http://www.faz.net/-gv6-8f6gf

Gütesiegel : Banken können sich positive Bewertungen kaufen

  • -Aktualisiert am

Schon wieder Testsieger: Banken werben gerne mit Auszeichnungen, die allerdings wenig aussagen. Bild: Jens Gyarmaty

Wenn es nach der Werbung geht, ist jedes Kreditinstitut das beste seiner Klasse. Welches Gütesiegel welche Aussagekraft hat, ist für den Kunden aber nicht nachvollziehbar. Es regt sich Kritik.

          „Beste Kundenberatung“, „Vier Kronen für die BW Bank“, oder „Beste Beratung in Baden-Württemberg“. Die Liste der Auszeichnungen, mit denen Kreditinstitute in Deutschland im Internet auf ihrer Homepage, im Hörfunk, Fernsehen oder in der klassischen Filiale werben, lässt sich beliebig fortsetzen. In den vergangenen Jahren hat die Anzahl dieser Auszeichnungen zugenommen. Die Institute, die so eine Urkunde oder einen Pokal erhalten haben, sind stolz darauf. Eine Sprecherin der Commerzbank wertet dies als „unabhängige Qualitätskontrolle“, die zeige, ob die selbstgesetzten Standards eingehalten würden. Zugleich könne so ein Siegel auch aufzeigen, wo intern Verbesserungsbedarf bestehe. Für Wolfgang Kuhn, den Sprecher des Vorstands der in Stuttgart ansässigen Südwestbank, haben solche Preise zugleich eine Innenwirkung in die Bank. Dies zeige, dass man seine Sache richtig mache.

          Der Vorstandssprecher der Privatbank sieht das ganze Thema aber inzwischen durchaus nicht mehr ganz so rosig wie in der Vergangenheit. Die Vermarktung der Siegel werde langsam immer schwieriger, denn jeder, der etwas auf sich halte, mache irgendwelche Bewertungen, so Kuhn jüngst anlässlich der Vorlage der Bilanz. Und damit trifft er genau den Knackpunkt, den Kritiker bei dem Thema oft nennen. Es geht um die Aussagekraft der Erhebungen. „Bei der großen Zahl der Banken in Deutschland kann man sich schon die Frage stellen, welchen Informationsgehalt so ein Siegel für den Verbraucher hat, wenn nur eine vergleichsweise kleine Zahl von Institutionen getestet wird“, sagt Hans-Peter Burghof vom Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen der Universität Hohenheim. Aktuell gibt es in Deutschland knapp 2000 Banken.

          Der Professor begegnet den grundsätzlich anonym durchgeführten Besuchen bei den Banken und den daraus resultierenden Ergebnissen mit einer gewissen Skepsis: „Man müsste sich jeden einzelnen Test genau anschauen, um ihn zu beurteilen.“ Positiv sei auf jeden Fall, dass Öffentlichkeit hergestellt werde. Bekannte Auftraggeber für solche Bewertungen sind beispielsweise bekannte Medien wie „Focus“-Money, die Tageszeitung „Die Welt“ oder das Wirtschaftsmagazin „Euro“. Das in München ansässige Institut für Vermögensaufbau AG macht beispielsweise solche Untersuchungen. Kai Fürderer, der dort Mitglied im Vorstand ist, verweist darauf, dass für die Besuche bei den Instituten nur festangestellte Tester eingesetzt werden, die auch vom Fach seien, um die Ergebnisse dann entsprechend beurteilen zu können.

          „Wir glauben weiterhin an hohe Qualität bei der Testdurchführung und scheuen den Aufwand nicht, und dies in Verbindung mit einem konstruktiven Dialog mit den getesteten Banken, um besser werden zu können“, sagt er. Fürderer und auch andere Testanbieter betonen, dass es strenge Vorgaben gibt, um die erhobenen Daten vergleichbar zu machen. Daran hegt der ein oder andere Fachmann Zweifel. „Bei vielen Siegeln, insbesondere solchen, die die Qualität einer Beratung messen sollen, ist das Zustandekommen der Bewertungen völlig unklar. Durch die fehlende Transparenz entziehen sich die Anbieter solcher Siegel einer Bewertung durch die Öffentlichkeit“, erklärt hingegen Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

