02.02.2012 · Egal, ob man 7000 Euro verdient oder 1500: Wer ein Haushaltsbuch führt, bekommt einen Überblick darüber, wie viel er wofür ausgibt. Und wo man sparen kann, damit das Geld für die wahren Bedürfnisse reicht.
Von Patrick BernauDas Geld reicht nie. Wer sagt schon von sich, er hätte genug Geld? Michael Huber jedenfalls kennt kaum solche Leute. Und er redet mit vielen Leuten über Geld, schließlich ist er Finanzberater. Und dabei hat er erfahren: „Jeder sagt: ,Ich lebe doch ganz bescheiden.' Das sagen sogar die Leute, die 7000 Euro im Monat ausgeben.“
Die Hände spüren einfach nicht, wie ihnen das Geld durch die Finger rinnt. Deshalb empfehlen Finanzberater landauf, landab: Legen Sie ein Haushaltsbuch an! Die Verbraucherzentrale schreibt einen Ratgeber, die Sparkasse bietet ein Online-Haushaltsbuch an, und Finanzberater Michael Huber sagt: „Besonders nötig haben es meistens die, die bisher kein Haushaltsbuch führen. Wenn sie das zum ersten Mal machen, erschrecken sie oft darüber, wie viel Geld sie wirklich ausgeben.“
Vier Wege, ein Haushaltsbuch zu führen
Auf Papier: Einfach, aber zeitraubend
Mit dem Computer: Übersichtlich, aber teuer
Im Internet: Leicht, aber unbehaglich
Auf dem Handy: Schnell, aber umständlich
Zum Glück ist es inzwischen deutlich leichter als früher, die eigenen Ausgaben zu notieren. Heute muss niemand mehr ein echtes Haushaltsbuch auf Papier führen und die endlosen Zahlenkolonnen selbst aufaddieren. Das Internet macht es sogar möglich, dass man die Buchungen vom Konto direkt ins Haushaltsbuch übernimmt. Spaß macht das den meisten Leuten nicht, aber es hilft dabei, einen Überblick zu gewinnen.
„Mit einem Haushaltsbuch merkt man sehr schnell, ob man über seine Verhältnisse lebt“, sagt Huber. Und das sei für viele Leute nötig. Zwar sagt sich so mancher: Wenn ich am Ende des Monats noch Geld auf dem Konto habe, wird es schon passen. Aber dabei bleibt oft zu wenig für Urlaub und Auto übrig - von der Altersvorsorge ganz abgesehen. „Manche sparen auch schon in Lebensversicherungen und anderem, aber wie viel das für die Vorsorge bringt, merke ich erst, wenn ich es systematisch notiere“, sagt Huber.
Dazu kommt: Wer ein Haushaltsbuch führt, sieht, woran er Geld sparen kann. Das tut jedem gut. Selbst relativ reiche Mittelschichtsangehörige fühlen sich schließlich ausgequetscht und haben das Gefühl, mit ihrem Geld nicht hinzukommen. Dank den Leuten, die fürs Statistische Bundesamt Haushaltsbuch führen, lässt sich zeigen: Tatsächlich geben die Menschen heute viel mehr Geld für Hotels und Restaurants aus als noch vor 15 Jahren. Vor allem die Wohnungen sind schicker und größer geworden. 1993 steckte eine vierköpfige Familie rund 18 Prozent des Geldes, das sie ausgab, in die Kaltmiete. Heute sind das schon fast 23 Prozent. Der Unterschied lässt sich nicht durch Mieterhöhungen erklären.
Nun will nicht jeder so beengt leben wie vor vielen Jahren - die Nachbarn tun das schließlich auch nicht. Doch wer über seine eigenen Ausgaben Bescheid weiß, kann sie auch mit anderen vergleichen. "Beim Haushaltsbuch geht es vor allem um die Interpretation", sagt Corinna Dörr, die für die Sparkassen die Deutschen beim Umgang mit Geld im Alltag berät. Wer einmal seine Zahlen kennt, kann hinterher selbst überlegen, ob er lieber mehr Geld fürs Essen ausgibt, fürs Auto oder für den Urlaub. Und woran er am liebsten spart, um Geld für später zurückzulegen.
Der Durchschnittsdeutsche, mit dem man sich vergleicht, gibt abhängig vom Einkommen und der Haushaltsgröße rund 20 bis 45 Prozent seines Einkommens für die Wohnung aus, 8 bis 20 fürs Essen und nur ungefähr 10 Prozent für Freizeitbeschäftigungen.
All das kann interessant zu vergleichen sein, aber die Zahlen zu ermitteln, macht nur den wenigsten Leuten Spaß. "Es gibt natürlich die Ingenieure, die basteln sich dafür eine Excel-Tabelle und machen das richtig gern", sagt Finanzberater Michael Huber. Aber für die meisten ist das so angenehm wie ein wöchentlicher Großputz. „Vor allem die Bargeldzahlungen sind anstrengend“, sagt Huber. Die schreibe kaum jemand regelmäßig auf. Wer aber seine Ausgaben für Kino und Kneipe von den unerlässlichen für Lebensmittel trennen möchte, muss sich überwinden. „Jeden Abend fünf Minuten, wie das Zähneputzen“, empfiehlt Sparkassen-Frau Corinna Dörr. Smartphones helfen: Wer schon unterwegs seine Ausgaben im Handy eintippen möchte, kann das problemlos tun. Manche werden aber lieber beim Internet bleiben, wo es die Angebote kostenlos gibt - oder ein Extra-Programm auf dem Computer installieren. Nichts davon macht wirklich Freude, aber mit Computer und Handy geht es wenigstens ohne großes Stöhnen von der Hand.
Ein Haushaltsbuch kostet umso mehr Zeit, je mehr Kategorien es hat. Wer die täglichen Ausgaben noch nach Bäcker, Café und Kino aufteilt, muss tatsächlich jede aufschreiben. Für manche Leute reichen auch Sparen, Versicherungen, Auto, Urlaub, Kleidung, Wohnen - der Rest, der da nicht drinsteht, war dann „Lebenshaltung“.
Wer seine Lebenshaltungskosten prüfen möchte, muss natürlich genauer führen. Und sollte seine Ausgaben schnell eintragen: Lieber jeden Abend fünf Minuten sammeln, als später lang nach dem Geld zu suchen.
Kassenzettel sind eine wunderbare Gedächtnisstütze - diese Beträge muss man nur noch ins Haushaltsbuch abschreiben.
Kosten, die jeden Monat in der gleichen Höhe anfallen, sollte man schon am Anfang des Monats verbuchen. Sonst denkt man, es wäre noch viel Geld übrig - und übersieht die hohe Handyrechnung, die gegen Ende des Monats zu zahlen ist.
Bargeld lacht
Stefan Wanke (docdoolittle)
- 02.02.2012, 19:45 Uhr
Alles richtig,
Wolfgang Orth (wolfgangorth)
- 02.02.2012, 17:04 Uhr
Klassischer Fall einer déformation professionnelle
Renee Claude (recla)
- 02.02.2012, 16:49 Uhr
Mehr Geld für Kaltmiete....
Max Möllers (maxmoellers)
- 02.02.2012, 16:07 Uhr
Viel einfacher..
Michael Meier (never1)
- 02.02.2012, 15:22 Uhr