schulden aufnehmen kann, der über ein entsprechendes Einkommen verfügt. Selbst wer sich zu den Gutverdienern zähle, sei vor Schulden nicht gefeit, sagt Nenad Doncev, Stratege von Kruk. Dies zeige, dass Schulden ein verbreitetes Problem seien, das, unabhängig von Berufsweg oder Einkommen, weite Teile der Bevölkerung betreffe.

          Geld für Autos und Küchen

          Und wofür werden die Schulden hierzulande gemacht? Nach Daten des Konsumforschers GfK und des Bankenfachverbandes entfiel ein Drittel der Ratenkredite der Deutschen im Vorjahr auf einen Gebrauchtwagen und ein gutes Viertel auf ein neues Fahrzeug – beides zusammen machte mehr als die Hälfte dieser Darlehen aus. 17 Prozent der Kredite betrafen eine Küche oder anderes Mobiliar und 15 Prozent die Ablösung eines anderen Ratendarlehens, dicht gefolgt von Computern oder Unterhaltungselektronik und Haushaltsgroßgeräten. In einem Sechstel der Fälle wurde ein Ratenkredit jedoch auch genutzt, um den Dispokredit des Girokontos auszugleichen.

          Letzteres macht durchaus Sinn. Denn nach Daten der FMH-Finanzberatung kostet ein Dispokredit im Bundesdurchschnitt aktuell rund 9,2 Prozent. Für einen Ratenkredit mit 36 Monaten Laufzeit beträgt der Zins dagegen durchschnittlich 4,5 Prozent. Für beide Kreditarten ist die Spanne der geforderten Zinsen jedoch groß. Laut FMH sind 12,5 Prozent der höchste geforderte Zins. Für über den gewährten Dispositionsrahmen hinausgehende geduldete Überziehungen sind es sogar bis zu mehr als 16 Prozent an Zins und im Durchschnitt rund 11 Prozent.

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