http://www.faz.net/-hbv-758xg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 22.12.2012, 14:10 Uhr

Denkfehler, die uns Geld kosten (45) Weniger schenken ist mehr

Weihnachten wollen wir uns eine Freude machen: Das aber gelingt nicht immer. Verhaltensökonomen wissen Rat.

von
© Getty Images/Imagezoo

Ach, die Geschenke. Jedes Jahr aufs Neue sorgen sich die Deutschen, ob ihre liebevoll ausgewählten Präsente den Beschenkten auch gefallen. Die Elektromarkt-Kette Media Markt hat die Sorge im vergangenen Jahr gleich für ihre Werbung genutzt und den Slogan erfunden: „Weihnachten wird unterm Baum entschieden.“ Das mag übertrieben sein, sicher ist jedoch eines: Ein wenig Enttäuschung kann am Weihnachtsbaum schon entstehen.

Patrick Bernau Folgen:

Das wäre nicht mal ungewöhnlich. Schließlich ist unter Ökonomen schon seit Jahren bekannt, dass Weihnachten zu einer der größten Geldverschwendungen des Jahres veranlasst. Schon im Jahr 1993 verglich der amerikanische Ökonom Joel Waldfogel den Ladenpreis der Weihnachtsgeschenke mit dem Wert, den die Beschenkten ihren Gaben beimaßen. Und stellte fest, dass der Preis deutlich höher ist als der Wert - obwohl beim Schenken die Freude über die nette Geste den Wert ja noch erhöht. Doch das alles kann das alte Problem aller Präsente nicht ausgleichen: Die meisten Schenker wissen einfach nicht, was die Beschenkten tatsächlich haben wollen.

Weihnachtsgeschenke: Preis 440 Dollar, Wert: 313 Dollar

Waldfogels Studenten hatten damals Weihnachtsgeschenke für rund 440 Dollar pro Person bekommen - tatsächlich wären ihnen die Sachen aber nur 313 Dollar wert gewesen. Rund ein Viertel des Geldes wird also vergebens ausgegeben. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch Umfragen in Deutschland, zum Beispiel an der Universität Bochum. Selbst wenn die Leute nur ihre drei einprägsamsten Geschenke betrachteten, blieb ein durchschnittlicher Verlust von mehr als zehn Prozent.

Besser werden die Geschenke vor allem in drei Fällen, die jeder kennt und meistens als besonders persönliche Geschenke lobt.

Drei Arten von guten Geschenken

Erstens: Wenn viel Zeit in einem Geschenk steckt, wenn man also zum Beispiel Selbstgebasteltes verschenkt, dann wächst die Freude über die Geste enorm.

Zweitens: Wenn der Geber die Wünsche des Beschenkten sehr genau trifft, ist die Freude ebenfalls groß.

Oder drittens: Wenn der Empfänger einen Wunsch erfüllt bekommt, der ihm selbst bislang noch gar nicht bewusst war. Dazu muss meistens der Geber besonders viel wissen. Wenn zum Beispiel ein Literaturkenner einem guten Freund ein Buch aussucht, auf das der selbst nie gekommen wäre. Oder ein Musikkenner eine CD.

Leicht ist das Schenken nicht

Trotzdem zeigt dies alles schon: Leicht ist das Schenken nicht. Menschen sind ziemlich anspruchsvoll, wenn sie ein Geschenk bekommen. Knallhart bewerten sie, ob ihnen das Geschenk gefällt (und lassen sich, wenn es ihnen nicht gefällt, allenfalls von der Geste freundlich stimmen). Und wenn das Geschenk nicht ganz den Geschmack trifft, ist die Freude schon wieder kleiner. Das alte Sprichwort „Einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul“ ist vielleicht nur deshalb entstanden, weil es nötig war, damit es sich enttäuschte Beschenkte selbst vorbeten können. Denn die Enttäuschung kommt schnell. Und manchmal ziemlich unerwartet.

Wer würde zum Beispiel damit rechnen, dass ein zusätzliches Geschenk die Freude verringern kann? Tatsächlich ist das gar nicht so unwahrscheinlich.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vor der Quartalsbilanz Apple droht mit mieser Stimmung

Apples Aussichten sind nicht rosig. Heute Abend meldet der Konzern wahrscheinlich, dass er weniger iPhones verkauft. Das ist schlecht für den Konzern – aber nicht unbedingt für die Aktionäre. Mehr Von Patrick Bernau

26.07.2016, 15:03 Uhr | Finanzen
Nach dem Brexit Finanzplatz Frankfurt wittert die große Chance

Noch 2015 war die City of London laut des Statistischen Bundesamts der bedeutendste Finanzplatz der Welt. Vor New York, Hongkong, Singapur. Das deutsche Finanzzentrum Frankfurt dagegen liegt auf Platz 14. Zweitklassig, ein bisschen provinziell wirkt Frankfurt am Main gegenüber den gigantischen Finanzmetropolen der Welt. Doch mit dem Brexit könnte sich das ändern. Mehr

06.07.2016, 17:07 Uhr | Finanzen
Krisenzeiten Goldrausch in Südafrika

Eine untergehende Industrie bekommt Auftrieb: Der hohe Goldpreis und die schwache Währung sorgen für hohe Gewinne. Stabil ist dieser Kurs jedoch nicht. Mehr Von Claudia Bröll, Kapstadt

27.07.2016, 07:38 Uhr | Finanzen
Rohstoffhandel Platinpreis auf 14-Monats-Hoch

Seit Jahresanfang ist der Platinpreis um 29 Prozent gestiegen. Das Edelmetall stellt damit sogar Gold in den Schatten. Was sind die Gründe für die positive Preisentwicklung? Mehr Von Kerstin Papon

28.07.2016, 20:34 Uhr | Finanzen
Marktbericht Dax macht Brexit-Verluste wett

Der Dax ist am Mittwoch mit einem Plus aus dem Handel gegangen. Hoffnungen auf Konjunkturhilfen in Japan stimmten Anleger positiv. Zu den Top-Werten im Dax zählten die Volkswagen-Vorzugsaktien mit einem Aufschlag von 2,4 Prozent. Mehr

27.07.2016, 18:24 Uhr | Finanzen
Geld & Leben

"Meine Finanzen" hat die richtigen Tipps für jede Lebenslage. Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Zinsen
Name Kurs %
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --
Gold -- --