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Berliner Abenteuer : Informatik mal ganz anders

Die Gründer der privaten Hochschule Code University Manuel Dolderer, Thomas Bachem und Jonathan Rüth ( von links) wollen Studenten das Programmieren beibringen. Bild: Jens Gyarmaty

Im Oktober beginnt das erste Semester an der neu gegründeten Code University in Berlin. Mit einer normalen Hochschule hat sie nicht viel gemein.

          Das Experiment beginnt am 1. Oktober. Dann öffnet die neu gegründete Code University in Berlin erstmals ihre Tore. Für 75 Studenten, die das Auswahlverfahren überstanden haben, beginnt damit ein didaktisches Abenteuer. Denn nicht viel wird so ablaufen, wie man es sich gemeinhin an einer Hochschule vorstellt. Zwar hat die Code University die Anerkennung des Wissenschaftsrats als Fachhochschule und damit ein unverzichtbares Gütesiegel auch für das pädagogische Konzept.

          Inge Kloepfer

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Trotzdem ist heute schon abzusehen, dass viel im Fluss sein und sich noch verändern wird. Und die Studenten könnten ein Teil dessen sein. Gelernt wird nicht etwa im Hörsaal nach einem festgelegten Vorlesungsschema, sondern in Kleingruppen ausschließlich an Projekten. Vom ersten Tag an werden die Studenten – ohne aufwendige theoretische Vorbildung – in die Realität digitaler Unternehmen katapultiert.

          Die Code University ist die Idee des 31-jährigen Internetunternehmers Thomas Bachem, der sich das Programmieren in seiner Jugend selbst beibrachte, später Betriebswirtschaftslehre an einer Fachhochschule in Köln studierte, mehrere Start-ups gründete und bei dreien inzwischen recht erfolgreich wieder ausgestiegen ist. Eigentlich ist die Hochschule mehr als eine Idee, sie ist ein über Jahre gehegter Traum eines jungen Gründers, der seine ersten Millionen längst verdient hat: eine Bildungsinstitution, in der man auf effiziente Weise endlich das lernt, was man später für die Gründung von Internetunternehmen oder für die Arbeit dort wirklich braucht. „Ich selbst habe auch nicht mit der Theorie angefangen“, sagt Bachem. „Als Jugendlicher interessierten mich Computer und das Netz. Ich habe viel gespielt und dann irgendwann versucht, selbst etwas zu programmieren.“ Die Theorie dazu eignete er sich erst später an, um auch dann erst zu verstehen, warum das, was er programmierte, tatsächlich funktionierte.

          Man lernt hier nicht nur das Programmieren

          Zwei Kollegen hat er an Bord geholt: Manuel Dolderer (40), der an der Universität Witten/Herdecke Wirtschaftswissenschaften, Kulturwissenschaften und Philosophie studiert und später erfolgreich die Praxis-Hochschule für die Klett-Gruppe gegründet hat. Deshalb weiß er, wie Hochschulgründungen funktionieren. Der Dritte im Bunde ist Jonathan Rüth (28), den Dolderer aus dem Studium kennt und als Mitgründer für Bachems Projekt begeistern konnte. Unter den dreien ist Bachem der Initiator, Dolderer hat das didaktische Konzept entwickelt – mit hehrem Anspruch: „Wir möchten die Art und Weise verändern, wie im hochschulischen Kontext gelernt wird.“ Bachem verantwortet das strategische Geschäft, Dolderer die Lehre. Bachem ist Kanzler der Hochschule, Dolderer der Präsident, Rüth kümmert sich ums Operative.

          Natürlich lernt man an der Code University das Programmieren. Aber eben nicht nur, sondern auch jene Fähigkeiten, die für die Entwicklung digitaler Produkte sonst noch vonnöten sind. „Digitale Produkte entstehen in Teams“, sagt Dolderer. Es gebe immer drei Perspektiven auf den Prozess: die Software-Entwicklung, das Zusammenspiel von Mensch und Maschine und die Vermarktung des Produkts. Deswegen gibt es die drei Bachelor-Studiengänge Software Engineering, Interaction Design und Product Management, in denen man sich nach einem Semester der Orientierung spezialisieren kann. Sieben Professoren hat die neue Fachhochschule für Informatik derzeit.

          Das Studium ist in Projekten angelegt, an denen stets Vertreter aller drei Richtungen mitarbeiten. Im ersten Semester muss jeder Student einmal jede Rolle eingenommen haben, damit er weiß, was ihm wirklich liegt. „Viele haben das Gefühl, dass sie programmieren können müssen, wenn sie digitale Produkte gestalten wollen“, sagt der pädagogische Spiritus Rector noch. „Wir aber wollen zeigen: Zur Entwicklung eines digitalen Produkts gehört viel mehr als nur der Code.“ Eine gute Software, die schlecht benutzbar ist, bringe genauso wenig wie eine, die ihre Funktion nicht richtig erfüllt. Die Grenzen der Studiengänge sind fließend – so wie im richtigen Leben auch. An der Code University sollen Programmierer auch designen können und Produktmanager auch einigermaßen gut programmieren.

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