Nur 1,3 Prozent Zinsen für eine Bundesanleihe sind ein Problem. Ein großes Problem. Geht das so weiter, wie zu befürchten ist, können Unternehmen und Pensionsfonds die Betriebsrenten nicht in der Höhe zahlen, die den Mitarbeitern einmal in Aussicht gestellt wurde.
Für die Sparer heißt das umdenken. Denn die schrumpfenden Ausschüttungen reißen Löcher in die Altersvorsorge, die angesichts der Mini-Zinsen nicht so leicht zu stopfen sind. Die Sparer haben nun im Wesentlichen vier Optionen. Die erste Möglichkeit ist, die Ansprüche für das Alter herunterzuschrauben. Damit sinkt die benötigte und anzusparende Summe. Allerdings werden nur die wenigsten dazu bereit sein. Zudem sind gewisse Pflichtausgaben gar nicht zu vermeiden.
Sichere Anlagen optimieren oder Versicherungen ohne Provision abschließen
Also können sie die zweite Option prüfen, nämlich die sicheren Anlagen zu optimieren, um mehr Rendite herauszuholen. So sind etwa Direktversicherer meist günstiger als die klassischen Versicherungen. Dadurch steigt die Rendite nach Kosten. Eine Alternative zur betrieblichen Altersvorsorge ist das aber nicht, denn dort sind die Versicherungen meist auch schon preiswert, weil Arbeitgeber wegen der hohen Stückzahlen Preisnachlässe bekommen.
Interessant sind auch Nettoversicherungen. Sie werden ganz ohne Provision abgegeben, sind aber in der Regel nur über einen Honorarberater zu bekommen. Der verlangt, anders als ein Versicherungsmakler, keinen Prozentsatz vom eingezahlten Geld, sondern einen Stundensatz für die Beratung. Dieses Honorar ist aber niedriger als die Provision, die an den Makler fließen würde. Deswegen eine Versicherung kündigen sollte aber keiner, das ist meist die teuerste Variante, weil wenig Geld zurückfließt.
Mehr Euro zur Seite legen
Diese Optimierung verbessert die Rendite vielleicht ein wenig, sie löst aber das Grundproblem des massiven Zinsrückgangs nicht. Schließlich werfen auch günstige Versicherungen nicht gerade üppige Zinsen ab. Daher bleibt nur die bittere dritte Option: Wer sein Geld weiter sicher anlegen will, muss mehr Euro zur Seite legen, um im Ruhestand die nötige Summe zusammenzuhaben. Je länger die Sparzeit, desto mehr Geld muss zusätzlich zur Seite gelegt werden. Wer bisher zum Beispiel 100 Euro im Monat bei vier Prozent sparte - der aktuellen Verzinsung von Lebensversicherungen -, muss bei nur noch zwei Prozent Verzinsung 141 Euro im Monat anlegen, um in 30 Jahren den gleichen Betrag angespart zu haben. Und das sind noch kleine Sparsummen, die für einen Durchschnittsverdiener mit 50.000 Euro Brutto-Jahreseinkommen nicht reichen. Haben sie aber bisher 300 Euro im Monat gespart, sind bei zwei Prozent Verzinsung schon 423 Euro fällig, um in 30 Jahren die gleiche Summe zu haben.
Nicht jeder kann oder will so viel zahlen. Er sollte über Option vier nachdenken: ein höheres Risiko bei der Geldanlage und damit eine höhere Rendite. Das soll nicht heißen, dass jeder die Risiken beliebig in die Höhe schraubt, bis er im besten Fall genug Geld für den Ruhestand zusammengespart hat. Denn schließlich gibt es auch ein ungünstiges Szenario, bei dem er am Ende noch weniger zur Verfügung hat als mit den miniverzinsten Versicherungen.
Mehr Risiko in der Geldanlage
Doch viele legen bisher übervorsichtig an und sind zu gar keinen Risiken bereit. Hier lohnt es sich schon, die Niedrigzinsen zum Anlass zu nehmen, über ein bisschen Risiko in der Geldanlage nachzudenken. Es bringt die entscheidende Rendite, die nun nötig geworden ist, um im Ruhestand den Lebensstandard halten zu können. Riskanter sind etwa Anleihen von bonitätsschwächeren Unternehmen und Schwellenländern, Rohstoffe, aber vor allem Aktien.
Der Klassiker hat es dabei bei den Deutschen besonders schwer: „Das Risiko von Aktien für die Altersvorsorge wird überschätzt“, betont Michael Huber vom VZ Vermögenszentrum. Erstes überschätztes Risiko ist die Wertentwicklung: In den vergangenen zwölf Jahren hat der Dax keinen Gewinn gebracht, heißt der Vorwurf, denn der Index steht jetzt deutlich unter den 8100 Punkten vom März 2000. Doch die wenigsten haben genau zu diesem Zeitpunkt zugeschlagen. Regelmäßiges Aktiensparen ist angesagt, dann kauft man auch immer wieder zu niedrigen Kursen.
Niemand muss seine Aktien zum Tiefpunkt zu verkaufen
Hätte man zwischen März 2000 und heute monatlich in Aktien investiert, hätte man heute einen positiven Ertrag erzielt, obwohl der Dax nun niedriger liegt. Selbst die, die im März 2009 zum Tiefstpunkt nach der Lehman-Pleite verkaufen mussten, hätten Gewinne gemacht, wenn sie zumindest seit 20 Jahren gespart hätten. Und das sollte jeder, der in Aktien anlegt.
In dieser Rechnung offenbart sich ein zweites Vorurteil gegen die Aktie. Niemand ist gezwungen, ausgerechnet im März 2009 zum Tiefpunkt seine Aktien zu verkaufen, nur weil dann gerade sein Ruhestand beginnt. Denn keiner benötigt sofort mit Rentenbeginn sein gesamtes Erspartes. Eine gute Altersvorsorge teilt es in zwei Gruppen auf: einen Teil, aus dem sich die laufenden monatlichen Renten speisen und der schrittweise aufgebraucht wird. Er muss sicher angelegt werden. Der andere Teil - und der ist anfangs ziemlich groß - wird zunächst nicht benötigt und kann auch im Ruhestand weiter für viele Jahre riskant angelegt werden. Zwischenzeitliche Schwankungen der Kurse schmerzen für diesen Teil nicht.
Aktien sind daher gerade wegen des langen Anlagezeitraumes in der Altersvorsorge weniger riskant als gedacht. Ihre Dividenden sorgen für gewollte regelmäßige Ausschüttungen. Zudem schützt die Aktie besser vor Inflation als Anleihen und Versicherungen.
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