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Ein Jahr Iban : Die lästige Nummer

22 Stellen hat die Iban - auch nach einem Jahr kann sie sich noch nicht jeder merken. Bild: dpa

Die Iban ist seit einem Jahr für alle Bankkunden in Deutschland Realität. Vielen ist sie noch immer fremd, doch es gibt einige Vorzüge.

          Ob man es gut findet oder nicht - seit Februar vergangenen Jahres hat jede Kontonummer in Deutschland 22 Stellen, und sie wird nun Iban genannt. Seither müssen auch Verbraucher die lange Zeichenfolge für alle ihre Überweisungen, Lastschriften oder Rechnungen verwenden. Unternehmen und Vereine waren schon anderthalb Jahre früher dran. Doch gewöhnt haben sich längst noch nicht alle daran.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In Deutschland habe der Umstieg auf die Iban reibungslos funktioniert, heißt es von der Deutschen Bundesbank. Dazu beigetragen hätten - neben vielen Informationen der Kreditwirtschaft - auch die breite Informationskampagne der Bundesbank mit dem Slogan: „Aus dieser Nummer kommen Sie nicht raus ...“ Auch der Zahlungsverkehr mit dem europäischen Ausland klappe reibungslos.

          Die Iban („International Bank Account Number“) ist Teil des einheitlichen Zahlungsverkehrsraumes Sepa. Sie soll helfen, Überweisungen und Lastschriften in den 34 beteiligten Ländern zu standardisieren und zu beschleunigen. Doch mal Hand auf Herz: Wer kennt seine Kontonummer - wie früher fast üblich - selbst nach dem einen Jahr auswendig? Muss man ja auch nicht, entgegnen Fachleute. Denn sie steht inzwischen nicht nur auf allen Bank- und Girokarten der Geldhäuser und den Kontoauszügen. Doch nicht immer hat man diese Karten oder das Blatt Papier auch tatsächlich parat.

          Experten raten zu Eselsbrücken

          Gedächtnisexperten raten daher zu Eselsbrücken aus erzählerischen Sätzen. Sie sollen die einzelnen Zahlen der Iban miteinander verbinden. Diese Formulierungen sollten dabei möglichst ausgefallen sein, um besonders gut in Erinnerung zu bleiben. Auch Gedankenpaläste sollen den Bankkunden helfen, in denen jeder Zahl ein eigener Gegenstand oder ein Symbol zugeordnet ist. Nicht wenigen ist dies alles jedoch viel zu kompliziert.

          Was die Merkbarkeit zudem erschwert: Die gar nicht mehr so neue Kontonummer ist vielen noch immer ein Rätsel. „Dort ist doch auch das Geburtsdatum enthalten“ ist nur eines von vielen Missverständnissen. Dies dürfte eher selten und wenn, dann meist zufällig so sein. Denn in den bisher teilnehmenden Staaten beginnt jede Iban mit der Länderkennung - DE steht für Deutschland. Es folgen eine individuelle zweistellige Prüfziffer, die alte Bankleitzahl und die ursprüngliche Kontonummer. Hatte jene weniger als zehn Ziffern, füllen Nullen die fehlenden Zahlen dazwischen auf, um auf 22 Stellen zu kommen.

          „Inzwischen hören wir keine Klagen mehr“

          Und was berichten die Kreditinstitute vor Ort? „An die lange Nummer musste sich am Anfang natürlich jeder erst einmal gewöhnen“, sagt zum Beispiel Julia Droege-Knaup, Sprecherin der Frankfurter Sparkasse. Und der eine oder andere habe sich natürlich darüber beschwert: „Inzwischen hören die Kollegen in den Filialen aber keine Klagen mehr und werden nur noch selten um Unterstützung zum Beispiel beim Ausfüllen von Überweisungsträgern gebeten.“ Von der Frankfurter Volksbank heißt es: Die Umstellung im Privatkundensektor von der klassischen Kontonummer auf die Iban habe völlig reibungslos funktioniert. Auch in den vielen Gesprächen, die mit den Kunden geführt würden, sei sie heute kein ernsthaftes Thema mehr.

          Iban und Sepa haben freilich Vorteile. Der wohl größte Pluspunkt dürfte die Schnelligkeit sein, mit der das Geld nun unterwegs ist. Überweisungen brauchen in der Regel nur noch einen Bankarbeitstag, um beim Empfänger anzukommen. Auch das Risiko, dass aufgrund eines Tippfehlers bei einer Sepa-Überweisung ein Betrag auf dem falschen Konto lande, sei durch die Prüfziffern noch geringer geworden, sagt die Sparkassensprecherin. Vorteile gebe es auch bei Auslandsüberweisungen innerhalb des Sepa-Raumes. Bei der Anzahlung für die Ferienwohnung in Österreich zum Beispiel habe man früher einen Überweisungsträger im DIN-A4-Format benötigt, den man sehr ausführlich und gewissenhaft habe ausfüllen müssen. Dies erübrige sich heute.

          Die Zahl der Iban-Fans dürfte dennoch überschaubar sein. Noch immer ist der Groll der Bankkunden zu spüren, wenn sie Geld überweisen wollen und die fremde Iban kleingedruckt als einzige Buchstaben- und Zahlenkolonne auf der Rechnung steht. Denn nicht jeder folgt dem gutgemeinten Rat der Kreditwirtschaft, die Iban in Vierergruppen aufzuteilen, um die Lesbarkeit so zu verbessern. Eine solche Darstellung erleichtert zudem den Umgang mit der eigenen Nummer. Denn an der Iban führt für Bankkunden hierzulande wirklich kein Weg mehr vorbei, auch wenn viele sie einfach nur als lästig und ärgerlich empfinden.

          Quelle: F.A.Z.

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