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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Banken vor Ort Das große Filialsterben

 ·  Die Zahl der Bankfilialen verringert sich seit Jahren, vor allem auf dem flachen Land. Das Tempo könnte sich jetzt weiter beschleunigen

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Gerade in kleineren Orten gibt es meistens einen Aufschrei, wenn die örtliche Bankfiliale schließt. Fast so, als ob die Post zumacht oder der Lebensmittelladen. Trotzdem ist seit Anfang der 90er Jahre die Zahl der Bankfilialen in Deutschland von mehr als 50.000 auf rund 37.700 zurückgegangen, wie man der Statistik der Bundesbank entnehmen kann.

Die jüngsten Sparpläne der Commerzbank könnten diesen langfristigen Trend jetzt sogar beschleunigen. Unternehmensberater rechnen damit, dass die Banken ihre Zweigstellennetze jetzt doch schneller zusammenstreichen als lange geglaubt. Die Schätzungen reichen dabei von einer weiteren Reduzierung der Zahl der Filialen um 15 Prozent bis zum Jahr 2020 (Investors Marketing) bis zu 25 Prozent bereits innerhalb der nächsten zehn Jahre (Bain & Company). Auf jeden Fall geht es um Tausende von Bankstellen.

Die Kunden bleiben fort

Die Gründe für Filialschließungen sind immer dieselben. Die hohen Kosten für die Banken - und die Tatsache, dass sich das Verhalten der Kunden zumindest nach und nach verändert. Innerhalb von 15 Jahren ist die Zahl der Besuche, die der durchschnittliche Bankkunde seiner Filiale abstattet, von drei auf etwas mehr als einen im Monat zurückgegangen - sieht man vom reinen Abheben am Geldautomaten ab. Hingegen nutzen mittlerweile 45 Prozent der Bankkunden das Online-Banking - trotz der Mühsal mit Pins und Tans.

In der Vergangenheit gab es mehrere Wellen, in denen Bankkunden sich an längere Wege zur Filiale gewöhnen mussten. Meistens nutzten die Bankchefs wirtschaftlich schwierige Zeiten, um die Trennung von unrentablen Zweigstellen leichter durchsetzen zu können. Eine größere Streichwelle hatte es nach dem Ende des Börsenbooms der New Economy in den Jahren 2000 und 2001 gegeben.

Großbanken, aber auch Sparkassen und Volksbanken sprachen damals gern von der „Zusammenlegung“ von Filialen - oder auch von der „Umwandlung von Filialen in SB-Filialen“. Gemeint war, dass statt einer Filiale mit Bankmitarbeitern nur ein Raum zurückblieb, an dessen Tür zwar noch ein Schild der Bank hing - in dem man aber lediglich einen Geldautomaten und einen Kontoauszugsdrucker vorfand.

Sparkassenfusionen als Todesengel

Die Commerzbank hat damals in einem Hintergrundgespräch vorgerechnet, wie sie kalkuliert. Demnach brauchte eine Filiale auf dem Land 3000 bis 5000 Kunden, damit sie sich rentiert. Hatte eine Filiale zu wenig Kunden, so wurde überschlagen, wie viele davon bei einer Schließung vermutlich zur nächstgelegenen Commerzbank-Filiale wechseln würden - und wie viel Prozent man wohl an die Konkurrenz verliert. Danach wurde entschieden.

Einzelne Phasen, in denen auch neue Filialen eröffnet wurden, beispielsweise von der Hypovereinsbank vor sechs Jahren, konnten die Grundtendenz nicht umkehren. Bei Sparkassen und Volksbanken waren es unter anderem die zahlreichen Fusionen, die zu einer Verringerung der Bankstellen führten. Sowohl die Zahl der eigenständigen Institute als auch die der Filialen nahm ab.

Maßgeblichen Anteil am Filialsterben hatte auch die Postbank: Schließlich hatte früher jedes Postamt auch die Dienstleistungen der Postbank angeboten. Seit Poststellen in Geschäften und bei Bäckern untergebracht sind, ist das längst nicht mehr überall der Fall.

Als Dresdner Bank und Commerzbank sich zusammenschlossen, wurden ebenfalls viele Filialen aufgegeben. Und die 90 Filialen der Norisbank, die 2006 von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann übernommen worden war, wurden in diesem Sommer geschlossen.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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