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Denkfehler, die uns Geld kosten (37) : Wer weiß schon, was in 50 Jahren ist

Bild: Corbis

Junge Leute befassen sich nur ungern mit der Vorsorge fürs Alter. Deshalb legen viele zu wenig zurück. Und ärgern sich später.

          Es ist paradox: Elf Jahre nach der Rentenreform, die vor allem die private Vorsorge fördern sollte, sparen die Deutschen immer weniger fürs Alter. Zu dieser nicht wirklich beruhigenden Erkenntnis kam unlängst eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Postbank.

          Die Befragten gaben an, im Durchschnitt 185 Euro im Monat fürs Alter zurückzulegen, ein Negativrekord in den Aufzeichnungen des Instituts. Im Jahr 2005 waren es immerhin noch 204 Euro pro Monat gewesen. Die Befragten selbst gaben an, sie sparten vermutlich zu wenig.

          Resignation

          Zumindest einige junge Leute scheinen beim Thema Altersvorsorge schlichtweg resigniert zu haben. Von der regulären Rente erhoffen sich viele ohnehin wenig, die Riester-Rente wird auch immer mehr kritisiert. In der Finanzkrise mussten die Leute zudem erleben, wie übel Aktienkurse einbrechen können und wie unsicher Banken sind.

          Die Frage drängte sich auf: Welche Finanzinstitutionen wird es überhaupt noch in 50 Jahren geben, wenn ich alt bin? Zudem sind seither die Zinsen oft so niedrig, dass die Inflation sie frisst. Ist es da verwunderlich, dass einige sich fragen, ob man überhaupt noch sinnvoll fürs Alter vorsorgen kann?

          Ist heute wirklich wichtiger?

          Verhaltensökonomen haben allerdings herausgefunden, dass es offenbar auch einen im Menschen selbst angelegten Grund dafür gibt, dass junge Leute tendenziell zu wenig fürs Alter sparen. „Zeitinkonsistenz“ ist der Fachbegriff dafür, oder auch „hyperbolisches Diskontieren“.

          Was versteht man darunter? Lange Zeit waren die Ökonomen davon ausgegangen, dass Menschen zwar eine Vorliebe für Konsum heute statt für Konsum morgen haben. Dass also jemand lieber heute ein Auto kauft als morgen, und dass man ihn dafür entschädigen muss, wenn er diesen Konsum aufschiebt - mit einem Zins. Ökonomen waren stets davon ausgegangen, dass Menschen sich rational verhalten und dieser Zinssatz, den jemand dafür verlangt, dass er seinen Konsum in die Zukunft verschiebt, über die Zeit hinweg relativ konstant bleibt.

          Ungeduldige Menschen

          In neueren Untersuchungen haben hingegen Verhaltensökonomen wie Richard Thaler von der University of Chicago gezeigt, dass dies absolut nicht der Fall sein muss. Um die Abhängigkeit der Vorlieben der Menschen von der Zeit zu untersuchen, wurden Probanden in Experimenten gebeten, zu vergleichen, welche Beträge sie zu welchem Zeitpunkt als Geschenk vorziehen würden.

          Ob sie beispielsweise lieber in zwölf Monaten 1000 Euro bekämen - oder in 13 Monaten 1010 Euro. Das wäre ein Zins von einem Prozent für einen Monat. Wer sich für die zweite Möglichkeit entschieden hat, so sollte man meinen, müsste sich nach zwölf Monaten, wenn er dann abermals befragt wird, ob er lieber 1000 Euro sofort oder 1010 Euro in einem Monat will, wiederum für die zweite Lösung entscheiden.

          Das ist aber oft nicht der Fall, wie die Experimente zeigten: Je dichter der Zeitpunkt heranrückte, desto höher musste der Zinssatz ausfallen, für den die Menschen sich noch etwas gedulden wollten. Wenn die Menschen das Geld sofort haben können, ist ihnen das offenbar dann doch viel lieber, als noch einen Monat zu warten.

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