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Denkfehler, die uns Geld kosten (8) Warum wilde Raser manchmal ängstlich sind

Die größten Hasardeure im Straßenverkehr können die feigsten Anleger sein: Menschen nehmen Risiken unterschiedlich wahr. Ihre Gefühle bestimmen, was sie für riskant halten.

© HAW Hamburg/ Frederik Jurk Vergrößern

Die Zeitschrift „Stern“ führte im Mai 2008 eine Umfrage zur Einschätzung der Sicherheit verschiedener Verkehrsmittel durch. Dabei nannten 42 Prozent der Befragten das Auto als sicherstes Verkehrsmittel, 24 Prozent die Bahn und nur 16 Prozent das Flugzeug.

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Die Unfallstatistiken zeichnen allerdings ein ganz anderes Bild. Je Milliarde gefahrener Personenkilometer verunglücken im Auto durchschnittlich sechs Menschen tödlich, während die Todesrate beim Flugzeug 0,4 und bei der Bahn 0,2 Passagiere beträgt. Ganz eindeutig sind also Verkehrsmittel wie das Auto oder auch das Motorrad riskanter als das Flugzeug.

Wie kann es angehen, dass Menschen ein statistisch objektiv messbares Risiko so verzerrt wahrnehmen?

Wer wagt, gewinnt - oder verliert

Um diesen auch im Bereich der Geldanlage anzutreffenden Widerspruch zwischen tatsächlichem und wahrgenommenem Risiko zu verstehen, müssen wir uns zunächst mit dem Begriff Risiko auseinandersetzen und anschließend mit der Subjektivität der Risikowahrnehmung.

Risiko beschreibt die Unsicherheit über zukünftige Ereignisse. Kauft beispielsweise ein Anleger heute eine Aktie und plant, diese ein Jahr in seinem Depot zu halten, so kann er im günstigen Fall eine hohe Rendite von 20 Prozent oder auch mehr erzielen, im ungünstigen Fall - zum Beispiel in Zeiten einer Kapitalmarktkrise - aber auch einen ebenso hohen oder sogar noch höheren Verlust erleiden.

Je höher das Risiko, desto größer die Chance auf Rendite

Häufig können bei der Kapitalanlage zumindest Wahrscheinlichkeiten benannt werden, mit der bestimmte Verluste oder Gewinne am Ende des Jahres eintreten. Weist eine Kapitalanlage ein geringes Risiko auf, so sind damit zwei Sachverhalte impliziert. Erstens: Zukünftige Verluste fallen im Schnitt gering aus. Zweitens: Die Wahrscheinlichkeit von Verlusteintritten ist ebenfalls gering.

Anleger sollten sich aber auch verdeutlichen, dass Renditechancen umso höher sind, je höher das eingegangene Risiko ist. Ein geringes Risiko impliziert also auch eine geringe Renditechance.

Der Lehman-Effekt

Risiken lassen sich selbst mit Hilfe wissenschaftlicher Modelle nur schwer genau vorhersagen. Mit der Länge des Zeithorizonts nimmt zudem die Genauigkeit der Prognose ab: Eine Prognose für ein Jahr ist folglich deutlich ungenauer als eine Prognose für zwei Wochen. Nicht außer Acht gelassen werden darf auch, dass selbst bei einem Produkt mit einem kleinen Risiko hohe Verluste - wenn auch nur mit geringer Wahrscheinlichkeit - eintreten können. Wenn ein solch gering wahrscheinliches Ereignis, wie es die Lehman-Insolvenz darstellte, auftritt, können die Verluste allerdings sehr groß sein.

Ist nun, um auf das Ausgangsbeispiel zurückzukommen, die Einschätzung vieler Menschen falsch, das Auto als sicherstes Verkehrsmittel anzusehen, obwohl die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Unglücks dort am höchsten ist? Betrachtet man die verkehrsstatistischen Daten, so lautet die Antwort „Ja“.

Jeder gewichtet Risiken anders

Die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Unfalls ist beim Flugzeug geringer, die Schadenshöhe - hier konkret der Tod - ist bei beiden gleich. Folglich ist das Flugzeug im Durchschnitt eindeutig sicherer. Aber natürlich sollte man genauer differenzieren, denn es gibt sicherere und weniger sichere Autos und Flugzeuge.

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