http://www.faz.net/-hbv-73xuv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 31.10.2012, 18:01 Uhr

Denkfehler, die uns Geld kosten (37) Wer weiß schon, was in 50 Jahren ist

Junge Leute befassen sich nur ungern mit der Vorsorge fürs Alter. Deshalb legen viele zu wenig zurück. Und ärgern sich später.

von
© Corbis

Es ist paradox: Elf Jahre nach der Rentenreform, die vor allem die private Vorsorge fördern sollte, sparen die Deutschen immer weniger fürs Alter. Zu dieser nicht wirklich beruhigenden Erkenntnis kam unlängst eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Postbank.

Christian Siedenbiedel Folgen:

Die Befragten gaben an, im Durchschnitt 185 Euro im Monat fürs Alter zurückzulegen, ein Negativrekord in den Aufzeichnungen des Instituts. Im Jahr 2005 waren es immerhin noch 204 Euro pro Monat gewesen. Die Befragten selbst gaben an, sie sparten vermutlich zu wenig.

Resignation

Zumindest einige junge Leute scheinen beim Thema Altersvorsorge schlichtweg resigniert zu haben. Von der regulären Rente erhoffen sich viele ohnehin wenig, die Riester-Rente wird auch immer mehr kritisiert. In der Finanzkrise mussten die Leute zudem erleben, wie übel Aktienkurse einbrechen können und wie unsicher Banken sind.

Die Frage drängte sich auf: Welche Finanzinstitutionen wird es überhaupt noch in 50 Jahren geben, wenn ich alt bin? Zudem sind seither die Zinsen oft so niedrig, dass die Inflation sie frisst. Ist es da verwunderlich, dass einige sich fragen, ob man überhaupt noch sinnvoll fürs Alter vorsorgen kann?

Ist heute wirklich wichtiger?

Verhaltensökonomen haben allerdings herausgefunden, dass es offenbar auch einen im Menschen selbst angelegten Grund dafür gibt, dass junge Leute tendenziell zu wenig fürs Alter sparen. „Zeitinkonsistenz“ ist der Fachbegriff dafür, oder auch „hyperbolisches Diskontieren“.

Was versteht man darunter? Lange Zeit waren die Ökonomen davon ausgegangen, dass Menschen zwar eine Vorliebe für Konsum heute statt für Konsum morgen haben. Dass also jemand lieber heute ein Auto kauft als morgen, und dass man ihn dafür entschädigen muss, wenn er diesen Konsum aufschiebt - mit einem Zins. Ökonomen waren stets davon ausgegangen, dass Menschen sich rational verhalten und dieser Zinssatz, den jemand dafür verlangt, dass er seinen Konsum in die Zukunft verschiebt, über die Zeit hinweg relativ konstant bleibt.

Ungeduldige Menschen

In neueren Untersuchungen haben hingegen Verhaltensökonomen wie Richard Thaler von der University of Chicago gezeigt, dass dies absolut nicht der Fall sein muss. Um die Abhängigkeit der Vorlieben der Menschen von der Zeit zu untersuchen, wurden Probanden in Experimenten gebeten, zu vergleichen, welche Beträge sie zu welchem Zeitpunkt als Geschenk vorziehen würden.

Ob sie beispielsweise lieber in zwölf Monaten 1000 Euro bekämen - oder in 13 Monaten 1010 Euro. Das wäre ein Zins von einem Prozent für einen Monat. Wer sich für die zweite Möglichkeit entschieden hat, so sollte man meinen, müsste sich nach zwölf Monaten, wenn er dann abermals befragt wird, ob er lieber 1000 Euro sofort oder 1010 Euro in einem Monat will, wiederum für die zweite Lösung entscheiden.

Das ist aber oft nicht der Fall, wie die Experimente zeigten: Je dichter der Zeitpunkt heranrückte, desto höher musste der Zinssatz ausfallen, für den die Menschen sich noch etwas gedulden wollten. Wenn die Menschen das Geld sofort haben können, ist ihnen das offenbar dann doch viel lieber, als noch einen Monat zu warten.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Umfrage Generation Y sorgt weniger fürs Alter vor

Wegen der Alterung der Gesellschaft müssten die jungen Menschen eigentlich mehr selbst vorsorgen. Tun sie aber nicht, zeigt eine neue Erhebung. Liegt das an ihrem Optimismus? Mehr

21.04.2016, 12:23 Uhr | Finanzen
Video Trübe Aussichten für die Commerzbank

Für das laufende Jahr hat die Commerzbank ein großes Fragezeichen hinter den erhofften Milliardengewinn gesetzt. Auf seiner letzten Hauptversammlung übte der scheidende Vorstand Martin Blessing abermals Kritik an der Geldpolitik der EZB. Mehr

21.04.2016, 09:04 Uhr | Finanzen
Altersvorsorge Riester ist besser als sein Ruf

Eine Untersuchung für die F.A.Z. zeigt: Ganz im Gegensatz zur geballten Kritik an der staatlich geförderten Altersvorsorge werfen Riesterverträge eine ordentliche Rendite ab. Mehr Von Philipp Krohn

22.04.2016, 19:24 Uhr | Finanzen
Private Altersvorsorge Ist die Riester-Rente gescheitert?

Zu teuer, zu kompliziert, kaum Rendite: Die Riester-Rente gerät in Verruf. Zu Unrecht. Eine Ehrenrettung. Mehr Von Dyrk Scherff

25.04.2016, 15:19 Uhr | Finanzen
Negativzins Enteignet Draghi die Deutschen?

Die Sparzinsen sind negativ. Schuld daran ist der EZB-Präsident, heißt es. Stimmt das? Mehr Von Dyrk Scherff

18.04.2016, 08:34 Uhr | Finanzen