Home
http://www.faz.net/-hbv-758xg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Denkfehler, die uns Geld kosten (45) Weniger schenken ist mehr

Weihnachten wollen wir uns eine Freude machen: Das aber gelingt nicht immer. Verhaltensökonomen wissen Rat.

© Getty Images/Imagezoo Vergrößern

Ach, die Geschenke. Jedes Jahr aufs Neue sorgen sich die Deutschen, ob ihre liebevoll ausgewählten Präsente den Beschenkten auch gefallen. Die Elektromarkt-Kette Media Markt hat die Sorge im vergangenen Jahr gleich für ihre Werbung genutzt und den Slogan erfunden: „Weihnachten wird unterm Baum entschieden.“ Das mag übertrieben sein, sicher ist jedoch eines: Ein wenig Enttäuschung kann am Weihnachtsbaum schon entstehen.

Patrick Bernau Folgen:        

Das wäre nicht mal ungewöhnlich. Schließlich ist unter Ökonomen schon seit Jahren bekannt, dass Weihnachten zu einer der größten Geldverschwendungen des Jahres veranlasst. Schon im Jahr 1993 verglich der amerikanische Ökonom Joel Waldfogel den Ladenpreis der Weihnachtsgeschenke mit dem Wert, den die Beschenkten ihren Gaben beimaßen. Und stellte fest, dass der Preis deutlich höher ist als der Wert - obwohl beim Schenken die Freude über die nette Geste den Wert ja noch erhöht. Doch das alles kann das alte Problem aller Präsente nicht ausgleichen: Die meisten Schenker wissen einfach nicht, was die Beschenkten tatsächlich haben wollen.

Weihnachtsgeschenke: Preis 440 Dollar, Wert: 313 Dollar

Waldfogels Studenten hatten damals Weihnachtsgeschenke für rund 440 Dollar pro Person bekommen - tatsächlich wären ihnen die Sachen aber nur 313 Dollar wert gewesen. Rund ein Viertel des Geldes wird also vergebens ausgegeben. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch Umfragen in Deutschland, zum Beispiel an der Universität Bochum. Selbst wenn die Leute nur ihre drei einprägsamsten Geschenke betrachteten, blieb ein durchschnittlicher Verlust von mehr als zehn Prozent.

Besser werden die Geschenke vor allem in drei Fällen, die jeder kennt und meistens als besonders persönliche Geschenke lobt.

Drei Arten von guten Geschenken

Erstens: Wenn viel Zeit in einem Geschenk steckt, wenn man also zum Beispiel Selbstgebasteltes verschenkt, dann wächst die Freude über die Geste enorm.

Zweitens: Wenn der Geber die Wünsche des Beschenkten sehr genau trifft, ist die Freude ebenfalls groß.

Oder drittens: Wenn der Empfänger einen Wunsch erfüllt bekommt, der ihm selbst bislang noch gar nicht bewusst war. Dazu muss meistens der Geber besonders viel wissen. Wenn zum Beispiel ein Literaturkenner einem guten Freund ein Buch aussucht, auf das der selbst nie gekommen wäre. Oder ein Musikkenner eine CD.

Leicht ist das Schenken nicht

Trotzdem zeigt dies alles schon: Leicht ist das Schenken nicht. Menschen sind ziemlich anspruchsvoll, wenn sie ein Geschenk bekommen. Knallhart bewerten sie, ob ihnen das Geschenk gefällt (und lassen sich, wenn es ihnen nicht gefällt, allenfalls von der Geste freundlich stimmen). Und wenn das Geschenk nicht ganz den Geschmack trifft, ist die Freude schon wieder kleiner. Das alte Sprichwort „Einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul“ ist vielleicht nur deshalb entstanden, weil es nötig war, damit es sich enttäuschte Beschenkte selbst vorbeten können. Denn die Enttäuschung kommt schnell. Und manchmal ziemlich unerwartet.

Wer würde zum Beispiel damit rechnen, dass ein zusätzliches Geschenk die Freude verringern kann? Tatsächlich ist das gar nicht so unwahrscheinlich.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vermarktung des Royal Babys Der ganze königliche Zirkus

Mit hundert Salutschüssen wird am Nachmittag in London das neue Royal Baby begrüßt. Nur ein kleiner Teil der großen Show um den Zuwachs im Königshaus: Schon die Geburt der kleinen Prinzessin von Cambridge folgte einer perfekten Dramaturgie. Mehr Von Jochen Buchsteiner. London

04.05.2015, 10:54 Uhr | Gesellschaft
Paketdienste im Test Ein Sturz aus zwei Meter Höhe

Rund drei Mal so viele Pakete wie sonst sind vor Weihnachten unterwegs. Doch nicht immer kommt die Ware unbeschädigt beim Empfänger an. Wie sicher sind Pakete? Ein Test zeigt, wie mit der Ware umgegangen wird. Mehr

08.12.2014, 15:41 Uhr | Wirtschaft
Neue Forschung Rubbel das Smartphone am Ohr frei!

Der Finger ist nicht mehr genug: Forscher von Yahoo haben eine Methode entwickelt, um ein Android-Smartphone auch mit dem Ohr oder der Faust zu entsperren. Aber wozu eigentlich? Mehr

29.04.2015, 11:50 Uhr | Technik-Motor
Deutschland lernt sparen 2013 So bringt Ihr Geld mehr Zinsen

Die Deutschen verschenken vier Prozent Zins im Jahr, weil sie ihr Geld falsch anlegen. Aber es geht auch besser. Unser Videokurs erklärt, wie. Mehr Von Andreas Hackethal und Holger Detmering

21.11.2014, 12:41 Uhr | Finanzen
Boni für alle Mitarbeiter machen Kasse

Wenn die Geschäfte gut laufen, erhalten nicht nur Chefs üppige Boni. In vielen Firmen freut sich im Frühling auch das Personal über Sonderprämien. In einigen Branchen wird besonders viel gezahlt. Mehr Von Susanne Preuß

06.05.2015, 06:00 Uhr | Beruf-Chance
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 22.12.2012, 14:10 Uhr

Geld & Leben

"Meine Finanzen" hat die richtigen Tipps für jede Lebenslage. Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Twitters Absturz

Von Christian Siedenbiedel

Wenige Wetten an der Börse sind so spannend wie die über IT-Firmen. Die Aktienkurse von Google und Facebook zeigen, für wie bedeutsam die Anleger sie halten. Wie aber steht es mit Twitter? Mehr 3 10