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Das richtige Depot Die Mischung macht’s

Wer sein Geld auf verschiedene Wertpapiere verteilt, lebt sicherer. Doch oft erwischen Sparer Anlagen, die einander zu ähnlich sind. Dabei ist es eigentlich ganz leicht.

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© Steve Dinnino/SIS Vergrößern

Gegen manche Denkfehler sind sogar Nobelpreisträger nicht gefeit. Da hat Harry Markowitz den Wirtschafts-Nobelpreis bekommen, weil er eine komplizierte Rechenregel dafür aufgestellt hatte, wie man sein Erspartes auf unterschiedliche Geldanlagen verteilen soll - so, dass es möglichst sicher und rentierlich untergebracht ist. Und dann gesteht er, dass er sich selbst überhaupt nicht an die Regel gehalten hat. Seine Geldaufteilung hatte er einfach über den Daumen gepeilt.

Dabei ist im Prinzip klar: Wer sein Geld sichern will, sollte es auf möglichst viele unterschiedliche Flecken verteilen. So, wie auch manche Firmen ihre Vorstände in unterschiedlichen Flugzeugen zur Auslandsreise schicken. Wenn dann ein Flugzeug abstürzt, ist immerhin nicht die ganze Führungsriege auf einmal in den Unfall verwickelt.

Eine gute Verteilung bringt Gewinn

Bei der Geldanlage bringt das Verteilen sogar oft richtig gute Gewinne. Das liegt daran, dass die profitabelsten Geldanlagen oft die riskantesten sind. Aktien aus fernen Ländern, die gerade erst am Anfang eines starken Wirtschaftsaufschwungs stehen zum Beispiel. Vorher weiß keiner, wie sich die Aktien aus solchen Ländern entwickeln werden. Wahrscheinlich werden sie eine hohe Rendite bringen. Aber eben nicht alle. Manche bringen exorbitant viel Geld ein, mit anderen macht man einen hohen Verlust. Und das Verlustrisiko mögen Menschen gar nicht.

Dagegen hilft gutes Verteilen - „Diversifikation“, wie die Fachleute sagen. Wer das Geld auf viele verschiedene Aktien aufteilt, der wird von manchen exorbitant hohe Gewinne bekommen und von anderen hohe Verluste. Das Geld insgesamt wird aber wahrscheinlich im Durchschnitt einen relativ guten Gewinn abwerfen. Die Gefahr, richtig viel zu verlieren, ist also deutlich kleiner.

Fehler geschehen schnell

So leicht das Prinzip klingt, seine Geldanlagen zu streuen - Fehler können einem auch dabei sehr schnell unterlaufen. Nur Aktien aus den unterschiedlichsten Schwellenländern kaufen? Das mag viel Rendite bringen - aber was, wenn eine neue Asienkrise ausbricht und viele Schwellenländer in die Rezession fallen? Dann steht man doch wieder blöd da.

Was die meisten Leute an der Schwellenländer-Gefahr noch verstehen, übersehen viele beim Kauf von Aktien aus Deutschland vollständig. BMW ist doch ein tolles Unternehmen, denken sie. Volkswagen auch. Und Daimler erst! Das sind zwar drei verschiedene Aktien, aber alle werden von der nächsten Autokrise erwischt.

Abhilfe ist nicht leicht

Der fortgeschrittene Anleger kauft darum den kompletten Dax, zum Beispiel über einen Indexfonds (ETF). Doch darin ist die Autoindustrie immer noch übergewichtet. Und weil im Dax wertvolle Aktien immer besonders stark gewichtet werden, sind Dax-Käufer auch von Blasen einzelner Branchen besonders getroffen. Beispiel Bankenblase: Im Kursanstieg kauften Anleger immer weitere Bankaktien zu immer höheren Preisen - und gerade als sie viele Bankaktien hatten, brachen deren Kurse zusammen.

Selbst wer diese Gefahr erkannt hat, war aber in der Vergangenheit nicht sicher. Hätte man zum Beispiel vor einigen Jahren noch das Depot um eine spanische Bank und einen griechischen Telekommunikationskonzern ergänzt, hätten heute die Auswirkungen der Euro-Krise das Geld verschlungen.

Die meisten Sparer scheitern

Es kommt also nicht nur darauf an, das Geld zu verteilen - sondern darauf, es gut zu verteilen. Doch daran scheitern die meisten Sparer. Und zwar schon bei einem viel einfacheren Problem. Das hat ein Experiment der beiden Finanzforscher Shlomo Benartzi und Richard Thaler gezeigt - in einer Umfrage unter Universitätsangestellten in Kalifornien, also unter recht schlauen Leuten. Aber selbst dort wurde es mit der richtigen Verteilung nichts.

Die Forscher stellten jeweils zwei Fonds vor und wollten wissen, wie die Befragten ihr Geld für die Altersvorsorge zwischen diesen beiden Fonds aufteilen würden. Unterschiedliche Befragte bekamen unterschiedliche Fonds zur Auswahl. Doch den meisten Universitätsangestellten war es egal, welche Fonds zur Wahl standen: Die meisten gaben an, einfach die eine Hälfte des Geldes in den einen Fonds zu stecken und die andere Hälfte in den anderen. Sie teilten ihr Geld also völlig zufällig auf, ohne besonders auf die Art der Anlagen zu achten. „Naive Diversification“ nennen das die Forscher.

Komplizierte Formeln sind unnötig

Zum Glück braucht man keine so komplizierte Nobelpreis-Formel wie sie Harry Markowitz erfunden hat. Für sein eigenes Geld wählte Markowitz eine einfache Regel: Die Hälfte des Geldes in Aktien, die andere in verzinsliche Wertpapiere - schon war er zufrieden. Inzwischen hat die Forschung auch gezeigt, dass solche einfachen Regeln genauso gut sein können wie die komplizierte Formel - man muss allerdings genau darauf achten, was man kauft.

Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Mannheimer Finanzforschers Martin Weber und zweier seiner Assistenten sowie einer Studie eines britisch-amerikanischen Forscherteams. Beide haben herausgefunden: Zu viel zu rechnen, bringt nichts. Es ist schon in Ordnung, das Geld einfach gleichmäßig in verschiedene Geldanlagen aufzuteilen.

Wichtig ist, wie das Geld verteilt wird

Wichtig ist aber, worauf das Geld verteilt wird. Das sollte möglichst unterschiedlich sein: Ein Topf für Aktien aus Europa, einer für Aktien aus Asien, große und kleine Länder sollten dabei sein, junge und alte Firmen, dann kommt ein Topf für Bundesanleihen hinzu, einer für Immobilien und so weiter.

Die fortgeschrittene Variante ist dann, über die Gewichtung das Risiko im Portfolio zu steuern. Dabei helfen Berater. Wer mit mehreren spricht, kann besser überprüfen, welcher Rat dabei sinnvoll ist und welcher nicht. Das FAZ.NET-Tool „Das krisenfeste Depot“ hilft bei der Vorbereitung und zeigt Gewichtungen, die frühere Krisen gut überstanden hätten.

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