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Bankberatung Hohn und Honorar

Karl Matthäus Schmidt will die Bankenwelt revolutionieren: Beratung gibt’s nur gegen Geld. Bisher folgen seiner Minibank nur 8500 Kunden.

© Gyarmaty, Jens Vergrößern Karl Matthäus Schmidt ist Vorstandschef der Quirin Bank.

Die Formulierung klingt bekannt, der Duktus seltsam vertraut: „Das Vermögen des Kunden ist unantastbar. Es zu vermehren ist oberste Pflicht.“ Artikel 1 Satz 1 und 2 des Grundgesetzes der Berliner Quirinbank. Richtig gehört: des Grundgesetzes.

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Auf einer Ebene mit den Verfassungsvätern - darunter macht es Karl Matthäus Schmidt nicht. Der Vorstandschef der Quirinbank hat insgesamt neun Paragraphen eigens entworfen und dafür gesorgt, dass sie in Klang und Satzbau den ersten Artikeln der deutschen Verfassung gleichen. Wo es im Grundgesetz heißt: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“, steht bei Schmidt: „Jeder Kunde hat das Recht auf optimale Rendite.“

„Wir sind die Speerspitze eines neuen, fairen Banksystems.“

Alle neuen Mitarbeiter müssen das Buch lesen, es ist rot eingebunden, 144 Seiten dick und zu jedem Paragraphen gibt es mehrseitige Erläuterungen, fast wie bei einem Verfassungskommentar. „Unser rotes Buch ist die Grundlage all unseren Handelns: Wenn man so will, beinhaltet es unser Weltbild“, sagt Schmidt und klopft mit der Hand auf den Buchrücken. Grundgesetz, Weltbild - das klingt nicht mehr nach Bankgeschäft, das klingt nach Mission.

Und die hat der Mann mit dem auffallenden Namen - und zwar mit allem, was dazugehört. Da ist zunächst einmal der unbedingte Glaube an sich selbst. Ein Zitat, dieses Mal aus dem Geschäftsbericht: „Wir sind die Speerspitze eines neuen, fairen Banksystems.“ Es ist diese Pose, in der sich Schmidt am liebsten sieht - als Vorkämpfer für die Rechte deutscher Bankkunden. Das mag maßlos übertrieben sein: Aber etwas unterscheidet den 43-Jährigen mit der Nickelbrille tatsächlich von den Vorstandsbossen, die in den Frankfurter Bankentürmen residieren. Die Aussicht aus Schmidts Berliner Büro über die Hauptstadt mag sich bescheiden ausnehmen im Vergleich zu den Chefzimmern in der Mainmetropole. Aber dafür ist sein Anspruch gewaltig: Schmidt will nichts weniger als die Bankenwelt revolutionieren.

150 Euro pro Stunde

Denn die Quirinbank ist das erste deutsche Geldhaus, das auf ein völlig anderes Konzept setzt als der Rest der Branche - auf die Honorarberatung. Der Gedanke dahinter: Der Kunde lässt sich zwar wie üblich beraten, wie er sein Geld am besten anlegen kann. Im Gegenzug zahlt er dem Berater aber dann beispielsweise ein vorab festgelegtes Honorar. Mindestens 150 Euro pro Stunde nimmt die Quirinbank. Bei Sparkassen und Volksbanken genau wie bei den großen Geldhäusern ist dies absolut unüblich: Dort muss ein Kunde erst mal gar nichts berappen, wenn er zum Beratungsgespräch an den Bankschalter kommt. Dafür kann er aber keineswegs sicher sein, dass am Ende genau die Wertpapiere in seinem Portfolio landen, die für ihn am besten geeignet sind. Hier nämlich erhalten die Berater für jedes Zertifikat, für jeden verkauften Fonds eine Provision, die der Kunde bezahlt: Und je höher die Provision, desto höher der Anreiz, dem Kunden ein bestimmtes Produkt ins Depot zu legen - ob es zu diesem passt oder nicht. Verdeckte Kosten, die meist gar nicht auffallen. Schmidt zieht die Stirn hoch, er kann sehr verächtlich dreinblicken: „Heute geht es leider nicht mehr um Kunden, sondern nur noch darum, die Leute nach Strich und Faden auszunehmen. Die Banken denken nur an ihre Margen. Hieran muss sich dringend etwas ändern.“

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