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Bausparen Vier Prozent Zins von der Bausparkasse

11.02.2012 ·  Bausparkassen locken mit hohen Sparzinsen. Die gibt es aber nur, wenn das Geld zehn Jahre liegt.

Von Nadine Oberhuber
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Bausparen ist uncool, aber wer will in diesen Zeiten schon cool sein? Ziemlich wenige Sparer anscheinend, denn sie horten ihr Geld auf eine der klassischen Arten: indem sie es zu einer Bausparkasse tragen. Da vermehrt sich das Kapital sonst eher im Schneckentempo. Dafür sichern sich die Kunden aber das Anrecht auf einen billigen Immobilienkredit. Später einmal.

Doch selbst diejenigen, die gar kein Eigenheim wollen, werden derzeit oft schwach: Einige Kassen locken mit vier Prozent Zinsen aufs Ersparte - ganz ohne Hauskaufkredit. Lohnt sich das Bausparen dank solcher Betonzinsen also plötzlich für jeden?

Auf das Kleingedruckte achten

Der Deutsche Ring nennt seinen Tarif schon „der Sparzinsheld“: 4 Prozent gebe es garantiert. Auch Wüstenrot wirbt mit 4 Prozent. Tatsächlich ist das etwa das Doppelte dessen, was man derzeit fürs Tagesgeld bekommt. Und es kann konkurrieren mit den besten Angeboten für zehnjährige Sparbriefe und ist deutlich besser als die Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe.

Man muss allerdings auch die Fußnoten der Bausparkassen lesen. Darin steht dann zum Beispiel beim Deutschen Ring, dass sich das Geld zunächst nur mit dem Basiszins von 1,5 Prozent vermehrt. Die restlichen 2,5 Prozent gibt es erst, wenn das Darlehen später wirklich nicht abgerufen wird - und der Vertrag mindestens sieben Jahre bespart wurde. Zudem sind 1,6 Prozent der Bausparsumme als Abschlussgebühr fällig, das sind bei 50.000 Euro immerhin 800 Euro. Das Geld bekommt der Nur-Sparer zwar zurück, aber nur, falls der Vertrag mindestens zehn Jahre läuft und er zusätzlich die Konditionen in der Zwischenzeit nicht ändert. Möchte er am Ende doch einen Kredit abrufen, dann wird es richtig teuer: Statt der sonst so günstigen Darlehenszinsen, die momentan bei vielen Tarifen bei 1,9 Prozent beginnen, muss er dann effektiv 5 oder sogar 6 Prozent Zinsen zahlen.

Die billigsten Tarife sind schwer zu finden

Gerade die billigen Baukredite sind es ja, die das Bausparen sonst so attraktiv machen. Momentan sind die Zinsen für die Immobilienfinanzierung so günstig wie noch nie, und dieses Niveau kann man sich per Bausparvertrag für die Zukunft sichern. Bis dahin parkt das Geld auch noch relativ sicher. Die Frage ist nur: Lohnt es sich für einen billigen Kredit, sich in der Sparphase mit Minizinsen von 0,5 bis 1,0 Prozent zufriedenzugeben? Und wiegt es auf, was Sparer bis dahin versäumen, wenn demnächst die Zinsen für andere Geldanlagen wieder steigen?

Die billigen Tarife zu finden ist zunächst nicht leicht: Es gibt 23 Kassen, die Bausparverträge anbieten, und mehr als 150 Tarife, zwischen denen Kunden wählen können: welche mit langen und kurzen Sparphasen, von vier oder 30 Jahren. Mit hohen oder niedrigen Zinsen und mit hohen oder schlanken Rückzahlraten. Die guten Adressen, die Produkttests immer wieder nennen, sind gleichzeitig die bekanntesten Anbieter: Wüstenrot, Schwäbisch Hall, Signal Iduna, Alte Leipziger und Deutscher Ring. Dennoch sollte man genau vergleichen, denn zwischen dem Angebot der teuersten und günstigsten Kasse können leicht 1000 Euro liegen, oft erheblich mehr.

50.000 Euro für rund zehn Jahre anlegen

Zuerst muss sich der Kunde überlegen, wie viel und wie lange er überhaupt sparen will, bis er das Geld in eine Immobilie steckt - zum Kauf oder für eine Renovierung. Finanzexperten raten, sich auf mittlere Summen (höchstens 50.000 Euro) und mittlere Laufzeiten festzulegen. Also auf rund zehn Jahre, über diesen Zeitraum lässt sich das Leben meist noch im Voraus planen. Nun wird auch niemand gezwungen, am Ende ein Darlehen abzurufen. Man kann sich das Gesparte ja auch einfach auszahlen lassen.

Diese Wahlfreiheit ist das Argument, mit dem viele Eltern und Großeltern Bausparverträge für Kinder abschließen. Davon aber raten Verbraucherschützer meist ab: Entweder laufen die Verträge zu lang. Auf 30 Jahre gesehen, machen die Einbußen bei den Sparzinsen sich sehr wohl negativ bemerkbar und wiegen nicht immer den Vorteil des später günstigen Darlehens aus. Oder bei den Verträgen mit vergleichsweise hohen Sparzinsen wie beim Deutschen Ring oder Wüstenrot verwehrt man den Kindern den günstigen Kredit, weil die Darlehenszinsen dann eben bis zu 6 Prozent betragen. Hoch sind dann übrigens auch die Rückzahlraten. Denn Bausparkassen wollen ihr Geld schnell zurück, deshalb sind die Raten meist saftig.

Attraktive Zinsen, aber sehr unflexibel

Die staatliche Förderung in Form von Wohnungsbauprämie oder vermögenswirksamen Leistungen wird auch oft als Anreiz zum Bausparen genannt. Doch gelten sie nur für Wenigverdiener mit maximal 25.600 Euro Jahreseinkommen und betragen maximal 45 Euro im Jahr. Damit bekommt man über 20 Jahre 900 Euro vom Staat geschenkt. Die holt man auch locker selbst heraus, indem man eine Kasse mit günstigem Tarif wählt.

Fazit: Sparen, ohne anschließend einen Baukredit in Anspruch zu nehmen, bietet zwar attraktive Zinsen, ist aber äußerst unflexibel. Besser also, man trägt sein Geld woanders hin. Wer aber mit dem Gedanken an eine Immobilie spielt, für den lohnt sich Bausparen trotz derzeitiger Minizinsen. Selbst wenn die Ersparnisse dabei mit 0,5 bis 1,0 Prozent verzinst werden, während man mit dem besten Banksparplan 3 Prozent bekommt. Dafür spart man später mächtig beim Darlehen, sobald dessen Zinsniveau wieder auf 4,66 Prozent und mehr steigt.

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Jahrgang 1973, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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