http://www.faz.net/-hbv-6z0d8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 07.04.2012, 19:22 Uhr

Denkfehler, die uns Geld kosten (9) Die Affen sind die besten Anleger

Nicht immer ist der bestinformierte Anleger auch der erfolgreichste. Auch Ahnungslose können gewinnen. Das zeigen Experimente mit Affen.

von Walter Krämer
© Thilo Rothacker

Die Tageszeitung Chicago Sun Times ließ mehrere Jahre lang Anfang Januar einen Affen fünf Aktien zu einem Portfolio zusammenstellen. Der Affe hieß Adam Monk und saß mit einem Bleistift vor dem aufgeschlagenen Wall Street Journal; die Aktien, die er ankreuzte oder umkringelte, wurden gekauft.

Die meisten Jahre hat Adam Monk den Dow Jones Index geschlagen. Damit lag er weit über dem Durchschnitt aller hochbezahlten Wertpapierberater.

Adam Monk hat Kollegen überall in der Welt. In Russland gab es den Schimpansen Lusha, der wählte acht aus 30 als Bauklötze verkleideten Aktien aus; das Portfolio verdreifachte sich im Jahr darauf und katapultierte Lusha in die besten fünf Prozent aller russischen Investmentfonds-Manager. Eine Artgenossin, das Schimpansenmädchen Raven, durfte Pfeile auf eine Liste mit 130 Internetunternehmen werfen; das so ausgewählte Portfolio wuchs im ersten Jahr um 79 Prozent, im zweiten Jahr um 213 Prozent, damit wäre Raven der 22. von mehreren hundert amerikanischen Investmentmanagern des Jahres 2000 gewesen.

Auch andere Tiere machen bei dieser Übung mit. In Südkorea war es kürzlich ein Papagei. In einem sechswöchigen Börsenspiel zusammen mit zehn professionellen Börsenmaklern belegte er Platz 3, er suchte sich seine Aktien mit dem Schnabel aus.

Die Affenexperimente sind ein Grund zur Beruhigung

Trotzdem: Tierische Instinkte - die „animal spirits“ des großen John Maynard Keynes - sind natürlich dem humanen Intellekt nicht überlegen. Was man aus solchen Pressemeldungen in aller Regel nicht erfährt, sind die vielen Affen oder Papageien, die schlechter waren als der Markt. Auch Adam Monk war nicht jedes Jahr besser als der Dow Jones oder der S&P 500, in den Jahren 2005 und 2007 beispielsweise war er schlechter (seine Karriere dauerte von 2003 bis 2010; dann ging er mit dem für Affen biblischen Alter von fast 40 Jahren in den Ruhestand).

Das dennoch für Anleger auf den ersten Blick beunruhigende Fazit solcher Experimente ist: Die Affen sind verglichen mit hochbezahlten Investmentmanagern im Mittel auch nicht schlechter - ob man seine Gelder einem Schimpansen oder einem Harvard-Absolventen zum Verwalten überlässt, ist im Prinzip egal. Der einzige Unterschied: Der Affe ist billiger.

Damit ist die alte These als falsch entlarvt, dass Aktionäre viel Ahnung von Wirtschaft haben und sich in die Unternehmen gut einarbeiten müssen, um die richtigen Aktien zu finden. Es reicht, das Geld richtig auf unterschiedliche Anlagen zu verteilen.

Illustration / icon für Serie / Denkfehler © Alfons Holtgreve Vergrößern

Zu lange zu überlegen, ist für den normalen Kleininvestor Zeitverschwendung. Von den ganz seltenen Fällen abgesehen, in denen er durch Insiderinformationen etwas weiß, was am Markt niemand sonst weiß, kann er genauso gut ins Kino gehen. Und das muss auch in einem effizienten Aktienmarkt so sein. Auf den zweiten Blick sind diese Affenexperimente also eher ein Grund zur Beruhigung.

Effizient heißt ein Kapitalmarkt immer dann, wenn der aktuelle Preis eines risikobehafteten Wertpapiers mit den erwarteten künftigen Erträgen zusammenfällt - und zwar diskontiert, das heißt: unter Berücksichtigung der Zinsen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Aktienrückkäufe Die letzte Hoffnung der Wall Street

Amerikanische Unternehmen wie Apple kaufen massiv eigene Aktien zurück. Die Praxis wird jetzt von prominenten Anlegern in Frage gestellt. Mehr Von Norbert Kuls, New York

28.04.2016, 07:35 Uhr | Finanzen
Video Trübe Aussichten für die Commerzbank

Für das laufende Jahr hat die Commerzbank ein großes Fragezeichen hinter den erhofften Milliardengewinn gesetzt. Auf seiner letzten Hauptversammlung übte der scheidende Vorstand Martin Blessing abermals Kritik an der Geldpolitik der EZB. Mehr

21.04.2016, 09:04 Uhr | Finanzen
Kommentar Unruhige Zeiten für Apple-Fans

Apple ist die beliebteste ausländische Aktie der Deutschen. Doch die Anleger mussten in der vergangenen Woche einiges einstecken. Ein Kommentar. Mehr Von Dyrk Scherff

01.05.2016, 16:58 Uhr | Finanzen
Marktbericht Börsen auf Tauchstation

Der steigende Euro hat die Aktienbörsen am Freitag belastet. Der Dollar-Index fiel auf ein Acht-Monats-Tief. Zu den größten Verlierern im Dax zählte die Deutsche Bank. Mehr

29.04.2016, 17:39 Uhr | Finanzen
Höchstes Niveau Goldpreis steigt auf mehr als 1300 Dollar

Der Goldpreis erreicht sein höchstes Niveau seit Januar vergangenen Jahres – ebenso setzt sich die Hausse der Goldminenaktien weiter fort. Dafür gibt es mehrere Gründe. Mehr Von Gerald Braunberger

02.05.2016, 21:55 Uhr | Finanzen