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Denkfehler, die uns Geld kosten (38) : Ich dachte, ich hätte mich im Griff

Bild: Bengt Fosshag

Nichts Fettes essen oder nie mehr rauchen: Das nehmen sich viele vor. Wer seine Selbstdisziplin für besonders hoch hält, scheitert besonders oft.

          Viele Feste und Kongresse finden ihren Höhepunkt in den Worten: „Lassen Sie es sich schmecken.“ Dann ist das Buffet eröffnet. Und unter der Kochmütze des rotgesichtigen Bratenschneiders sammeln sich erste Schweißperlen. Denn nun zeigen selbst feinste Gesellschaften, dass Triebunterdrückung nur ein ziemlich unausgereiftes Konzept ist. Am schlimmsten ist die Rücksichtslosigkeit, wenn Leute an die kalten und warmen Platten drängen, die sich untereinander nicht oder nur oberflächlich kennen und deshalb auf Urteile über ihr Benimm- und Sozialverhalten pfeifen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Das Komische beim Buffet ist doch, dass die wenigsten Teilnehmer im Nachhinein urteilen würden, dass es ein kulinarischer Hochgenuss war. Denn die meisten Leute häufen sich nach erfolgreichem Vordringen an die Tröge mehr auf den Teller, als verträglich ist, und das in Mischungen, die selbst die britische Kochkunst nicht hervorzubringen wagte: Fleisch an Fisch und Spätzle an Kartoffelsalat. Wie unbeschwert hätte man sich gefühlt, wenn man sich erst ein leichtes Süppchen zu Gemüte geführt hätte, danach Salat und Fisch und zum Abschluss eine Kugel Sorbet. Dann wäre der Kräuterschnaps zum Aufräumen des Magens nicht nötig gewesen.

          Der Lust nachgeben - oder sich lieber zusammenreißen?

          Warum schafft man es nur so schlecht, seine Impulse zu unterdrücken? Gefühlszustände wie Hunger, sexuelle Erregung oder die Lust auf eine Zigarette lassen sich offenbar längst nicht so leicht managen wie gedacht. Wäre ja nicht weiter schlimm, wenn nicht gerade das Stillen bestimmter Anwandlungen in Konflikt mit längerfristigen Zielen stehen würde: die Fressorgie gegen das Ziel, ein paar Kilo abzuspecken; der Seitensprung gegen den Wunsch nach einem friedlichen Familienleben. Und das siebte Bier gegen die Gesundheit der Leber. Es gibt also ein paar handfeste Gründe, sich zu mäßigen - mal abgesehen von der Freudschen Erkenntnis, dass ohne Triebunterdrückung eine Zivilisation nicht denkbar ist.

          Bild: Bengt Fosshag

          Tatsächlich hat ein jeder offenbar ziemlich klare Vorstellungen darüber, wie sehr er sich unter Kontrolle hat. Es sind meist zu optimistische Vorstellungen. Denn nicht wenige überschätzen schlicht ihre Selbstdisziplin. Und gerade dieser Personenkreis hat die Neigung, sich Verführungen auszusetzen: Er glaubt, ihnen besonders lange widerstehen zu können. Aber Pustekuchen.

          Wir überschätzen unsere Selbstdisziplin

          Das Ergebnis, das drei Wissenschaftler um Loran Nordgren in vier Versuchen herausdestilliert haben, lautet: Menschen haben die Neigung, ihre Fähigkeit zur Unterdrückung von Trieben zu überschätzen. Dieses voreingenommene Selbstbild hat wiederum Konsequenzen: Ihr überoptimistischer Glaube an die eigene Selbstdisziplin bringt die Leute dazu, sich überdurchschnittlich häufig verführerischen Situationen auszusetzen, um diesen dann überdurchschnittlich oft zu erliegen. Am Maß ihres Selbstbewusstseins bezüglich der Triebkontrolle kann man die Wahrscheinlichkeit ihres Scheiterns ablesen.

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