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Denkfehler, die uns Geld kosten (18) Lauter entgangene Chancen

 ·  Jede Entscheidung im Leben bedeutet Verzicht - auf das, was wir stattdessen hätten tun können. Das wird selten einkalkuliert. Viele Dinge kommen uns so teurer als sie auf den ersten Blick erscheinen.

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Mit der ökonomischen Vernunft ist das so eine Sache. Theoretisch ist es ganz einfach, ihr zu folgen. Sie gebietet jedem Einzelnen, bei seinen Entscheidungen Kosten und Erträge gegeneinander abzuwägen und sich dann für die Alternative zu entscheiden, bei der die Erträge die Kosten am weitesten übersteigen. Bei Unternehmen nennt man das Gewinnmaximierung. Beim Einkauf auf dem Wochenmarkt läuft eigentlich das Gleiche ab. Auch der Konsument wägt den Vorteil, den er aus dem Kauf von Spargel, Erdbeeren und Kartoffeln schöpft, gegen die Preise ab, die dafür verlangt werden.

Es ist also gleichgültig, worin der Ertrag besteht (Essen oder Einkommen) und um welche Art von Kosten es sich handelt - das Prinzip ist immer das Gleiche und wir alle versuchen, ihm zu folgen. In der Praxis aber stehen einem ökonomisch vernünftigen Verhalten diverse Hindernisse im Weg. Eines davon besteht darin, dass man erst einmal erkennen muss, welche Kosten man überhaupt berücksichtigen sollte.

Welche alternativen Verwendungen hat man für Zeit und Geld?

Ein einfaches Beispiel: Nehmen wir einmal an, ein Energieberater kommt in ein Unternehmen und rechnet vor, dass sich die Investition in eine Maschine mit höherer Energieeffizienz lohnt. Das Argument des Beraters ist auf den ersten Blick überzeugend: Er rechnet vor, dass das Unternehmen durch die Maschine soviel Energie einsparen kann, dass die Kosten der Investition sich in zehn Jahren amortisieren. Da die Maschine aber eine Lebensdauer von 20 Jahren hat, bleibt am Ende ein satter Gewinn.

Häufig allerdings muss der Berater frustriert von dannen ziehen. Trotz seiner überzeugenden Rechnung ist das Unternehmen nicht bereit, die Investition vorzunehmen. Aus der Sicht des Beraters ist das unvernünftig - aber nur deshalb, weil er in seiner Rechnung die falschen Kosten berücksichtigt. In seiner Kalkulation ist er von dem Preisschild ausgegangen, das an der neuen Maschine klebt. Das ist zwar der richtige Startpunkt, aber man muss noch einen Schritt weiter gehen. Die ökonomisch relevanten Kosten sind nämlich die sogenannten Opportunitätskosten. Sie entstehen, wenn das Unternehmen Kapital in die neue Maschine investiert. Um diese Art der Kosten sichtbar zu machen, muss man sich überlegen, welche alternativen Verwendungen es für das knappe Kapital geben könnte.

Auf die Opportunitätskosten kommt es an

Nehmen wir an, das Unternehmen hätte die Möglichkeit, in eine mündelsichere Anlage mit 5 Prozent Rendite zu investieren. Die wahren Kosten des Kaufs der Maschine wären dann die Erträge, die dem Unternehmen dadurch entgehen, dass es sein Kapital nicht mehr in die mündelsichere Anlage investieren kann, weil sein Geld ja bereits in die Anschaffung der neuen Maschine geflossen ist.

Anders ausgedrückt: Das Unternehmen wird dem Berater nur folgen, wenn es für sein Kapital keine bessere Verwendung findet. Hat es eine Verwendung mit einer höheren Rendite, als sie die neue Maschine bringt, sind die Opportunitätskosten höher als die Erträge der Investition. Und deshalb lohnt sie sich nicht.

Bei der Arbeit verzichtet man auf den entgangenen Nutzen der Freizeit

Diese Überlegung erklärt, warum viele auf den ersten Blick sinnvolle Investitionen unterbleiben. Die ökonomische Vernunft gebietet, dass man für knappe Ressourcen immer die Verwendung wählt, die die höchsten Überschüsse erzielt. Es reicht deshalb nicht aus, dass eine Investition einen Überschuss erzielt, um sie vorteilhaft zu machen. Weil das so ist, sind Ökonomen so glühende Anhänger des Konzepts der Opportunitätskosten.

