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Berufsständische Versorgungswerke Auch Freiberufler trifft der Niedrigzins

Noch können die meisten Versorgungswerke ihre Renditeversprechen halten. Bleiben die Zinsen aber weiter so niedrig, müssen sie ihre Versprechen brechen und notfalls die Renten kürzen.

© Corbis Vergrößern Nachzuprüfen, wie die finanzielle Situation der Versorgungswerke aussieht, ist äußerst schwierig

Wie Versicherer und Stiftungen sind die berufsständischen Versorgungswerke von Anwälten, Architekten oder Ärzten mehrheitlich in festverzinslichen Wertpapieren engagiert und müssen sich mit deren niedrigen Zinsen herumschlagen. Seit dem Ausbruch der Europäischen Staatsschuldenkrise brachen die Renditen etwa zehnjähriger deutscher Staatsanleihen von 5,5 auf rund 1,4 Prozent ein. Während Lebensversicherer die Garantieverzinsung bei Neukunden mittlerweile auf 1,75 Prozent gesenkt haben, liegt der Rechnungszins bei vielen Versorgungswerken immer noch bei etwa 4 Prozent.

Maximilian Weingartner Folgen:  

Versicherungsmathematiker, Vermögensverwalter und Rentenpolitiker mahnen, der versprochene Zins sei zu hoch. Klaus Heubeck, beratender Aktuar und Mitinhaber der Heubeck AG, einer Beratungsgesellschaft für Altersvorsorge, spricht von einer „großen Herausforderung“, eine dauerhafte Finanzierbarkeit der Versorgungssysteme zu garantieren. Der Oberste Rechnungshof in Bayern forderte erst kürzlich einige von ihm geprüfte Versorgungswerke auf, „strukturelle Eingriffe in die Leistungsseite“ vorzunehmen, sprich niedrigere Renten auszuzahlen.

Über Jahre Zinsschwankungsreserven gebildet

Die Arbeitsgemeinschaft Berufsständischer Versorgungseinrichtungen (ABV), die 89 Werke vertritt, hält das für Panikmache: „In keinem Versorgungswerk steht eine Senkung der Renten bevor, kein Versorgungswerk hat gravierende Finanzierungsprobleme“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Verbands, Hartmut Kilger. Und fügt selbstbewusst hinzu: „Kein Versorgungswerk wackelt.“

Infografik / So legen Versorger ihr Geld an © F.A.Z. Bilderstrecke 

Etwa 800.000 Deutsche, vor allem Ärzte, Anwälte, Steuerberater und Architekten, zahlen ihre Rentenbeiträge nicht an die gesetzliche Kasse, sondern an eines der Versorgungswerke. Nachzuprüfen, wie deren finanzielle Situation aussieht, ist äußerst schwierig. Die Versorgungswerke verweisen an ihre Interessenvertretung. Laut der ABV hat mehr als die Hälfte der Mitglieder dieses Jahr bisher eine Verzinsung ihrer Kapitalanlagen von 4 Prozent erreicht, ein größerer Teil liege bei 3,5 Prozent, nur wenige konnten eine Rendite von lediglich 2,5 Prozent erwirtschaften. Da die meisten Werke jedoch noch mit einem Rechnungszins von 4 Prozent kalkulieren, bedeutet dies, dass viele Werke ein Minus gemacht haben. Allerdings haben Versorgungswerke den Vorteil, dass ihr Rechnungszins ein Ziel darstellt und nicht wie bei Lebensversicherungen bei Vertragsabschluss garantiert werden muss.

Wenn man jedoch den Rechnungszins senkt, braucht man mehr Deckungskapital, um die Renten stabil zu halten. Dafür haben die Werke über Jahre Zinsschwankungsreserven gebildet. Nach Angaben der ABV könnten manche Werke bis zu 16 Jahre zuschießen, manche jedoch nur ein paar Jahre. Die Ärzteversorgung Baden-Württemberg musste ihre Rücklage 2008, als die Verzinsung ihrer Anlagen auf 0,18 Prozent abrutschte, auf 4,7 Prozent der Deckungsrücklage abschmelzen, konnte sie aber ein Jahr später bereits wieder auf 6,5 Prozent auffüllen.

„Mut zur Bescheidenheit“

Nur wenige Versorgungswerke haben wegen der niedrigen Zinsen ihren Rechnungszins gesenkt. Jedes Versorgungswerk untersteht der Rechtsaufsicht des für die Kammer zuständigen Ministeriums und der Versicherungsaufsicht des Finanz- oder Wirtschaftsministeriums. Das bayerische Staatsministerium weist darauf hin, dass die Rechnungszinssenkung „zu stark unterschiedlichen Verrentungssätzen für frühere und zukünftige Beitragszahlungen“ führe. Die unterschiedlichen Anwartschaften würfen Fragen der Beitrags- und Generationengerechtigkeit auf. Auch das bestreitet die ABV, eine „klammheimliche gigantische Umverteilung“ finde nicht statt.

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Veröffentlicht: 15.11.2012, 20:20 Uhr

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Von Kerstin Papon

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