Der Mensch ist ein emotionales Wesen. Dass die Sehnsucht der Anleger nach Sicherheit derzeit besonders stark ausgeprägt ist, ist angesichts der Turbulenzen in der Eurozone verständlich. Bloß keinen Kapitalverlust erleiden, lautet die Devise. Auf der Suche nach einem „sicheren Hafen“ flüchten die Investoren in Sparbriefe, Geldmarktfonds oder Anleihen. Doch nicht jedem von ihnen dürfte überhaupt bewusst sein, welchen Risiken er sich und seinem Vermögen damit aussetzt.
Geldanlagen mit festen Zinszahlungen reduzieren zwar die Schwankungsintensität (Volatilität) eines Portfolios. Solche Papiere sind deswegen aber noch lange nicht sicher. Dies gilt auch für eine der liebsten Geldanlagen der Deutschen, das Sparbuch. Kaum jemand macht sich Sorgen um sein dort geparktes Geld. Schließlich garantiert die gesetzliche Einlagensicherung die Rückzahlung, auch wenn die Bank irgendwann insolvent werden sollte. Aber es gibt derzeit ja noch weitere Risiken: So ist zum Beispiel ein Auseinanderbrechen der Eurozone kein völlig abwegiges Hirngespinst. Im Fall einer Währungsreform mit der Rückkehr zu nationalen Währungen würden Sparguthaben vermutlich vom Staat kurzerhand eingefroren und zu einem ungünstigen Umtauschverhältnis auf eine neue Währung umgestellt werden.
Wert der Kapitalanlage erhalten
Doch selbst wenn der Kollaps des Euro vermieden wird, besteht für Sparer, die stark auf Zinstitel setzen, die Gefahr, ein wichtiges Ziel der Geldanlage zu verfehlen: den Erhalt des Wertes ihrer Kapitalanlage, wenn man die Geldentwertung berücksichtigt.
Denn die Preise könnten angesichts der aktuellen Geldschwemme der Notenbanken in Zukunft stärker als bisher steigen und den Zinsanlagen inflationsbedingte Kaufkraftverluste bescheren. Die aktuellen Nominalrenditen entschädigen nicht einmal annähernd für dieses Risiko. Staatsanleihen, von denen Investoren eine risikolose Rendite erwarten, sind zu Wertpapieren mutiert, mit denen man sich ein renditeloses Risiko auflädt.
Die inflationäre Saat ist gelegt
Die reale Entwertung des Sparvermögens ist alles andere als ein abstraktes Risiko. In den vergangenen drei Jahren haben die Notenbanken ihre Bilanzen massiv aufgebläht und damit den Nährboden für einen kräftigen Inflationsschub bereitet, mit dem die Staaten ihre außer Kontrolle geratenen Schuldenberge abzutragen hoffen. Die inflationäre Saat ist also gelegt.
In den offiziellen Preisstatistiken ist davon bislang noch nicht viel zu spüren. Angesichts der noch trüben Konjunkturaussichten ist dies aber auch kein Wunder. Es wäre jedoch riskant, sich davon täuschen zu lassen. Die relativ geräuschlose reale Entwertung der Sparvermögen ist nämlich bereits in vollem Gange. Da die Inflationsrate höher ist als die Rendite der Zinstitel ist die reale Rendite solcher Anlagen in den wichtigsten westlichen Volkswirtschaften negativ.
Große Verlustrisiken bei schwankungsarmen Investments
Auch in Deutschland ist dies der Fall, das heißt inflationsbereinigt büßen die Anleger mit Sparguthaben oder dem Kauf von Bundeswertpapieren einen Teil ihres investierten Kapitals ein. Über einige Jahre hinweg kann es den Staaten auf diese Weise schon mit relativ unspektakulären Inflationsraten gelingen, ihre Schuldenquote zu reduzieren, ohne allzu unbequeme Einschnitte in den Wohlfahrtsstaat vornehmen zu müssen.
Der gutgläubige, zinsfokussierte Sparer, Festgeldanleger und Rentner wird der größte Verlierer davon sein; er wird im wahrsten Sinne des Wortes um seine Lebensleistung gebracht. Es ist also ein teurer Denkfehler, das Risiko einer Geldanlage nur in ihrer Volatilität zu sehen: Ein schwankungsarmes Investment kann enorme Verlustrisiken beinhalten.
