26.01.2012 · Vier von zehn Deutsche halten ihre Altersvorsorge für unzureichend. Trotzdem wollen immer weniger Menschen ihr Geld dafür ausgeben. Die Euro-Krise verstärkt die Zweifel an der Planbarkeit des Lebens.
Von Kerstin Schwenn, BerlinDie Deutschen rechnen im Alter mit spürbaren Lücken bei ihrer Altersvorsorge. Dies hat eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ergeben, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Danach erwarten die Bürger eine Rentenlücke von durchschnittlich rund 600 Euro. Vier von zehn Befragten hielten ihre eigene Altersvorsorge für unzureichend. Doch trotz der verbreiteten Gewissheit, sich ohne zusätzliche Altersvorsorge später einschränken zu müssen, sind Ausgaben für die private Altersvorsorge nicht sehr beliebt. Nach der Allensbach-Umfrage sind nur 24 Prozent der Befragten bereit, Geld dafür aufzubringen. Vor zehn Jahren waren es noch 45 Prozent.
Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher stellte dazu fest: „Das Interesse am Thema Altersvorsorge geht zurück. Die Krise in der Eurozone führt dazu, dass die Bürger immer weniger das Gefühl haben, langfristig verlässlich planen und sparen zu können.“ Dies stimuliere eher den kurzfristigen Konsum als die langfristige Vorsorge. In der Konkurrenz mit Hobbys, Reisen oder Ausgaben für das Wohnen werde die Altersvorsorge oft zurückgestellt.
Am geringsten sei das Interesse an zusätzlicher Vorsorge in Berlin und im Osten Deutschlands, am höchsten in Bayern. In diesem Jahr sei auch keine Tendenzwende in Sicht, berichtete Köcher. Nur 15 Prozent der Befragten planten, 2012 mehr für die private Altersvorsorge auszugeben. Wichtigstes Kriterium bei der Altersvorsorge sei für die Deutschen die Sicherheit; Rendite werde nur als zweitrangig angesehen. Nur eine Minderheit habe konkrete Renditeerwartungen von gut 3 Prozent, sagte Köcher.
Die Versicherungswirtschaft hält Transparenz für entscheidend, um Bürger zu mehr privater Altersvorsorge zu motivieren. Der Vorsitzende des GDV-Hauptausschusses Lebensversicherung, Maximilian Zimmerer, schlug die Einführung einer Informationsplattform vor, die es jedem per Mausklick ermöglichen solle, sich auf einen Blick über den Stand seiner gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersvorsorgeansprüche zu informieren. Damit würden auch die Vorsorgelücken sichtbarer. In Dänemark gebe es dieses Modell schon; in Deutschland müsse die Rechtsgrundlage dafür geschaffen werden, sagte Zimmerer.
Altersvorsorge heißt auch Vermögensabsicherung
Uwe Martens (elixiranwalt)
- 26.01.2012, 19:13 Uhr
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