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Denkfehler, die uns Geld kosten (43) : Erfolg macht leichtsinnig

  • -Aktualisiert am

Bild: Corbis

Wenn Menschen glauben, durch ihr eigenes Handeln alles kontrollieren zu können, geht es meistens schief - im Sport wie an der Börse.

          Wie trügerisch und fatal das Gefühl, die Situation „im Griff zu haben“, sein kann, hat das spektakuläre vier zu vier der deutschen Fußballnationalmannschaft im Qualifikationsspiel gegen Schweden am 16. Oktober dem Publikum auf nachdrückliche Weise vor Augen geführt.

          Gab es bis zur 56. Minute nicht den mindesten Zweifel an einem deklassierenden Kantersieg der DFB-Auswahl, nahm mit Beginn des letzten Spieldrittels, ausgelöst durch den Zufall eines nicht geahndeten Fouls und eines dadurch ermöglichten schwedischen Überraschungsangriffs, ein bis dahin unvorstellbares Debakel seinen Lauf. Ein atemberaubend schnelles, intelligentes, überlegenes Spiel auf technisch höchstem Niveau gegen einen „hoffnungslos unterlegenen Gegner“ brach von einem Augenblick auf den anderen in sich zusammen; ein scheinbar uneinholbarer Vier-Tore-Vorsprung wurde durch eine Kette desaströser Fehler und „kollektive Lähmung“ aus der Hand gegeben.

          Statt weiterer Tore nur mehr Pfosten- und Fehlschüsse auf deutscher, dagegen vier Treffer aus vier Schussversuchen auf schwedischer Seite. Die scheinbar sichere Kontrolle des Spiels entpuppte sich als Illusion.

          Positive Illusionen motivieren uns

          Nun sind „Kontrollillusionen“, so der wissenschaftliche Begriff für dieses Reaktionsmuster, keineswegs auf das Feld des Sports beschränkt, sondern in nahezu allen Lebensbereichen und somit auch bei der Kapitalanlage zu beobachten. Kontrollillusion bezeichnet ganz allgemein die Überzeugung oder Vorstellung, objektiv nicht beeinflussbare Vorgänge kontrollieren zu können. Das Phänomen wurde systematisch erstmals von Ellen Langer, Professorin für Psychologie an der Harvard University, in den 1970er Jahren untersucht und besonders anschaulich am Beispiel des Glücksspiels aufgezeigt: Für das Ereignis, dass eine bestimmte Zahlenkombination im Lotto gewinnt, existiert eine objektive Wahrscheinlichkeit. Trotzdem glauben manche Menschen ihre Gewinnchancen erhöhen zu können, indem sie sich besonders viel Mühe bei der Auswahl der Lotto-zahlen geben.

          Langer stellte fest, dass die Illusion der Kontrolle umso stärker ausgeprägt war, je umfangreicher die Versuchsteilnehmer scheinbar selbst in das Handeln eingreifen konnten, indem sie beispielsweise Alternativen auswählten und eigene Entscheidungen trafen.

          Auf die Frage, worauf diese systematische Verzerrung unserer Wahrnehmung beruht, respektive welche Funktion dieses scheinbar allen Menschen gemeinsame Denk- und Reaktionsmuster erfüllt, gibt die Psychologie mehrere Antworten. Shelley Taylor und Jonathon Brown (1988) führen den Motivations- und Ausdauereffekt positiver Illusionen ins Feld.

          Die Kontroll-Illusion gibt uns Sicherheit

          In der „Theorie des geplanten Verhaltens“ des Psychologen Icek Ajzen (1985) ist eine positive Kontrollüberzeugung bezüglich des eigenen Handelns sogar zwangsläufig erforderlich, damit Handlungen überhaupt begonnen werden. Einen ähnlichen Erklärungsansatz verfolgen vorrangig evolutionsgeschichtlich argumentierende Wissenschaftler. Diese stellen ab auf die Freisetzung von Handlungsenergien durch die positive Einschätzung der eigenen Selbstwirksamkeit - also der Überzeugung, seine Umwelt im eigenen Sinne kontrollieren zu können. Die Unterschätzung der eigenen Möglichkeiten zur Einflussnahme birgt hingegen die Gefahr des Fatalismus. Als weiterer Erklärungsgrund wird das Sicherheits- und Orientierungsbedürfnis der Menschen in einer grundsätzlich unsicheren Umgebung angeführt. Die Überschätzung der eigenen Selbstwirksamkeit erwächst demnach aus dem Bedürfnis, ein Stück Kontrolle über bedeutsame, aber schwer oder nicht beherrschbare Entwicklungen zu erlangen. In diesem Sinne dient sie der Überwindung von Angst und der „Selbstberuhigung“.

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