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Dauerfehde : Check 24 droht Versicherungsmaklern

Check 24 hat Ärger mit dem Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute. Bild: dpa

Die Auseinandersetzungen zwischen dem Vermittlerverband BVK und dem Vergleichsportalbetreiber Check 24 entwickeln sich zu einer Dauerfehde. Obwohl in der Sache längst ein Gerichtsurteil ergangen ist.

          Schon vor Wochen hatte der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute vor Journalisten angekündigt, er wolle Check 24 darauf verpflichten, ein Gerichtsurteil gegen sich auch tatsächlich umzusetzen (F.A.Z. vom 28. September). Darin hatte das Oberlandesgericht München von dem Onlinemakler verlangt, Kunden frühzeitig auf die eigene Rolle als Makler aufmerksam zu machen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun hat der BVK das Landgericht München angerufen, um zu überprüfen, ob Check 24 mit seiner Umsetzung gegen das Urteil verstoßen hat. „Uns geht es um den Verbraucherschutz und die Gleichbehandlung“, sagte Verbandspräsident Michael Heinz. Für alle Marktteilnehmer müssten dieselben Spielregeln gelten. Dazu gehöre, dass jeder Makler dem Kunden zu Beginn des Gesprächs seine Visitenkarte überreiche.

          Check 24 hingegen zeigt dem Kunden, der über einen Versicherungsvergleich im Internet gegen eine Provision an das Portal eine Police kaufen kann, erst in dem Moment den Maklerstatus an, in dem dieser seine E-Mailadresse eingibt. Gesetzlich sei diese Information beim ersten Geschäftskontakt erforderlich. Dieser erfolge nicht in dem Moment, in dem der Verbraucher die digitale Vergleichssoftware betätige, sondern in dem er sich als Kunde zu erkennen gebe, der an einem Vertrag interessiert sei.

          Für alle Wettbewerber müssen dieselben Regeln gelten

          Der Streit zwischen beiden Parteien währt seit mehr als zwei Jahren. Im Juni 2015 hatte der BVK das Unternehmen erstmalig abgemahnt. Damals betonte Heinz, Versicherungsvermittler stünden unter erheblichem Druck, sich an die zunehmende Regulierung ihres Berufsstands anzupassen. Deshalb müssten für alle Wettbewerber dieselben Regeln gelten. Gegen den Urteilsspruch des Landgerichts München legten beide Seiten Berufung ein. Das Oberlandesgericht München urteilte dann im Sinne des Verbands.

          Doch im Zuge des Gerichtsstreits nahm die Auseinandersetzung bizarre Züge ein: Check 24 ließ die Vermittlungs- und Informationspraxis auch bei BVK-Mitgliedern prüfen. Zum Teil sei in Gesprächen nicht einmal ein Beratungsprotokoll ausgehändigt worden, teilt das Unternehmen in einer Stellungnahme mit. „Der BVK agiert scheinheilig und unaufrichtig“, lässt sich das Unternehmen darin zitieren. „Es geht ihm offensichtlich nicht um Verbraucherschutz, sondern um polemisierende Kritik am Geschäftsmodell Vergleichsportal.“

          Der BVK spricht öffentlich immer wieder von der „Verkaufsmaschine Vergleichsportal“. Hier prallen zwei Welten aufeinander: der traditionelle Versicherungsvertrieb, der Kunden oft zu Hause allumfassend berät und ihm auch im Schadensfall zur Seite steht, gegen den modernen, schnellen und effizienten Onlinevergleichsrechner, der dem Kunden das für ihn vermeintlich günstigste Angebot wählen lässt. Hier geht es um erbitterte Konkurrenz um den Versicherungskunden.

          Check 24 setzt seinerseits die im BVK organisierten Makler- und Vertreterbetriebe unter Druck. Der Verband müsse seine Mitglieder über die rechtlichen Folgen des Urteils aufklären. „Gegen Verstöße wird Check 24 im Sinne der Gleichbehandlung weiterhin vorgehen“, heißt es in der Stellungnahme.

          Quelle: F.A.Z.

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