          Der Markt für private Siegel boomt

          „Aus dem Problem, ob man einer Bank vertrauen kann, wird dann das Problem, ob man einem Gütesiegel vertrauen kann.“ Verbraucherschützer kritisieren, dass die Banken die Auszeichnungen vor allem nach der Finanzkrise gezielt einsetzten, um verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. „Finanzberatung ist Vertrauenssache. Die vielfach berechtigte Kritik an Fehlberatungen der Banken seit der Finanzmarktkrise hat Misstrauen gegenüber Banken geschürt. Der Reputationsverlust ist schlecht fürs Geschäft, da wundert es nicht, dass der Markt für private Siegel, die vertrauensbildend wirken sollen, boomt.“

          Für Vorstand Fürderer steht die Aussagekraft der Bewertungen natürlich nicht in Frage. Aber er macht sich schon Sorgen um deren Zunahme. „Wenn es irgendwann mehr Siegel als Banken vor Ort gibt, ging der Krug zum letzten Mal zum Brunnen.“ Die Banken bekommen in der Regel Rückmeldung von den Instituten, wenn sie von ihnen unerkannt Besuch im Haus hatten. Es gibt auch Fälle, bei denen Bankmitarbeiter Verdacht schöpfen, dass es sich um einen Test-Kunden handeln könnte. Wenn ein bislang unbekannter Kunde die nächsten drei Wochen nicht erreichbar sei und dann gleichfalls nur am Telefon, werde er stutzig, so ein Berater, der seinen Namen nicht nennen will.

          Wer mit den Auszeichnungen Werbung machen will, muss in der Regel zahlen. Die Kosten reichen von rund 10 000 Euro für ein normales Siegel pro Bank. Und es können gleich mehrere zehntausend Euro fällig werden, wenn es um das noch lukrativere Geschäft mit den vermögenden Privatkunden geht. Auch die Verbraucherschützer sind auf dem Markt aktiv. Die Stiftung Warentest schickt ihre Testkunden auch in die Filialen, um die Beratungsleistung oder die entsprechenden Produktangebote zu bewerten. Dabei handelt es sich um entsprechend geschulte Privatleute, wie eine Sprecherin berichtet.

          Jahrzehntelang habe man das Siegel kostenfrei abgegeben. Seit 2013 wird aber nun auch Geld fällig. Ein Jahr Werbung mit der Auszeichnung von Stiftung Warentest kostet 7000 Euro, wer im Fernsehen damit auf Kundenfang gehen will, muss 15000 Euro an die Verbraucherschützer zahlen. Die zu den Sparkassen zählende LBBW-Tochter, BW Bank, lässt sich selbst von einem Dienstleister regelmäßig prüfen und zertifizieren. Mit diesem Gütesiegel wird dann auch geworben. Aber sonstige Testergebnisse oder Bewertungen werden eher skeptisch gesehen. „Die BW Bank nutzt derartige Angebote nach eingehender Prüfung nur sehr selektiv“, sagt ein Sprecher.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Commerzbank-Aktie fast 5 Prozent im Plus

          Fusionsgerüchte : Commerzbank-Aktie fast 5 Prozent im Plus

          Aktien der Commerzbank sind am Donnerstag gefragt. Es kursieren verschiedene Gerüchte, mit welcher Bank sich das deutsche Geldhaus zusammen tun könnte. Nach der italienischen Großbank Unicredit kommt nun auch die französische BNP Paribas ins Spiel.

          Topmeldungen

          Neues politisches Traumpaar? FDP-Chef Christian Lindner im Gespräch mit Angela Merkel

          Comeback der FDP? : „Dann haben wir den Salat und müssen regieren“

          Die FDP ist die politische Überraschung im Bundestagswahlkampf. Das Trauma von 2013 erschwert allerdings eine Koalition mit der Union. Die Therapiearbeit in der Partei hat früh begonnen.
          AfD-Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland

          Forsa-Chef Manfred Güllner : „Die AfD wird sich zerlegen“

          Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa rechnet mit Richtungskämpfen der künftigen AfD-Abgeordneten im Bundestag. Die Partei bezeichnet er als „durch und durch rechtsradikal, von ihrem Programm bis hin zu den Wählern“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.