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Denkfehler, die uns Geld kosten (4) Die Konten in meinem Kopf

Menschen teilen ihr Anlagegeld in unterschiedliche mentale Budgets auf. Das erleichtert die Ordnung, verhindert aber den Blick aufs Ganze.

© Getty Images/Stock Illustration Vergrößern

Schnaps ist Schnaps und Bier ist Bier, sagte mir mein Vater einmal. Ich verstand damals nicht, was er mir damit sagen wollte. Im Prinzip sagte er aber: Das Leben ist kompliziert. Und es hilft, um den Überblick zu behalten, gewisse Dinge klar voneinander zu trennen. Nun lebe ich ein wohl noch komplizierteres Leben als mein Vater, meide möglichst Schnaps und Bier und mache dennoch gewisse Unterschiede.

Illustration / icon für Serie / Denkfehler

Ich habe mir drei Erfolgsfelder definiert: Meine Familie, meinen Beruf und mein Hobby - und versuche diese getrennt zu halten. Also habe ich weder meine Sekretärin geheiratet noch meine Frau als solche eingestellt. Deshalb gibt es selten Tage, an denen ich mit beiden gleichzeitig Stress habe. Zudem habe ich mein Hobby nicht zu meinem Beruf gemacht - was wohl dazu geführt hat, dass ich auch im mittleren Alter noch gut leben kann. Mein Hobby war Fußballspielen, was mir immer noch großen Spaß macht, aber bei meinen mäßigen Fähigkeiten nicht zum Lebensunterhalt gereicht hätte.

Das Lotteriespiel

Bob Thaler, Professor der renommierten Universität von Chicago entdeckte unlängst, dass Menschen auch bei finanziellen Entscheidungen klar abgegrenzte Erfolgsfelder benutzen, dort Mental-Konten genannt, um in der komplexen Finanzwelt den Überblick nicht zu verlieren. Scheint doch eigentlich vernünftig - oder?

Leider nicht, wie das folgende Beispiel zeigt. Sie können aus zwei Lotteriepaaren, den Gewinnlotterien A und B und den Verlustlotterien C und D, je eine auswählen. Wobei ihre Endauszahlung sich aus der Kombination der beiden von ihnen gewählten Lotterien ergibt:

Lotterie A: Sie bekommen mit Sicherheit 2400 Euro.

Lotterie B: Sie haben eine 25-prozentige Chance, 10.000 Euro zu gewinnen. In den anderen 75 Prozent der Fälle gewinnen (und verlieren) Sie nichts.

Lotterie C: Sie verlieren mit Sicherheit 7500 Euro.

Lotterie D: Sie haben eine 75-prozentige Chance, 10.000 Euro zu verlieren. In den anderen 25 Prozent der Fälle gewinnen (und verlieren) Sie nichts.

Der große Erwartungsirrtum

Nehmen wir an, Sie hätten die bei diesem Beispiel typische Wahl getroffen. Dann haben Sie bei der Auswahl der beiden Gewinnlotterien die Lotterie A der Lotterie B vorgezogen. Lotterie B hat einen nur geringfügig höheren Erwartungswert (2500 Euro) als die sichere Auszahlung von Lotterie A, sodass man wegen der 100 Euro extra nicht riskieren will, keinen Gewinn zu erhalten. Zudem haben Sie dann die Lotterie D der Lotterie C vorgezogen, weil Sie nicht gerne mit Sicherheit verlieren, sondern dann lieber noch die Chance haben, aus den beiden Verlustlotterien ganz ohne Verlust herauszukommen.

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Scheint doch eigentlich klar - oder? Leider nicht, denn hätten Sie sich genau andersherum entschieden, hätten Sie in jedem Fall 100 Euro mehr erhalten! Die Kombination der Lotterien A und D führt dazu, dass Sie mit 75 Prozent Chance 7600 Euro verlieren und mit 25 Prozent Chance 2400 Euro gewinnen. Während die Kombination der Lotterien B und C dazu führt, dass Sie mit 75 Prozent Chance 7500 Euro verlieren und mit 25 Prozent Chance 2500 Euro gewinnen.

Zu einfach

Wie konnte Ihnen dieser Fehler unterlaufen? Sie haben wahrscheinlich trotz der unmissverständlichen Beschreibung vergessen, alle möglichen Kombinationen durchzurechnen (es gibt 4 mögliche Kombinationen), und der Einfachheit halber die Lotteriepaare voneinander getrennt betrachtet. In den Worten von Bob Thaler haben sie ein mentales Konto für die Gewinnlotterien und eines für die Verlustlotterien benutzt und dann die Wechselwirkungen außer Acht gelassen.

Stellt sich die Frage, ob dieser Fall bei unseren Anlageentscheidungen häufig auftritt. Leider ist dem so. Der mentale Unterschied zwischen Gewinnen und Verlusten bestimmt sogar die meisten Anlageentscheidungen. Ein Verlust von 1000 Euro wiegt typischerweise doppelt so schwer wie ein Gewinn von 1000 Euro. Deshalb scheuen wir vor an sich sehr attraktiven Investitionen zurück.

Schmerzhafte Realität

Ein anderer feiner Unterschied, den wir bei Anlageentscheidungen lieber nicht machen sollten, betrifft eine Unterscheidung zwischen zwei Typen von Verlusten. Realisierte Verluste schmerzen uns mehr als sogenannten Papierverluste, heute sollte man wohl besser sagen: elektronische Verluste.

Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Aktie zu 100 Euro gekauft und nun ist der Kurs nur noch 80 Euro. In diesem Fall halten die meisten Anleger die Aktien weiterhin - mit dem Argument, dass der Verlust von 20 Euro ja noch nicht realisiert ist. Es besteht die Hoffnung, dass sich der Kurs erholt. Falls der Kurs allerdings auf 120 Euro gestiegen wäre, so sind die meisten Anleger sehr geneigt, die Gewinne zu realisieren.

Lieber eine Münze werfen

Leider zeigt sich, dass dieses asymmetrische Verhalten gegenüber Gewinnen und Verlusten auf Anlagen nicht sehr ertragreich ist. Es wäre besser gewesen, jeweils eine Münze zu werfen, anhand der man entscheidet, ob man eine Aktie verkauft oder investiert bleibt. Die Intuition hierfür ist klar. Ob Sie mit einer Aktie gewonnen oder verloren haben, ist für den zukünftigen Verlauf der Aktie völlig irrelevant.

Bei wirklich komplizierten Dingen wie Fußballspielen, Heiraten oder der Wahl der Sekretärin ist es also ratsam, an gewissen Unterschieden festzuhalten, während Anlageentscheidungen doch relativ gut quantifizierbar sind - wenn auch meist nur mit Wahrscheinlichkeiten -, so dass man hier ohne mentale Konten bessere Entscheidungen trifft.

Mentale Konten

Die Falle: Wir betrachten Geldanlagen einzeln, obwohl wir das ganze Depot auf einmal anschauen sollten.

Die Gefahr: Wir lassen uns von kurzfristigen Verlusten einzelner Aktien zu sehr beeinflussen und haben zu viel Angst vor riskanten, aber rentablen Geldanlagen.

Die Abhilfe: Ignorieren Sie, zu welchem Kurs Sie eine Aktie gekauft haben. Betrachten Sie lieber die Entwicklung des gesamten Depots, das schont die Nerven und bringt bessere Anlageentscheidungen.

Der Autor ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich.

Quelle: F.A.S.

 
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Veröffentlicht: 25.02.2012, 19:24 Uhr

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