Vereinfacht ausgedrückt lässt es sich so definieren: Die Opportunitätskosten bestehen in den Erträgen, die einem entgehen, wenn man auf eine alternative Verwendung knapper Ressourcen verzichtet. Ein weiteres Beispiel: Die Opportunitätskosten der Zeit, die man in seinem Garten verbringt, entsprechen dem Gehalt, das man erzielen könnte, wenn man stattdessen arbeiten würde. Umgekehrt entsprechen die Opportunitätskosten der Arbeit dem entgangenen Nutzen aus Freizeit.

„Versunkene Kosten“

Wenn man in Kategorien von Opportunitätskosten denkt, werden viele Dinge teurer, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Manchmal ist es aber auch genau andersherum. Häufig betrachten Menschen Ausgaben als Kosten, die sie besser ignorieren sollten, weil sie nicht (mehr) Bestandteil der Opportunitätskosten sind. Gemeint sind die sogenannten „versunkenen Kosten“.

Nehmen wir an, ein Unternehmen investiert in ein Forschungsprojekt. Nach zwei Jahren sind die Erwartungen auf einen Erfolg stark gesunken, weil sich der Durchbruch einfach nicht einstellen will. Die Frage, ob man weiter investieren oder das Projekt beenden soll, darf aber die bis dahin aufgebrachten Kosten nicht mehr berücksichtigen, denn die sind ohnehin versunken. Für die Abwägung, ob weiter investiert werden soll, ist nur zu berücksichtigen, welche Kosten in Zukunft noch entstehen könnten und mit welchen Erträgen zu rechnen ist. Die in der Vergangenheit aufgebrachten Gelder sind ja auf jeden Fall verloren. Sie können nicht zurückgewonnen werden, egal was man tut. Deshalb sollten sie die Entscheidung über die Zukunft des Projekts nicht beeinflussen. Das ist die Theorie. In der Praxis wird jedoch häufig weiter geforscht mit der Begründung: „Jetzt haben wir schon so viel hineingesteckt, da machen wir weiter.“

Viele Dinge sind teurer als sie erscheinen

Beide Fehler sind häufig. Menschen neigen dazu, die Preisschilder bei einem Einkauf mit den wahren Kosten zu verwechseln, die eine Verwendung ihres knappen Einkommens hat. Und sie neigen auch dazu, versunkene Kosten zu berücksichtigen, obwohl sie das besser nicht täten. Diese Fehler werden nicht nur bei Investitionsentscheidungen in Unternehmen gemacht, sondern auch dann, wenn wir über unsere eigenen knappen Ressourcen entscheiden.

Wie viele Studenten quälen sich durch eine Ausbildung, für die sie nicht geeignet sind, weil sich das Studium doch am Ende auszahlen muss! Wie viele Paare fahren in den lange geplanten Urlaub, obwohl sich inzwischen eine viel bessere Verwendung für die freie Zeit ergeben hat.

Auch viele Anleger tappen in die Kostenfalle. Wie oft wird uns beispielsweise vorgerechnet, dass es sich lohnt, unsere Häuser zu dämmen. Tatsächlich lässt sich nach vielen Jahren ein Überschuss erzielen. Trotzdem wären die meisten Hausbesitzer sehr viel besser gefahren, wenn sie das Geld am Kapitalmarkt angelegt hätten - selbst unter den schwierigen Bedingungen, die dort heute herrschen.

Joachim Weimann ist Wirtschaftsprofessor in Magdeburg.

Opportunitätskosten

Der Fehler

Wir übersehen, dass die wahren Kosten des Einsatzes einer knappen Ressource wie Geld oder Zeit in den entgangenen Erträgen einer alternativen Verwendung der Ressource bestehen.

Die Gefahr

Diese Opportunitätskosten können höher oder niedriger sein als das, was beim Einkauf auf dem Preisschild als Kosten ausgewiesen wird.

Die Abhilfe

Nachrechnen! Was würde ich gewinnen, wenn ich Geld anders einsetzen oder meine Zeit anders verwenden würde. Dabei gilt es zu beachten: Ausgaben, die nicht zurückgewonnen werden können, zählen nicht zu den Opportunitätskosten.

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