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Vorsorge Länger leben gibt es nicht umsonst

 ·  Ins Ausland reisen, in die Oper gehen und häufig Golf spielen: Das Alter ist abwechslungsreich und teuer. Wir haben genau nachgerechnet, was ein längeres Leben kostet.

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© dpa/picture-alliance Vergrößern

Alle Jahre wieder tönt der gleiche Aufschrei durch Deutschland: Die Sparer sind entrüstet, weil die Versicherungen mal wieder ankündigen, dass sie weniger Geld aus Rentenversicherungen als erwartet auszahlen werden. Die Kunden haben sich darauf verlassen und die Finanzierung ihres Ruhestandes darauf aufgebaut. Die Wut ist groß.

Doch die Versicherer können kaum anders. Mit den Schreckensmeldungen reagieren sie auf neue Daten zur Lebenserwartung. Und die zeigen regelmäßig: Wir sterben noch später als gedacht. Weil wir gesünder leben und die Medizin immer besser wird. Das hat Folgen für die Rentenversicherung. Denn sterben die Menschen später, bekommen sie länger eine Rente ausbezahlt. Es steht aber nicht mehr Geld zur Verfügung, da nicht mehr angespart wird. Die monatlichen Ausschüttungen müssen daher geringer ausfallen.

Wer älter wird, muss früher sparen

Das zeigt: Sparer sollten die steigende Lebenserwartung immer im Blick haben, wenn sie überlegen, wie viel sie fürs Alter zurücklegen. Die Tendenz ist derzeit: Wir werden noch älter als gedacht und die Renten damit noch niedriger als erhofft. Oder umgekehrt: Wer im Alter einen festen Eurobetrag als Rente bekommen will, muss jetzt mehr sparen als früher.

Wie sich genau die Beiträge für die Versicherung durch andere Lebenserwartungen verändern, hat die Württembergische Lebensversicherung exklusiv für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung errechnet. Am stärksten spüren höhere Jahrgänge eine steigende Lebenserwartung. Denn sie haben weniger Zeit, auf das nötige Kapital zu kommen, aus dem die Renten bezahlt werden. Ein 50-Jähriger muss derzeit im Branchendurchschnitt 140 Euro im Monat bezahlen, wenn er von 65 an bis zu seinem Tod 100 Euro Monatsrente bekommen will und die Verzinsung das aktuell garantierte Niveau von 1,75 Prozent nicht übersteigt. Die Versicherungsbranche geht für diesen Fall von einer Lebenserwartung von 91 Jahren aus. Steigt diese um fünf Jahre auf 96 Jahre, klettert der Beitrag auf 158 Euro.

Jetzt werden viele einwenden, dass eine Lebenserwartung von 91 Jahren viel zu hoch gegriffen sei und damit auch die Beiträge zu üppig ausfiel. Schließlich geht das Statistische Bundesamt für 50-Jährige derzeit von 80 Jahren aus. Die Versicherungen rechnen anders, aber deswegen nicht falsch. Sie nehmen die Daten der Statistikbehörde und modifizieren sie. Sie berücksichtigen, dass die Medizin sich während der jahrzehntelangen Laufzeit des Vertrages weiterentwickelt. Dadurch erhöht sich die Lebenserwartung jedes Jahr um zwei bis drei Monate. Das haben langfristige Beobachtungen seit 1830 ergeben. Der Zuwachs an Lebenserwartung ist demnach über den ganzen Zeitraum ziemlich konstant. Die Versicherer schreiben diesen Zuwachs in die Zukunft fort.

Sie waren dabei in der Vergangenheit noch zu vorsichtig. Zuletzt passten sie daher die Daten vor einigen Jahren mit der Sterbetafel DAV 2004 R an, was damals für einen Aufschrei unter den Kunden sorgte, weil die Lebenserwartung höher ausfiel und die monatlichen Renten damit niedriger. Die DAV 2004 R ist noch heute die Grundlage fast aller Versicherungsverträge.

Ein weiterer Grund, warum die Rentenversicherer eine höhere Lebenserwartung annehmen, ist, dass deren Kunden in der Regel finanziell bessergestellt sind und daher mehr Geld für ein gesünderes Leben ausgeben. Sie werden dadurch auch älter als Gleichaltrige ohne Versicherung. Hinzu kommt, dass Kunden sich in den Monaten vor dem Beginn des Ruhestandes entscheiden können, ob sie ihr angesammeltes Kapital voll ausbezahlt oder tatsächlich in Monatsrenten umgewandelt haben wollen. Erfahrungsgemäß entscheiden sich nur die für eine Monatsrente, die gesund sind und daher ein besonders langes Leben erhoffen. Wer schon krank ist, lässt sich das Geld lieber auszahlen. Auch deswegen leben Rentenversicherte oft länger als der Durchschnitt im gleichen Alter.

Riester ist nicht erste Wahl

Dieser Unterschied in der Lebenserwartung führt regelmäßig zu Diskussionen über die Rentabilität von Rentenversicherungen. Zuletzt wurden Riester-Versicherungen als unrentabel dargestellt. Geht man von den nicht unrealistischen Erwartungen der Versicherungen aus, lohnen sich die Policen zwar in der Tat erst bei einem Tod im Alter von 90 und mehr. Aber was jetzt viel klingt, ist eben in 20 oder 30 Jahren Normalität.

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