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Standard bei Finanzberatung : Finanzdienstleister wollen Beratung vereinheitlichen

„Wenn jeder seinen eigenen Standard einführt, ist das für Verbraucher verwirrend.“ Bild: Picture-Alliance

Spätestens seit der Finanzkrise gibt es bei der Finanzberatung einen echten Bedarf, Missstände zu beheben. Durch einen neuen Standard wollen Banken und Versicherer das Vertrauen der Kunden wiedergewinnen.

          Zeigt ein Verbraucher zehn Finanzberatern, wie viel er verdient und was er schon für Finanzprodukte gekauft hat, geben sie wahrscheinlich elf verschiedene Empfehlungen für seine weitere Finanzplanung ab. Natürlich ist immer das jeweilige Angebot des eigenen Produktpartners das schlüssigste, vor den grundlegenden Absicherungen werden oft margenträchtige Verträge empfohlen, die vor allem für den Verdienst des Beraters vorteilhaft sind. Und unwichtige Produktgimmicks werden gern in den Mittelpunkt gestellt, um beim Verbraucher mit etwas scheinbar Einmaligem in Erinnerung zu bleiben. Das Ergebnis: Viele Verbraucher schließen die falschen Versicherungen ab, nehmen überhöhte Dispozinsen in Kauf und unterschätzen die Vorteile einer rechtzeitigen Kredittilgung.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Deshalb erscheint der Gedanke einsichtig, dass man die Finanzberatung standardisieren sollte. So wie zehn Radiologen dasselbe sehen, wenn sie auf ein Röntgenbild blicken, sollten auch zehn Finanzberater dasselbe erblicken, wenn sie auf Einkommensverhältnisse, familiäre Situation und Finanzverträge schauen. Dieser Gedanke stand am Anfang eines Prozesses, der tatsächlich bis zum kommenden Jahr in eine deutsche Norm für die Finanzberatung münden könnte. Am Deutschen Institut für Normung (DIN) in Berlin hat sich ein 40-köpfiger Ausschuss gebildet, der genau dieses Ziel verfolgt.

          Ausschuss sei kompetent und heterogen besetzt

          Beteiligt sind nahezu alle wichtigen Akteure des Finanzmarktes: Kreditinstitute wie die Deutsche Bank und die Commerzbank, Versicherer wie die Allianz und die Zurich, Vermittler wie die OVB und Formaxx. Hinzu kommen das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz sowie die Stiftung Warentest. „Wenn es tatsächlich gelingt, erstmals eine DIN-Norm für die Finanzbranche zu entwickeln, wäre dies ein großer Fortschritt“, sagt ein Sprecher des Ministeriums.

          Der Ausschuss sei kompetent und heterogen besetzt, das garantiere eine hohe Qualität und Akzeptanz. Das Haus von Minister Heiko Maas (SPD) sieht die Arbeit an einer Finanzberatungsnorm als vielversprechende Entwicklung. Solche Standards könnten dazu beitragen, dass sich die Beratungsqualität verbessere. „Ähnlich wie ein Arzt für eine korrekte Diagnose dem Patienten zunächst bestimmte Fragen stellen und relevante Parameter prüfen muss, macht dies auch ein sorgfältiger Finanzdienstleister bei seinen Kunden“, sagt der Sprecher.

          Dass sich Dienstleistungsunternehmen auf eine gemeinsame Norm einigen wollen, ist bislang noch etwas ungewohnt. Denn üblicherweise setzt das DIN solche Standards bei Produkten, Verpackungen oder Fertigungsverfahren fest. Für Dienstleistungen hat sich das Institut in den vergangenen Jahren allerdings zunehmend geöffnet. Und in der Finanzberatung gibt es einen echten Bedarf, Missstände zu beheben. Das Vertrauen der Konsumenten hat insbesondere durch die Finanzkrise gelitten. Verschiedene Marktakteure haben eigene Standards aufgestellt: die Stiftung Warentest genauso wie die Brancheninitiative Arbeitskreis Beratungsprozesse, die Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten oder auch die Ratingagentur Franke & Bornberg.

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