http://www.faz.net/-hbv-81bfg

Was tun bei Niedrigzinsen? : In die Bildung der Kinder investieren

Ganztagsbetreuung für Schüler kostet mehrere hundert Euro im Monat. Bild: Holde Schneider / VISUM

Die hohen Kosten für Kindergarten und Schule stoßen vielen Eltern übel auf. Dabei sind es Investitionen, die sich lohnen.

          Auf der Suche nach vielversprechenden Investments wälzen Anleger Börsenprospekte und Magazine. Doch eine ganz besondere „Assetklasse“ bleibt bei der Wahl der richtigen Anlagestrategie häufig außen vor: der eigene Nachwuchs. Höchste Zeit, dass sich das ändert. Selbst wenn sich die Rendite bei dieser Anlage nicht auf Euro und Cent genau herunterbrechen lässt, ist eins unbestritten: Eine qualitativ hochwertige Bildung in jungen Jahren führt im Erwachsenenalter zu einem besser bezahlten Job. Bildung lohnt sich auch finanziell, und zwar je früher, desto mehr. Bisher investieren Deutschlands Familien nur durchschnittlich 93 Euro im Monat in Bildungsangebote. Das ist entschieden zu wenig.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Grundsätzlich gilt: „Frühkindliche Interventionen“ bringen die höchsten Renditen, wie es Ökonomen etwas sperrig formulieren. Etwas handfester ausgedrückt, heißt das: Wer sein Kind schon früh in den Kindergarten geben möchte, sollte keine Kosten scheuen. Denn schon früh lernen Kinder das Lernen. Und je besser sie es können, desto leichter fällt es ihnen später.

          „Es lohnt sich, schon die Kita sorgfältig auszuwählen“, sagt Bildungsökonomin Katharina Spieß vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Als die bekannteste Studie in diesem Bereich gilt ein Projekt des Nobelpreisträgers James Heckmann, der mit einer Langzeituntersuchung aus den sechziger Jahren die positiven ökonomischen Effekte höherer Bildung nachweisen konnte. In diesen Studien wird vor allen Dingen der volkswirtschaftliche Nutzen durch höhere Steuereinnahmen und geringere Straffälligkeit herausgestellt. Für Eltern allerdings dürfte genauso interessant sein, wie sich hohe Investitionen in die Bildung der Kinder auswirken.

          Frühzeitig um qualitativ hochwertige Kita kümmern

          Die Kita sorgfältig auswählen ist allerdings einfacher gesagt als getan. Vom Ideal, dass Eltern ebenso wie bei ihrer Bank einfach das beste Produkt bestimmen können, ist die Realität noch weit entfernt. In vielen Großstädten lassen sich Eltern eher wahllos auf die Wartelisten von allen erdenklichen Institutionen setzen. Sie müssen dann mit der Zusage leben, die ihnen zuteil wird.

          Für dieses Dilemma hat Spieß nur den Rat: „Um eine qualitativ hochwertige Kita sollten sich Eltern frühzeitig kümmern.“ Qualität indes ist schwierig zu bestimmen, als wichtige Indizien gilt die Ausbildung der Erzieher und ihre Anzahl im Verhältnis zur Größe der Gruppe, aber auch das Bildungskonzept: Zwischen den Lehren von Maria Montessori und Rudolf Steiner zum Beispiel gibt es erhebliche Unterschiede.

          Auch finanziell sind die Unterschiede oft groß: Die städtischen Kitas verlangen einen festen Satz, der für einkommensschwache Familien auch ganz entfallen kann. Für private Einrichtungen dagegen gibt es nur dann einen Deckel, wenn sie staatliche Förderung in Anspruch nehmen. Aber davon abgesehen kann die hochwertige Betreuung mitunter auch einen vierstelligen Betrag überschreiten - im Monat.

          Ob staatlich oder privat: Für die Kleinkindbetreuung wird in Deutschland ohnehin Geld fällig. Anders ist es dagegen in der Schule, dort ist die staatliche Variante kostenlos zu haben, allerdings meist auch nur halbtags. Das Bekenntnis zur Ganztagsschule kam zwar vollmundig, ist aber in der Praxis vielerorts noch nicht umgesetzt. Mit der fachlich anspruchsvollen Betreuung ist deshalb oft spätestens um halb zwei Schluss. Für die Betreuung danach müssen sich Eltern einen Hortplatz suchen. Der ist wesentlich kostengünstiger als der Kindergarten, allerdings ist die Betreuung da auch nicht so intensiv. Hausaufgabenbetreuung gibt es überall, doch jenseits dieser Grundversorgung hängt es vom Engagement der Hortleitung ab, wie sehr die Kinder gefördert werden.

          Gute Ganztagsbetreuung bietet doppelte Rendite

          In die Marktlücke einer fehlenden einheitlichen Ganztagsbetreuung sind besonders in den vergangenen Jahren viele private Anbieter gestoßen. Inzwischen besuchen rund neun Prozent der deutschen Schüler eine Privatschule. Während früher die reichen Kinder oft in Internate im In- oder Ausland geschickt wurden, gehen viele heute in Privatschulen - nicht nur aus wohlhabenden Familien. Immer mehr Eltern aus der Mittelschicht überlegen, ob sie ihre Sprösslinge nicht lieber in eine solche Einrichtung schicken sollen.

          Privat ist übrigens für sich allein noch kein Ausweis für Qualität. Es kann auch das glatte Gegenteil sein: Lange Zeit umwehte die Privatschule der Nimbus des Fehlbaren. Oft hieß es, dorthin kämen all diejenigen Sorgenkinder aus gutem Hause, denen an der staatlichen Schule die Ehrenrunde erspart werden sollte.

          Das hat sich geändert, seitdem es immer mehr international ausgerichtete Privatschulen gibt. Ähnlich wie die Schulen in den Vereinigten Staaten bieten sie nicht nur Betreuung bis mindestens 17 Uhr, sondern selbst in der Vorschule ein umfangreiches Angebot an bilingualen Kursen, naturwissenschaftlichen Workshops oder ausgefallenen Sportarten. So üben sich dort auch Fünfjährige in der brasilianischen Kampfkunst Capoeira.

          „Eine gute Ganztagsbetreuung bietet eine doppelte Rendite: Zum einen können bei guter Qualität die Kinder grundsätzlich davon profitieren, bis ins spätere Erwerbsleben hinein“, sagt Spieß. „Zum anderen können Eltern Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren.“ Das freilich hat seinen Preis: Monatliche Kosten von mehreren hundert Euro muss man dafür einkalkulieren.

          Quelle: F.A.S.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Krise in Katalonien : Spanien will Regionalregierung absetzen

          Die Zentralregierung will die katalanische Regionalregierung absetzen. Zuvor muss noch der Senat zustimmen. Die Separatisten könnten aber noch für eine Überraschung sorgen.

          Umgang mit Hinterbliebenen : Fehler? Ich doch nicht!

          Donald Trump wurde wieder einmal bei einer Unwahrheit ertappt. Diesmal versuchte das Weiße Haus, seine Aussage im Nachhinein wahr zu machen. Die Debatte um Kondolenzanrufe geht jedoch nicht nur dadurch immer weiter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.