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Einen guten Finanzberater finden : Darauf müssen Sie achten

Nicht immer ist der Bankberater die erste Wahl. Bild: dpa

Die Finanzkrise hat viele Kunden verunsichert. Die richtigen Produkte zu finden, fällt schwer. Worauf müssen Anleger achten, wenn sie einen unabhängigen Geldberater suchen?

          • Was bedeutet Unabhängigkeit?

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein Großteil der Finanzvermittler in Deutschland ist im Auftrag der Produktgeber unterwegs: Der Bankberater verkauft den Fonds seines Instituts genauso wie der Versicherungsagent die Policen seines Hauses. Unter ihnen gibt es hervorragend geschulte Fachleute. Sie vergleichen ihr Angebot zwar mit dem von Wettbewerbern, bieten aber keine breite Palette an. Am Ende erhält der Kunde nur dann das beste Produkt, wenn sein Vermittler zufällig für den besten Anbieter arbeitet. Auf dem Versicherungsmarkt muss seit einigen Jahren auf der Visitenkarte ersichtlich sein, ob ein Vermittler eigenständig (Makler) oder im Auftrag eines oder mehrerer Häuser (Ausschließlichkeitsvertreter oder Mehrfachagent) aktiv ist.

          • Ist Honorar besser als Provision?

          Im Normalfall erhält der Kundenbetreuer eine Provision, nachdem er ein Produkt vermittelt hat. Aus der Sicht von Verbraucherschützern besteht ein systematischer Zielkonflikt zwischen Berater und Kunde, da die Beratungsleistung nur honoriert wird, wenn es zum Abschluss kommt. Aus diesem Grund befürworten sie eine Beratung gegen Honorar. Honorarberater können in aller Regel Fonds ohne Ausgabeaufschlag, Baukredite zu niedrigen Zinsen und Indexfonds anbieten, die den Anlegern hohe Gebühren ersparen. Allerdings ist diese Form der Vermittlung in Deutschland noch wenig verbreitet. In der Finanzbranche behaupten viele Anbieter, das liege an der Zurückhaltung der Verbraucher, von sich aus eine Beratung in Anspruch zu nehmen und allein für die Beratung auch ein Honorar zu bezahlen. Vermittlung gegen Verkaufsprovision dagegen ist auch nicht zu verteufeln. Immerhin schafft die Provision einen stetigen Anreiz, Kunden zu suchen, die bislang zu wenig für die Altersvorsorge getan haben.

          • Wie finden Anleger gute Berater?

          Unabhängige Finanzberater haben sich in verschiedenen Organisationen zusammengeschlossen: So gibt es den Finanzplaner Deutschland Bundesverband, den Berufsverband deutscher Honorarberater (BVDH), den Verbund deutscher Honorarberater (VDH). Mehrere Internetseiten führen Honorarberater auf. Die Quirin Bank berät ausschließlich gegen Honorar. Online-Banken wie Comdirect und Cortal Consors bieten auch eine Wertpapierberatung gegen Honorar an. Überwiegend auf Provisionsbasis arbeiten Makler: Der Verband deutscher Versicherungsmakler (VDVM) und der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) sind sehr viel größer als die zuvor genannten Verbände. Viele von dessen Mitgliedern agieren im Auftrag der Anbieter. Aus Sicht von Marktbeobachtern ist die Mitgliedschaft in einem der Verbände zwar keine sichere, aber eine gute Gewähr, einen seriösen Anbieter zu finden, der sich auf Mindeststandards verpflichten lässt. So tritt etwa der VDVM für eine Verpflichtung seiner Mitglieder ein, sich ständig weiterzubilden.

          • Wie gut sind Verbraucherzentralen?

          Sie geben ebenfalls Ratschläge zur Finanzsituation, sowohl für klassische Geldanlagen als auch für Versicherungen. Als gemeinnützige Organisation müssen sie nicht die hohen Qualifikationsnachweise wie Gewerbetreibende erfüllen, die meisten sind aber sehr umfassend informiert. Sie können ihre Beratung zu Honorarsätzen anbieten, die unter denen der privaten Wettbewerber liegen. Allerdings können sie von den Einnahmen nicht leben und sind auf externe Geldgeber angewiesen. Häufig sind das Sparkassen, weshalb Kritiker ihnen eine größere Sympathie für Bank- als für Versicherungsprodukte nachsagen.

          • Worauf müssen Anleger achten?

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