Schwankung von Aktienkursen aushalten
Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Gegen die schleichende Entwertung der Ersparnisse kann man sich schützen. Wer die Kaufkraft seines Kapitals erhalten möchte, muss dafür aber bewusst ins Risiko gehen und zum Beispiel Aktien guter Unternehmen kaufen. Er muss also die bei Aktien üblichen Schwankungen in Kauf nehmen, was vielen Deutschen mit ihrer Angst vor Volatilität ein radikales Umdenken abverlangt. Wer dagegen auf verzinsliche Anlagen setzt, sucht ausgerechnet dort nach Sicherheit, wo die größten Risiken für die Kaufkraft seines Vermögens lauern.
Ohne eine ausgeprägte Sachwertorientierung der Geldanlagen und die bewusste Inkaufnahme von Kursrisiken wird der reale Kapitalerhalt also nicht zu schaffen sein. An der Beteiligung am unternehmerischen Produktivvermögen einer Volkswirtschaft vor allem über Aktien führt daher kein Weg vorbei. Viele Anleger lassen sich zwar davon abschrecken, dass die Aktienkurse von Unternehmen täglichen Schwankungen unterliegen. Aber was ist daran eigentlich so schlimm? Sollten wir nicht froh darüber sein, wenn mit der Börse ein Barometer zur Verfügung steht, das uns sehr zeitnah den Marktwert eines Investments anzeigt?
Illiquide Vermögenswerte bergen herbe Verlustrisiken
Die Tatsache, dass für bestimmte Vermögenswerte wie etwa Immobilien keine täglichen Kurse festgestellt werden, bedeutet noch lange nicht, dass solche Anlagen nicht auch im Wert schwanken. Im Gegenteil! Vermögenswerte, für die keine liquiden Märkte existieren, können herbe Verlustrisiken beinhalten. Wer etwa als Kapitalanlage ein Einfamilienhaus in Wolfsburg gekauft hat, wird sehr schnell merken, wenn das operative Geschäft des wichtigsten Arbeitgebers Volkswagen ins Stottern gerät.
Natürlich kann es auch an den Aktienmärkten zu heftigen Kurskorrekturen kommen. Wer seinen Fokus jedoch auf stabile Qualitätsunternehmen legt, kann das Risiko von Kursverlusten deutlich begrenzen. Das sind Firmen mit nachhaltigem Geschäftsmodell, solider Bilanz und hoher Preissetzungsmacht. Erstklassige Unternehmen wie Nestlé oder Coca-Cola profitieren erfahrungsgemäß wegen ihrer Marktstellung von Inflation, weil sie höhere Preise durchsetzen können.
Solche Firmen leiden zudem kaum unter einer Konjunkturabkühlung, weil sie Produkte des täglichen Bedarfs herstellen, die auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten benötigt werden. Es spricht also viel dafür, dass Beteiligungen an guten Unternehmen auf längere Sicht zu den attraktivsten Investments gehören werden. „Sicherer“ als die vermeintlich sicheren Zinspapiere sind sie allemal.
Der Autor ist Analyst der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch.
Der Fehler: In turbulenten Zeiten flüchten die Sparer in Anleihen und andere vermeintlich sichere Zinspapiere, weil sie Kursschwankungen (Volatilität) mental nicht aushalten.
Die Gefahr: Die Rückzahlung der Anleihen ist nicht sicher. Und die Inflation nagt an der Rendite.
Die Abhilfe: Wer die Kaufkraft seines Kapitals erhalten möchte, muss bewusst riskante Sachwerte wie Aktien kaufen und dabei Kursschwankungen in Kauf nehmen.
Das offensichtlichste Risiko wird leider nicht genannt ...
Edgar Timm (duet)
- 13.03.2012, 13:55 Uhr
Auf dem Kapitalmarkt kann man auf versciedene Weise Verluste begrenzen
Hermann Rampf (George60)
- 13.03.2012, 13:45 Uhr
Die Schlacht wird nicht alleine durch der Wahl des Instrumentes gewonnen
Peter Hoch (luxor)
- 12.03.2012, 22:59 Uhr
renditen = Diebstahl?
frank frei (EuroTanic)
- 12.03.2012, 15:39 Uhr