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Denkfehler, die uns Geld kosten (44) Vergiss die Geldentwertung nicht!

Viele Leute rechnen sich die Renditen der Geldanlage schön. Weil sie vergessen, dass die Inflation höher ist als der nominale Zins.

© Bengt Fosshag Vergrößern

Tief in der Seele haben wir den Wunsch, dass unser Geld seinen Wert dauerhaft behält - doch die Realität zeigt, dass es nicht so ist. Die Bilder der Geldscheine aus der großen Inflationszeit haben sich tief ins Bewusstsein der Deutschen eingegraben. Seither wird uns übertriebene Angst vor Inflation nachgesagt. Wahrscheinlicher aber ist, dass viele die Gefahr einer großen Inflation zwar überschätzen, die zerstörende Kraft einer schleichenden Inflation über viele Jahre jedoch unterschätzen.

Wer nach 1950 geboren wurde, hat eine ruhige Zeit erlebt, aber allem Gerede vom stabilen Geld zum Trotz: Es gab kaum ein Jahr ohne Inflation. Das letzte liegt mehr als 25 Jahre zurück. Es war 1986, Helmut Kohl war noch ein junger Bundeskanzler und in der DDR regierte Erich Honecker.

Pekuniäre Illusionen

Dummerweise kommt unser Gehirn mit der schleichenden Inflation nicht besonders gut zurecht. Obwohl wir es eigentlich besser wissen sollten, orientieren wir uns meist an nominalen Größen. Im Schnitt betrug die Inflationsrate seit 1950 knapp 2,5 Prozent im Jahr. Klingt nicht besorgniserregend, aber genaueres Hinsehen lohnt. Das bedeutet, dass Bargeld in diesem Zeitraum mehr als 78 Prozent seiner Kaufkraft verloren hat.

Wissenschaftler bezeichnen unsere beschränkte Fähigkeit, die Inflation wahrzunehmen, mit dem Begriff „Geldillusion“. Sie haben sich über die Frage, wie bedeutend das Phänomen ist, zeitweise sogar ziemlich zerstritten. Der britische Ökonom John Maynard Keynes glaubte fest daran, dass sich Arbeitnehmer weniger gegen Reallohnsenkungen wehren, wenn ihre nominalen Löhne noch steigen. Denn dann bleibe das Gefühl, man habe mehr, wenngleich man real weniger hat.

Andere waren da skeptischer: Der amerikanische Ökonom Milton Friedman sah in der Geldillusion allenfalls einen vorübergehenden Denkfehler. Am radikalsten argumentierten die Anhänger der „Theorie der rationalen Erwartungen“ um den Nobelpreisträger Robert Lucas: Sie hielten die These schlicht für Humbug, schließlich sei der Mensch ein kluges Wesen.

Akademische Debatten

Dass daraus eine Glaubensfrage wurde, hatte auch damit zu tun, dass Anhänger der Geldillusionsthese zweifelhafte wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen daraus zogen. So kamen sie auf die Idee, man könne die Arbeitslosigkeit durch eine mit der Notenpresse absichtlich herbeigeführte „Überraschungsinflation“ beseitigen. Das hat sich nicht bewährt.

Mittlerweile haben sich auch in der akademischen Welt die Wogen etwas geglättet, und jüngere Ökonomen gehen weniger dogmatisch an die Sache heran. Sie wollen einfach wissen, was nun eigentlich stimmt, ohne daran gleich Politikentwürfe zu koppeln. Und neuere Studien deuten darauf hin, dass auch kluge Menschen vor dem Denkfehler nicht immer gefeit sind. Verhaltensökonomen haben mit ungewöhnlichen Experimenten untersucht, ob das menschliche Gehirn für Geldillusion tatsächlich anfällig ist. Der Bonner Ökonom Armin Falk hat dafür 24 Freiwillige in einen Magnetresonanztomographen gelegt. Damit können Forscher ins Innere des Gehirns blicken und beobachten, wo im Hirn Sauerstoff verbraucht, Glucose verbrannt und Botenstoffe ausgeschüttet werden.

Dabei zeigte sich: Wer im Experiment nominal besonders viel verdienen konnte, dessen Belohnungszentrum im Gehirn war besser durchblutet als bei Probanden, deren Verdienst nominal zwar niedriger, real aber gleich hoch war.

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